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Abschlussbericht

 

Kontaktdaten

Dr. Carsten Oliver Schmidt, Dipl.-Psych.
Methods of Community Medicine
Institute of Community Medicine
Walther Rathenau Str. 48
17487 Greifswald, Germany
Tel.: 03834 867768
Fax: 03834 867766
Email:

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Risikoadaptierte Patienteninformation und -schulung bei nichtspezifischen Rückenschmerzen in der Allgemeinarztpraxis

Carsten Oliver Schmidt, Jean-François Chenot, Michael Pfingsten, Ruth Anja Fahland, Ulf Marnitz, Gabriele Lindena, Klaus Pfeifer, Thomas Kohlmann

 

Das Projekt verfolgt das Ziel, für 20- bis 60-jährige Patienten mit akuten, nichtspezifischen Rückenbeschwerden in der Allgemeinarztpraxis Informations-, Beratungs- und Schulungs-angebote zu implementieren, die über medizinische Faktoren hinaus auf die psychosozialen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt sind. Im primären Fokus steht die Förderung der individuellen Gesundheitskompetenzen im Umgang mit den Rückenschmerzen. Dazu gehören gesundheitsrelevantes Wissen, rückenschmerzbezogene Kognitionen, adäquate Einschätzung von Risiken durch Bewegung bei Schmerzen, aktive Nutzung gesundheitsförderlicher Ressour-cen im sozialen Nahraum sowie ein verbessertes Verständnis von Therapieverfahren.

 

Umgesetzt wird das Projekt als cluster-randomisierte Studie mit einer Interventions- und einer Kontrollgruppe an zwei Standorten (Berlin, Göttingen und Umgebung). Das Projekt ist im April 2008 gestartet und läuft bis August 2011. Der Erfolg der Intervention im Vergleich zur Standardtherapie wird mit zwei postalischen Nachbefragungen im Abstand von je 6 Monaten überprüft. An der Studie beteiligen sich 27 Praxen in Berlin (davon 12 im Kontrollarm, 15 im Interventionsarm) und 15 Praxen in Göttingen (8 im Kontrollarm, 7 im Interventionsarm).

 

Die Pilotierung erfolgte im November 2008 an beiden Standorten in je 2 Praxen. Im Januar 2009 wurden in Berlin und Göttingen für alle teilnehmenden Praxen Schulungen zur Erläuterung des Studienablaufs in der Praxis und zum Training der Therapeuten durchgeführt. Die Rekrutierung der Patienten erfolgte von März 2009 bis April 2010. Insgesamt 430 Patienten gaben ihr Einver-ständnis zur Studienteilnahme. Nach Überprüfung der Ein- und Ausschlusskriterien verblieben 347 Teilnehmer, 172 in der Interventionsgruppe und 175 in der Kontrollgruppe.

 

Anhand eines kurzen, in der Arztpraxis durchgeführten Fragebogen-Screenings, erfolgte die Zu-weisung der Teilnehmer durch den Arzt in Abhängigkeit ihres individuellen Risikos für chronische Rückenschmerzen in eine von drei Gruppen (Niedrig-, Mittel-, oder Hoch-Risiko-Gruppe). Alle Teilnehmer der Interventionsgruppe erhielten eine Informationsbroschüre über Rückenschmerzen („Back Book“) sowie das Angebot zur kostenlosen Telefon- und E-Mail-Beratung. Patienten mit einem mittleren Risiko konnten an zwei aufeinander aufbauenden Schulungsterminen von je 90 Minuten teilnehmen. In diesen Schulungen wurden ihnen Informationen zur Entstehung, Verlauf, Risikofaktoren und protektiven Faktoren von Rückenschmerzen vermittelt. Unter Anleitung von Sport- oder Physiotherapeuten erlernten sie zusätzlich verschiedene Übungen zur Stärkung des Bewegungsapparates. Hoch-Risiko-Patienten wurde zusätzlich die Teilnahme an zwei psycho-logischen Schulungsterminen von je 90 Minuten angeboten, in denen Informationen zu rücken-schmerzbezogenen Kognitionen sowie situationsbezogene Bewältigungsstrategien vermittelt wurden.

 

Von den 172 Teilnehmern der Interventionsgruppe wiesen 65 Teilnehmer (38 %) ein niedriges, 60 Teilnehmer (35 %) ein mittleres und 47 Teilnehmer (27 %) ein hohes Risiko zur Chroni-fizierung von Rückenschmerzen auf. Für die Mittel- und Hoch-Risiko-Gruppen wurden zwischen April 2009 und April 2010 20 physiotherapeutische Schulungen und 8 Schulungen zur Schmerzbewältigung angeboten. Trotz des hohen Engagements der Studienassistenten, erwies sich die Planung der Schulungen als sehr schwierig. Insgesamt nahmen nur etwa 30 % der möglichen Probanden in Berlin und etwa 50 % in Göttingen an den Schulungen teil. Hauptgründe für die geringe Teilnahmequote waren das geringe Interesse der Patienten an den Schulungen sowie die Unvereinbarkeit mit anderen privaten Terminen. Statt einer geplanten Gruppengröße von 10-15 Teilnehmern pro Schulung, nahmen durchschnittlich 3-4 Teilnehmer an den Schulungen teil.

 

An der ersten Nachbefragung von Oktober 2009 bis Dezember 2010 beteiligten sich 59 % der Probanden, wobei die Responserate in beiden Standorten vergleichbar war (62 % bzw. 58 %). Zur Steigerung der Responserate der zweiten Nachbefragung von April 2010 bis Mai 2011 wurden Geschenkgutscheine in Höhe von 20 € als Incentives eingesetzt. Die Responserate der zweiten Nachbefragung konnte dadurch auf 71 % gesteigert werden.Die Erhebung der Zielgrößen zur Ergebnisevaluation (u.a. Funktionsbeeinträchtigung, Schmerz-intensität, Inanspruchnahme medizinischer Leistungen) wird Ende Mai 2011 abgeschlossen sein. Im Sommer 2011 sollen die entsprechenden Analysen abgeschlossen werden.




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