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Abschlussbericht

 

Kontaktdaten

Prof. Dr. B. Kröner-Herwig
Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie
Abt. Klinische Psychologie u. Psychotherapie
Goßlerstr. 14
37073 Göttingen
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PD Dr. B. Jäger
Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
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Sekundärprävention einer Anpassungsstörung bei anhaltendem Tinnitus - Medienbasierte Programme vs. Gruppenschulung

Nach dem Einsetzen des Tinnitus kommt es bei manchen Betroffenen sehr schnell zu einer hohen psychischen Belastung, die in vielen Fällen über mehrere Jahre kaum nachlässt. In der vorliegenden Studie wurde die Wirksamkeit eines kognitiv-behavioralen Behandlungsansatzes (dargeboten entweder als Broschüre, Internet-basiertes Selbstmanagementtraining oder als Gruppentraining) mit der einer Kontrollgruppe verglichen.


Die Teilnehmer berichteten seit maximal sechs Monaten subjektiven Tinnitus, waren zwischen 18 und 76 Jahre alt und bekamen gegenwärtig keine weitere psychotherapeutische Behandlung. Insgesamt wurden 339 Patienten den vier Studienbedingungen randomisiert zugewiesen. Als Erfolgsmaße wurden die Tinnitusbelastung, die Depressivität und die psychosomatische Symptombelastung erhoben. Zudem wurden die Akzeptanz und Nutzung der Programme via Selbstbericht bzw. Log-Daten erhoben. Die Datenauswertung folgte dem intention to treat-Prinzip.


Zum Post-Zeitpunkt war die Tinnitusbelastung signifikant niedriger in der Internet- und der Gruppenbedingung im Vergleich zur Kontrolle bei mittleren bis hohen Effektstärken. Zum Follow up-Zeitpunkt war die Tinnitusbelastung in allen drei Trainingsbedingungen signifikant geringer als in der Kontrollbedingung bei mittleren Effektstärken. Das Ausmaß der psychosomatischen Symptombelastung und der Depressivität unterschied sich nur in einem Fall zwischen den Gruppen: Zum Post-Zeitpunkt zeigten die Teilnehmer der Gruppenbedingung eine geringere Depressivität als die Kontrolle. Dabei konnte durch die Auswertung der für einen Teil der Stichprobe vorliegenden audiometrischen Daten gezeigt werden, dass die objektivierbarere Belastung ableitbar durch Merkmale wie Hörminderung, Tinnituslautheit und Tinnitusfrequenz sich gleich auf die verschiedenen Studienarme verteilte. Hinsichtlich der Bewältigungsfähigkeiten unterscheiden sich die Gruppen im Jahresverlauf kaum. Einzig die Entspannungsfähigkeit steigt in der Gruppen- und in der Internetbedingung signifikant an im Vergleich zur Kontrollgruppe.


Die Zufriedenheit mit den drei aktiven Trainingsbedingungen war signifikant höher als die Zufriedenheit mit der Informationsbroschüre (Kontrolle). Die höchste Zustimmung fand das Gruppen- gefolgt vom Internettraining. Die Dropout-Rate lag zum Follow up-Zeitpunkt bei 39 %. Eine Analyse der log Daten zeigte, dass 64.4 % der Teilnehmer nicht das vollständige Internettraining absolvierten.
In den gesundheitsökonomischen Analysen zeigte sich eine erhebliche Variabilität hinsichtlich der Krankheitskosten im ersten Jahr nach dem Neuauftreten des Tinnitus. Während für knapp 20% der Teilnehmer keine Gesundheitskosten für die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen entstanden sind, verursacht ein geringer Teil
der Betroffenen (etwa 10%) etwa 70% der Kosten. Dabei belaufen sich die Hochrechnungen der Gesundheitskosten für diese Subgruppe auf durchschnittlich 4000 Euro. Die vier Studienarme unterschieden sich im Jahresverlauf nicht statistisch signifikant in den Gesundheitskosten. Unter Berücksichtigung der Kosten für die Entwicklung und Durchführung der Interventionen sind aus gesundheitsökonomischer Sicht das internetbasierte Training und das Gruppenangebot am kosteneffizientesten.


Die vorliegende Studie zeigt, dass die Tinnitusbelastung bereits im Akutstadium durch eine kognitiv-behavioral Kurzintervention gemindert werden kann. Besonders gute Ergebnisse erzielten dabei das Internet- und das Gruppentraining, für die auch die Akzeptanzwerte besonders hoch waren. Diese Ergebnisse wurden erzielt, obwohl laut Log Daten-Analyse die Mehrheit der Teilnehmer nicht alle Trainingsbausteine in Anspruch nahm.




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