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Kontaktdaten (Ansprechpartner)

Prof. Dr. N. Wodarz

Leiter des Bereichs Klinische Suchtmedizin Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität am Bezirksklinikum

Universitätsstr. 84

93042 Regensburg

Tel. 0941 941 2080

Fax. 0941 941 2081

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Manualisierte, bedarfsorientierte Psychoedukation in der Akutbehandlung Alkoholabhängiger zur Verbesserung der Inanspruchnahme weiterer Hilfen

Hintergrund

2 – 3% der deutschen Bevölkerung über 18 Jahren sind alkoholabhängig. Kontakt zum Hilfesystem entsteht häufig erst wegen Folgeerkrankungen bzw. Komplikationen, wie z.B. einem Alkoholentzugssyndrom, worauf sich die Akutbehandlung dann vielfach beschränkt. Die eigentliche Grunderkrankung bleibt meist unberücksichtigt. Dies führt zu hohen Rückfallraten und damit zu einer hohen Ressourcenbelastung des Gesundheitssystems. Nehmen Alkoholabhängige jedoch weiterführende suchtspezifische Hilfen in Anspruch, erhöht sich die Abstinenzwahrscheinlichkeit deutlich und damit in der Regel auch die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen und die Kosteneffizienz der Akutbehandlung. Interventionen, die Alkoholabhängige zur Inanspruchnahme weiterführender Hilfen motivieren, sollten deshalb Bestandteil einer Akutbehandlung sein. Bislang liegt keine Evidenzbasierung des kritischen Überganges zwischen Akut- und Postakutbehandlung vor. Aufgrund der in Deutschland weltweit einzigartigen Trennung zwischen Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung gehen gerade an dieser Schnittstelle viele Patienten „verloren“. Gelingt eine nahtlose Vermittlung in eine suchtspezifische Postakutbehandlung ist der hohe Nutzen für Patienten und Kostenträger unbestritten.

 

Ziele

Es wird ein einfach und kostengünstig durchführbares Interventionsmanual für eine motivierende Psychoedukation während der Alkoholentzugsbehandlung evaluiert. Primäres Ziel ist die Erhöhung der Inanspruchnahme weiterführender Hilfen nach Abschluss einer akuten Entzugsbehandlung. Die vorgesehenen Maßnahmen sollen bedarfsgerecht Wissen und Kompetenzen über die Grunderkrankung Alkoholabhängigkeit vermitteln (Problemaktualisierung), die selbstverantwortliche Festlegung der individuellen Veränderungsziele ermöglichen und die Erhöhung der Mitwirkungs- und Veränderungsbereitschaft (Ressourcenaktivierung) bewirken. Der Einfluss interferierender Variablen, wie Geschlechtseffekte oder sozioökonomische Faktoren, wird durchgehend für eine evtl. Anpassung der Intervention berücksichtigt. Zur Umsetzbarkeit in die klinische Praxis wird evaluiert, ob sich das Gruppenprogramm in die bestehenden Konzepte einer Entzugsbehandlung integrieren lässt und wie es von den Ärzten/Suchttherapeuten und Patienten während der Akutbehandlung akzeptiert wird.

 

Methoden

Die Evaluation des aus 4 Bausteinen bestehenden Behandlungsmanuals erfolgt durch eine randomisierte, kontrollierte multizentrische Studie. Die erforderliche Stichprobengröße umfasst insgesamt 300 Patienten. Die Interventionsgruppe unterscheidet sich von der Kontrollgruppe lediglich durch die motivierende Psychoedukation im Gruppensetting. Durch eine strukturierte Diagnostik mit standardisierten Interviews und Fragebögen werden potentiell interferierende Variablen des allgemeinen und störungsspezifischen klinischen Erscheinungsbildes, der Persönlichkeit und der Sozioökonomie erfasst. Der Verlauf wird durch Nachuntersuchungen nach 3, 6 und 12 Monaten überprüft.

 

Aktueller Stand

Es wurden bisher insgesamt 280 Patienten in den Zentren rekrutiert. Nach 213 Patienten erfolgte nach Studienprotokoll eine Zwischenauswertung, wobei die vor Ort tätigen Untersucher blind für die Gruppenzuordnung blieben. In dieser Teilstichprobe waren 34% der Patienten weiblich und das Durchschnittsalter lag bei 46,6 Jahren. 54% der Patienten erfüllten alle 6 Diagnosekriterien der Abhängigkeit nach ICD-10. Die Response-Rate der Katamnesen liegt derzeit bei ca. 70%. Beim derzeitigen Verlauf sollte die Rekrutierungsphase bis Ende 2012 abgeschlossen sein.

Das Projekt wurde kostenneutral in der Laufzeit verlängert.

 




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