Optimierung der Blutdruckeinstellung durch Ärzteschulung zur Implementierung von Partizipativer Entscheidungsfindung bei Blutdruckpatienten in Südbaden
Karl-Georg Fischer1, Andreas Loh2, Wilhelm Niebling2, Iris Tinsel2
1 Med. Universitätsklinik Freiburg, Abt. Nephrologie und Allgemeinmedizin
2 Lehrbereich Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Freiburg
Hintergrund:
Die hohe Prävalenz von Bluthochdruck in Deutschland und dessen Folgen für Morbidität und Mortalität sowie die ethische Notwendigkeit, Patienten verstärkt in ihre Behandlung einzubeziehen, machen ein Umdenken in der Arzt-Patienten-Beziehung notwen-dig. Partizipative Entscheidungsfindung (PEF) ist ein Ansatz, der hinsichtlich Patientenwissen, Adhärenz, Kosten-Effektivität der Behandlung und Partizipation positive Ergebnisse erzielt hat. Ob PEF die Hypertoniebehandlung optimieren kann, soll in diesem RCT untersucht werden. Primärer Endpunkt ist das Ausmaß der Partizipation und die in Abhängigkeit davon erzielte Blutdruckeinstellung.
Methode und Stand der Studie:
In 36 Hausarztpraxen wurden Patienten mit medikamentös behandelter Hypertonie rekrutiert. Die Interventionsgruppe (n=17 Praxen) erhielt nach der Baselineerhebung (T0) ein Training in Partizipativer Entscheidungsfindung (PEF). In der Kontrollgruppe (n=19 Praxen) wurde behandelt wie bisher. Die Datenerhebungen des 1. und 2. Follow-up (T1, T2) sind mittlerweile abgeschlossen. Das 3. Follow-up (T3) findet zwischen April und Juni 2011 statt. Instrumente: In allen Erhebungen wurden klinische Daten (24h-Blutdruckmonitoring [ABDM], Praxisblutdruckmessung, Cholesterin, HbA1c, Neben-diagnosen) ermittelt und Patientenfragebögen verteilt. Letztere erheben neben sozio-demografischen Daten, Gesundheitsverhalten, Adhärenz (MARS), Vertrauen in den Arzt (TPS), Wissen (Eigenentwicklung) sowie Autonomiepräferenz (API) auch die Frage nach dem Ausmaß der wahrgenommenen Partizipation (PEF-FB-9). Das kardiovaskuläre Risiko (CVR) wurde mittels Algorithmus des arriba-Herz-Kreislauf-Rechners bestimmt.
Ergebnisse:
Für T0 liegen von n=1036 Patienten gültige Daten vor, die normotone Blutdruckgrenzwerte überschreiten und/oder eine Nebenerkrankung mit zusätzlichem kardio-vaskulären Risiko haben. Die Analysestichprobe zu den Zeitpunkten T0 und T1 umfasst n=590 Patienten. n=449 Patienten wurden aufgrund unvollständiger Daten ausgeschlossen. In der Analysestichprobe verteilen sich die Patienten annähernd gleich auf beide Studienarme (Interventionsgruppe: 48 %). 48 % der Patienten sind männlich, der Alters-median liegt bei 65 Jahren (25-91). Die von den Patienten wahrgenommene Partizipation liegt bei T0 auf einer Skala von 0 bis 100 (keine bis sehr hohe Partizipation) bei 72 (SD=19). Während in der Interventionsgruppe die mittlere Partizipation zu beiden Erhebungs-zeitpunkten (T0, T1) mit 73 gleich hoch ist, sinkt sie in der Kontrollgruppe von 71 (SD=21) auf 67 (SD=20). Die mittleren Blutdruckwerte (24h) sinken von 131/81 mmHg zum Zeitpunkt T0 auf 128/78 mmHg zum Zeitpunkt T1.
Ausblick:
Ein möglicher Effekt der Intervention auf die Blutdruckeinstellung wird frühestens in der Erhebung T2 sichtbar. Diese Daten werden zum Workshop präsentiert.
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