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Abschlussbericht Outcome

 

Kontaktdaten

Prof. Dr. Oskar Mittag
Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin (Direktor: Prof. Dr. W. H. Jäckel)
Universitätsklinikum Freiburg
Engelbergerstraße 21
79106 Freiburg
Tel.: 0761 / 270 73540
Email:

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Ergebnismessung in der medizinischen Rehabilitation: Vergleich unterschiedlicher Methoden der Outcome-Messung anhand von rehabilitationswissenschaftlichen Datensätzen und kognitiven Interviews über Veränderungsitems

Oskar Mittag (a), Thomas Kohlmann (b), Thorsten Meyer (c), Heiner Raspe (d)
(a) Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin (AQMS), Universitätsklinikum Freiburg
(b) Institut für Community Medicine, Abteilung Methoden der Community Medicine, Greifswald
(c) MHH, Forschungsbereich Integrative Rehabilitationsforschung, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover
(d) Institut für Sozialmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (Campus Lübeck)

 

Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (FKZ 01GX0747)

Projektbeginn: 1.1.2008

Förderdauer: 18 Monate (kostenneutrale Verlängerung bis März 2010)

Projektleitung:

Primäre Kooperationspartner:

 

Hintergrund
Die Evaluation von medizinischen Rehamaßnahmen erfolgt in Deutschland zumeist über die Analyse von Veränderungen relevanter Zielgrößen (Outcomes) im einfachen Prä-Post-Vergleich. Dazu werden zu unterschiedlichen Messzeitpunkten Statusmessungen durchgeführt und das Ausmaß der Veränderungen zwischen Prä- und Postmessung in Form von standardisierten Mittelwertdifferenzen (Effektstärken) abgebildet (= indirekte Veränderungsmessung). Behandlungseffekte können aber auch mittels expliziter Veränderungsurteile durch die Patienten selbst erfasst werden, indem z. B. die Veränderungen zum Post-Zeitpunkt im Sinne von „gebessert - unverändert - verschlechtert" (= direkte Veränderungsmessung) oder in Form von Globalurteilen bezüglich des Behandlungserfolges erhoben werden. Ergebnisse aus einer Reihe von rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsprojekten zeigen, dass die direkte Veränderungsmessung oder globale Erfolgsschätzungen überwiegend bessere Erfolge abbilden als die Betrachtung der Prä-Post-Effekte auf Mittelwertebene.

 

Projektziel
Ausgehend von diesem irritierenden Widerspruch zwischen der überwiegend guten bis sehr guten Bewertung des langfristigen Rehabilitationserfolgs durch die Patienten (globale bzw. direkte Erfolgsmessung) und den oft nur geringen Effektstärken bei indirekten Methoden der Veränderungsmessung war es das Ziel des Projekts, empirisch begründete Lösungsansätze für zentrale inhaltliche und methodische Probleme der Outcome-Messung in der medizinischen Rehabilitation zu bestimmen. Das Projekt sollte zu einem besseren Verständnis der wechselseitigen Bedingtheit der verschiedenen Methoden der Erfolgsmessung beitragen und begründete Entscheidungen erlauben, welche Methode der Veränderungsmessung die Effekte von Rehamaßnahmen im Eingruppen-Prä-Post-Vergleich reliabel und valide abbildet.

 

Methoden
Vier vorliegende Datensätze aus zeitnah abgeschlossenen Rehaforschungsprojekten (insgesamt N=5.592 Rehabilitanden) wurden Sekundäranalysen unterzogen, wobei die folgenden Erfassungs- und Auswertungsmethoden zum Einsatz kamen:

Parallel dazu wurde in einem zweiten Untersuchungsansatz das Vorgehen der Patienten bei der Bewertung der Rehamaßnahme mittels kognitiver Interviews rekonstruiert, um vorhandene Divergenzen zwischen indirekter und direkter Veränderungsmessung zu erklären.

 

Aktueller Stand

Für die Evaluation von (medizinischen) Interventionen liegen unterschiedliche methodische Ansätze vor, zwischen denen es sich im konkreten Fall zu entscheiden gilt. Wir haben im Rahmen des Forschungsprojekts methodische und inhaltliche Probleme der Veränderungsmessung untersucht. Unser Ziel war, empirisch gestützte Empfehlungen abzuleiten, welche Art der Veränderungsmessung für welche Fragestellungen und unter welchen Rahmenbedingungen geeignet ist. Das Gesamtprojekt untergliederte sich in fünf Teilprojekte mit unterschiedlichen Fragestellungen und unterschiedlichem Umfang.

Das Freiburger Teilprojekt (Prof. Dr. Oskar Mittag) beschäftigte sich vor allem mit dem Widerspruch, dass Rehabilitanden den Erfolg von Rehamaßnahmen in der Rückschau überwiegend als gut oder sehr gut bewerten, sich aber beim Vergleich der Prä- und Post-Werte auf Mittelwertebene (indirekte Veränderungsmessung) keine oder nur geringfügige Effekte zeigen. Außerdem suchte die Freiburger Arbeitsgruppe nach Wegen, individuelle Veränderungsverläufe möglichst einfach und anschaulich darzu-stellen. Ein weiteres Teilprojekt (Prof. Dr. Erik Farin-Glattacker) nutzte im Gegensatz dazu komplexe statistische Methoden zur Modellierung von Verlaufstypen bei mehrfacher Statusmessung.

Das Greifswalder Teilprojekt (Prof. Dr. Thomas Kohlmann) untersuchte Unterschiede in der inhaltlichen Struktur von Daten, die mittels direkter und indirekter Veränderungsmessung gewonnen wurden. Dr. Nikolaus Gerdes beschäftigte sich mit dem Problem der klinischen Bedeutung der gemessenen Veränderungen.

In dem Lübecker Teilprojekt (Prof. Dr. Thorsten Meyer) wurden in einem zweiten Untersuchungsansatz Erklärungsmodelle für die Diskrepanzen zwischen den Ergebnissen von direkter und indirekter Veränderungsmessung entwickelt. Mit Hilfe von qualitativen Interviews wurde hier untersucht, wie Rehabilitanden Fragen zur direkten und indirekten Veränderungsmessung verstehen, welche kognitiven Prozesse ihr Antwortverhalten bestimmen und welche Erklärungen es für Diskrepanzen der beiden Messmethoden gibt.

Diese Teilprojekte wurden unterstützt von einer Expertengruppe, die sich während der Laufzeit der Projekte mehrfach zu Workshops und Symposien traf. Als ein wesentliches Ergebnis haben wir gemeinsame Empfehlungen für die patientennahe Veränderungsmessung in der medizinischen Rehabilitation formuliert, die derzeit im Druck sind. Darüber hinaus liegen weitere Publikationen aus dem Projekt vor. Insgesamt hoffen wir, mit den Ergebnissen zu einem besseren Verständnis des Veränderungsgeschehens in der Rehabilitation und seiner Messung beigetragen zu haben.

 




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