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Abschlussbericht CRAFT

 

Kontakt

Dr. phil. G. Bischof
Universität zu Lübeck
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Arbeitsgruppe S:TEP (Substanzmissbrauch: Epidemiologie, Epidemiologie, Prävention)
Ratzeburger Alle 160
23538 Lübeck, 
Fax: 0451-5003480
Tel.: 0451-5004860
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Intervention bei Angehörigen von Alkoholabhängigen ohne Therapiebereitschaft nach dem Community Reinforcement and Family Training (CRAFT)

Gallus Bischof, Julia Iwen, Christian W. Müller, Hans-Jürgen Rumpf
Universität Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

 

Angehörige von unbehandelten Alkoholabhängigen sind oftmals psychisch hoch belastet. Bislang gibt es keine Behandlungsangebote für Angehörige, welche die häusliche Suchtproblematik mit berücksichtigen. Nach den bislang in Deutschland verbreiteten Konzepten der Angehörigenarbeit werden Angehörige als prinzipiell machtlos betrachtet. In verschiedenen US-amerikanischen Studien konnte jedoch gezeigt werden, dass die Behandlung von Angehörigen einen starken Einfluss auf die Bereitschaft von Menschen mit Alkoholproblemen ausüben kann, fachliche Hilfen in Anspruch zu nehmen. Die Studie überprüft nun, wie und ob durch ein Verhaltenstraining für Angehörige unbehandelte Alkoholabhängige zu einer Behandlung motiviert werden können. Zusätzlich wird durch das Training eine Verbesserung der Lebensqualität der teilnehmenden Angehörigen angestrebt. Die Ergebnisse der aus 12 wöchentlich stattfindenden Einzelsitzungen bestehenden Behandlung werden mit Veränderungen einer vorerst unbehandelten Gruppe verglichen. Die aus den USA übernommenen Module wurden dabei an die lokalen Gegebenheiten angepasst. 
Die Studie richtet sich an erwachsene Personen, die regelmäßigen Kontakt zu einer alkoholabhängigen Person ohne aktuelle Behandlungskontakte und Behandlungsbereitschaft haben.

 

Hintergrund: 
In Deutschland gelten nach Schätzung der Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren 5-7 Millionen Angehörige von Alkoholabhängigen als von der Abhängigkeit unmittelbar mitbetroffen. Die hohe Belastung dieser Menschen zeigt sich an erhöhten Raten stressbedingter Erkrankungen und psychosozialer Beeinträchtigungen (z.B. Orford et al., 1975, 2005). Studien konnten konsistent belegen, dass die Einbeziehung Angehöriger in die Behandlung von Abhängigkeitserkrankten zu einer Verbesserung der kurz- und langfristigen Therapieerfolge führt. Zugleich werden jährlich nur etwa 10% der Alkoholabhängigen durch das Suchthilfesystem erreicht, Angehörige stellen lediglich etwa 6% der Nutzer des ambulanten Suchtkrankenhilfesystems dar (Sonntag et al., 2007). Angehörigen von Behandlung ablehnend gegenüber stehenden Menschen mit Alkoholproblemen wird oftmals lediglich die Trennung angeraten; diejenigen, die diesen Schritt nicht gehen wollen oder können, finden nur schwer Unterstützung. Dabei konnte in verschiedenen US-amerikanischen Studien gezeigt werden, dass die Behandlung von Angehörigen einen starken Einfluss auf die Bereitschaft von Menschen mit Alkoholproblemen ausüben kann, fachliche Hilfen in Anspruch zu nehmen (z.B. Miller et al., 1999). Ein bewährtes Konzept stellt demnach das Community Reinforcement And Family Training (CRAFT) dar. In diesem Ansatz wird davon ausgegangen, dass Familienangehörige einen wesentlichen Beitrag für die weitere Entwicklung des Substanzkonsums des Alkoholkranken („Index-Patient", IP) und die Inanspruchnahme von Hilfen leisten können. Gegenstand des Trainings ist primär die Vermittlung der zu diesem Zweck als sinnvoll erachteten Fertigkeiten, ergänzt durch weitere Module, welche auf die Verbesserung der eigenen Lebensqualität abzielen. Dabei werden primär drei Ziele verfolgt: Zunächst soll der Substanzkonsum des IP reduziert werden, um in einem weiteren Schritt die Behandlungsaufnahme des IP zu erreichen. Unabhängig von diesen beiden Zielen soll die Lebensqualität des Angehörigen verbessert werden.
CRAFT basiert auf Grundlagen der Lerntheorie und behandelt in 12 Einzelsitzungen folgende Module: 
1) Motivieren des Angehörigen, 
2) Funktionale Verhaltensanalyse, 
3) Strategien gegen Gewalt, 
4) Kommunikationstraining, 
5) Positive Verstärkung, 
6) Nutzung negativer Konsequenzen, 
7) Strategien zur Verbesserung der Lebensqualität, und 
8) Motivierung des IP, Hilfe in Anspruch zu nehmen (vgl. Bischof, 2007).

 

Ziele: 
Überprüfung eines Interventionsansatzes für Angehörige unbehandelter Alkoholabhängiger mit dem Ziel der Erhöhung der Inanspruchnahme von Hilfen seitens der Alkoholkranken sowie der Reduzierung der psychosozialen Belastung der teilnehmenden Angehörigen.

 

Methoden: 
Randomisiertes Wartegruppendesign. 120 Angehörige von Alkoholkranken werden randomisiert in eine Sofortige-Behandlungsgruppe oder in eine 3-Monats-Wartegruppe aufgeteilt. Nacherhebungen erfolgen nach 3, 6 und 12 Monaten. In Anlehnung an die Einschlusskriterien amerikanischer Studien werden erwachsene Angehörige von IPs mit einer alkoholbezogenen Störung, die mit dem IP zusammenleben oder mindestens 20 Stunden pro Woche mit dem IP verbringen, in die Studie eingeschlossen. Ausschlusskriterien sind gegenwärtige alkoholspezifische Behandlung des IP, Vorliegen einer Polytoxikomanie bei dem IP, eine eigene substanzbezogene Abhängigkeitserkrankung (Ausnahme: Nikotinabhängigkeit) des Angehörigen, sowie eine Vorgeschichte gewalttätiger Übergriffe in der Partnerschaft unter Nutzung von Waffen.
Aktueller Stand: Die Patientenrekrutierung begann im Mai 2008, bislang konnten 63 Studienteilnehmer eingeschlossen werden. Zur Verbesserung der Rekrutierung wurden Ende 2008 erste Pressekontakte hergestellt.

Literatur beim Verfasser




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