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ICF-PsychA&P

 

Korrespondenzadresse

Projektleitung:

Dr. Sylke Andreas

PD. Dr. Holger Schulz

 

Ansprechpartner:
Anna Levke Brütt
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, Haus W 26
20246 Hamburg

Tel. ++49(0)40/7410-57313
Fax ++49(0)40/7410-54940
Email:

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Entwicklung, psychometrische Testung und Implementierung eines an der ICF orientierten Instruments für die Erfassung von Aktivitäten und Partizipation bei Patienten mit psychischen Erkrankungen

Psychische Störungen sind nicht nur häufig auftretende, sondern auch stark beeinträchtigende Erkrankungen. Neben der Belastung durch die Symptome leiden die Betroffenen daran, Aufgaben des alltäglichen Lebens nur noch schwer bewältigen zu können. Um auch solche Probleme systematisch zu erfassen, wird in diesem Projekt ein Fragebogen entwickelt, der speziell Aktivitäten und Teilhabe am sozialen Leben dieser Betroffenen erfragt.

Die „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF), die 2001 von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlich wurde und Funktionsfähigkeit auf verschiedenen Ebenen klassifiziert, dient hierbei als Rahmenkonzept.

Im weiteren Projektverlauf soll außerdem geprüft werden, ob der Einsatz des Fragebogens und damit die spezifische Erhebung von Problemen in Aktivitäten und Teilhabe einen Einfluss auf den Therapieverlauf nehmen kann. In einer Nachbefragung soll geprüft werden, ob die stationäre Behandlung zu einer nachhaltigen Verbesserung von Aktivitäten und Teilhabe im Alltag der Betroffenen geführt hat.


Brütt, A. L., Schulz, H., Koch, U. und Andreas, S. 

 

Hintergrund: 
Rehabilitationsbehandlungen umfassen ein breites Angebot, in dem nicht nur psychische und körperliche Symptome reduziert, sondern auch die Teilhabe des Patienten in verschiedenen Lebensbereichen gefördert werden soll (Schulz & Koch, 2002). Mit der „Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit" (ICF) (WHO, 2001) steht seit 2001 ein Konzept zur Verfügung, das das biomedizinische Krankheitsmodell um die Ebenen Aktivitäten und Teilhabe sowie Umwelt- und Personenfaktoren erweitert. Somit ist es möglich, nicht nur Körperfunktionen und -strukturen, sondern auch Beeinträchtigungen in der Lebenswirklichkeit von Patienten systematisch zu klassifizieren. Obwohl sich die ICF als konzeptionelles Bezugssystem für Rehabilitationsbehandlungen etabliert hat, ist die Umsetzung in die Praxis bisher wenig vorangeschritten. Für einige, vorwiegend körperliche Erkrankungen, wurden sogenannte Core Sets, die krankheitsspezifisch bedeutsame ICF-Kategorien abbilden, entwickelt (Cieza et al., 2004). Für psychische Erkrankungen fehlen aber immer noch praktikable, reliable und valide Selbsteinschätzungsinstrumente zur Erfassung von Aktivitäten und Partizipation.

 

Ziele:
Die Entwicklung des Instruments erfolgte in einem dreistufigen Vorgehen. Zunächst soll ein ICF-basiertes Instrument speziell zu Aktivitäten und Partizipation für Patienten mit psychischen Erkrankungen entwickelt, dann soll dieses an einer Stichprobe psychometrisch getestet und schließlich in der dritten Arbeitsphase als Instrument in die klinische Praxis integriert werden.

Im ersten Schritt wurden auf Basis einer Literaturrecherche Outcome-Instrumente identifiziert, die auf ihren zur ICF-Dimension Aktivitäten und Partizipation bezogenen Inhalt untersucht wurden. Durch Fokusgruppen wurde die Bedeutsamkeit der ICF-Kategorien aus Sicht der Patienten eruiert. Schließlich wurde mittels eines Expertenworkshops die Relevanz der bis dahin identifizierten ICF-Kategorien für die Behandlung überprüft. Nach der multiperspektivischen Entwicklungsphase des Instruments wurden die Items in einem letzten Schritt mittels der Methode des cognitive debriefing mit Patienten auf ihre Verständlichkeit und Akzeptanz überprüft. Dazu wurden ausführliche Einzelinterviews mit 6 Patienten in stationärer psychotherapeutischer Behandlung durchgeführt. Am Ende dieser ersten Arbeitsphase wurde ein 52-Item Fragebogen erstellt.

In der 2. Arbeitsphase des Projekts wurden in acht kooperierenden Fachkliniken 2256 Patienten in psychosomatischer psychotherapeutischer Behandlung rekrutiert. Neben der Pilotversion des ICF-PsychA&P (52 Items) wurden auch Fragen zur Soziodemographie und Instrumente zur Symptomschwere, zu interpersonellen Problemen) und zur Lebensqualität  zu drei Messzeitpunkten (prä, post, 6 Monats-Follow-up) eingesetzt. Mittels Faktorenanalyse konnten 31-Items mit einer Gesamtvarianzaufklärung von 65% extrahiert werden, Die sechs Subskalen (Funktionsfähigkeit, Freizeit, Kommunikation, Interaktion, Beziehungen und Mobilität) und der Gesamtwert weisen gute interne Konsistenzen auf. Erste Subgruppen-analysen geben Hinweise auf konvergente und diskriminante Validität (z.B. erwartungs-gemäß hohe Korrelationen mit Symptomskalen). Zur weiteren Validierung des Instrumentes wurden an einer Teilstichprobe von Patienten (N = 35) zum Katamnesezeitpunkt ausführliche Interviews durchgeführt. Die Skalen Funktionsfähigkeit, Mobilität sowie der Gesamtwert und mit Einschränkungen auch Beziehungen lassen sich gut über Patienteninterviews abbilden. Die Skala Freizeit korreliert mit Funktionsfähigkeit und Mobilität, jedoch nicht signifikant mit Aspekten die im Rahmen der Interviews dem Thema Freizeit zugeordnet wurden. Interaktion und Kommunikation sind Bereiche, in denen die Fragebogenangaben der Patienten nicht mit den Äußerungen übereinstimmen.

In der 3. Arbeitsphase wurde in einem Kohorten-Kontrollgruppendesign der Einfluss einer systematischen Rückmeldung des ICF-PsychA&P-Fragebogens überprüft. An die Eingangsphase schloss sich in jeder der kooperierenden Einrichtungen ein ICF-Workshop für Kliniktherapeuten an. In den folgenden Wochen (Experimentalphase) erhielten die Therapeuten der Kliniken eine Rückmeldung der Patientenangaben im ICF-PsychA&P Fragebogen. Die Behandler bekamen die Ergebnisse des Selbstberichts zu Behandlungsbeginn und Behandlungsende in grafischer und in Textform zur Verfügung gestellt und konnten diese Informationen für die weitere Behandlungsplanung nutzen. Die Effekte auf das Outcome der Behandlung erwiesen sich allerdings als gering. In dieser Erhebungsphase konnten erneut mehr als 2000 Patienten befragt werden. Damit konnte auch die Praktikabilität und die Anwendbarkeit des Instruments in der klinischen Routineversorgung gezeigt werden.

Das Instrument steht  kostenfrei zum Download zur Verfügung.

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