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Abschlussbericht

 

Kontakt

Dr. Hans Kordy
Forschungsstelle für Psychotherapie
Universitätsklinik Heidelberg
Bergheimer Str. 54
69115 Heidelberg
Tel: ++49-6221-56-7345
Fax: ++49-6221-56-7350
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Wirksamkeit und Nachhaltigkeit eines internet-vermittelten post-stationären Verhaltenstrainings für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen

Projektleitung: Dr. Hans Kordy; Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Forschungsstelle für PsychotherapieMitantragssteller: Prof. Dr. med. Marcus Schiltenwolf, Orthopädische Universitätsklinik HeidelbergStudienpartner: Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg, Fachklinik Enzensberg, Klinikum Neuperlach, Amperkliniken Dachau, DRK Schmerz-Zentrum Mainz und die Schmerzklinik Kiel

 

Die nachhaltige Verbesserung der Schmerzintensität und Funktionsfähigkeit ist das Ziel der Gesundheitsversorgung von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Die stationäre multimodale Schmerztherapie führt zu einer deutlichen Verbesserung zum Behandlungsende. Zur Stärkung der Nachhaltigkeit der positiven Veränderung wurde ein Internet-basiertes Nachsorgeprogramm entwickelt, dessen Wirksamkeit in der vorliegenden Studie untersucht wird. Das Programm umfasst wöchentliche Gruppensitzungen von 90 Minuten Dauer in einem Chatraum, die von einem Therapeuten moderiert werden, sowie ein individualisiertes supportives Monitoring zur Stärkung des Selbstmanagements. Die Dauer ist auf 12-15 Wochen festgelegt.

 

Die Wirksamkeit wird in einer randomisierten, dreiarmigen, multizentrischen Kontrollgruppenstudie untersucht. Eine Studiengruppe nahm nach Entlassung aus der Klinik am Nachsorgeangebot teil (CHAT), eine Gruppe an einer Internet-Selbsthilfegruppe ohne therapeutische Leitung (NEUT) und die dritte Gruppe bekam keine Nachsorge angeboten (TAU). Zusätzlich zu Erhebungen bei Aufnahme in und Entlassung aus der Klinik werden die Studienteilnehmer 3, 6, 9 und 12 Monate nach Entlassung befragt. Primärer Endpunkt ist die 12-Monatsnachuntersuchung.

 

Die Rekrutierung wurde im August 2010 erfolgreich abgeschlossen. Von den insgesamt N=377 Studienteilnehmern wurden N=169 der Gruppe CHAT, N=165 der Gruppe TAU und N=43 der Gruppe NEUT zugelost (der Studienarm NEUT wurde in Abstimmung mit dem Projektträger frühzeitig eingestellt, da dieses Angebot von den Teilnehmern sehr schlecht angenommen wurde). Die 3 und 6-Monatsnachuntersuchungen sind abgeschlossen, die Erhebungen zum 9- und 12-Monatszeitpunkt werden bis Ende Mai bzw. August 2011 abgeschlossen sein. Die Rücklaufquoten von rund 80% in den 3- und 6-Monatsnachuntersuchungen und der bisherige Rücklauf stützten die Erwartung, dass auch für die 9- und 12-Monatsnachunter-suchung (mindestens) 80% erreicht werden.

 

Die von einem Therapeuten moderierten Chatsitzungen sind insgesamt positiv angenommen worden. Die Teilnehmer nahmen durchschnittlich 5,3 Chatsitzungen in Anspruch, allerdings nahmen N=49 (29,0%) an keiner einzigen Chatsitzung teil (der Durchschnitt für die übrigen lag bei 7,0). In der Beurteilung direkt im Anschluss an die wöchentlichen Sitzungen äußerten sich 82,3% der Teilnehmer als ziemlich oder sehr zufrieden mit den Rückmeldungen des Therapeuten und 75,0% als ziemlich oder sehr zufrieden mit den Rückmeldungen der anderen Gruppenmitglieder. 52,7% bewerteten die Chatsitzung als ziemlich oder sehr hilfreich und 76,1% waren mit der Sitzung insgesamt zufrieden. Lediglich 9,7% fühlten sich durch die technischen Gegebenheiten des Chats in ihrem Ausdrucksvermögen eingeschränkt.

 

Die vorläufigen Ergebnisse zur Wirksamkeit des Nachsorgeangebots zum primären Endpunkt 12 Monate nach der Entlassung aus der Klinik sind ernüchternd. Weder für die Schmerzintensität noch für die Funktionsfähigkeit zeigt sich eine positive Wirkung. Allerdings fehlen derzeit noch rund ein Viertel der Abschlussbefragungen, so dass eine Schlussfolgerung verfrüht ist.

 

Fazit: Das internetbasierte Nachsorgeprogramm ließ sich gut in die Abläufe der teilnehmenden Kliniken integrieren. Es wurde von den Patienten gut angenommen. Die Wirksamkeit ist vermutlich geringer als erhofft. Die vollständigen Daten für eine abschließende Beurteilung werden im Spätsommer 2011 verfügbar sein.




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