Suche:


Zoom = Maus über Bild bewegen | Bild hier öffnen

Download

Abschlussbericht

 

Kontaktdaten

Prof. Dr. med. Hermann Brenner, MPH
Prof. Dr. med. Elke Raum, MPH
Heike Krämer, Dipl. Ges-Ök. MSc Epidemiologie
Deutsches Krebsforschungszentrum
Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung
Im Neuenheimer Feld 581
69120 Heidelberg

Tel.: 06221/42 1301, 
Fax: 06221/42 1302

vorheriger Artikel  |  nächster Artikel

Nutzen eines supportiven, telefonbasierten Counselingsystems bei der hausärztlichen Betreuung von chronisch Kranken am Beispiel von Patienten mit Typ-2 Diabetes

Hintergrund:

Typ 2 Diabetes gehört zu den häufigsten Krankheitsbildern in der hausärztlichen Versorgung. Häufig zeigen sich bereits zum Zeitpunkt der Diagnose kardiovakuläre Begleiterkrankungen. Eine adäquate und leitliniengerechte Therapie ist deswegen von hoher Relevanz, um ein schnelles Fortschreiten des Diabetes zu verhindern bzw. hinauszuzögern.

Ziele der ersten Untersuchungen waren, die medizinische Versorgung (ambulant vs. stationär) und Therapie sowie den Krankheitsstatus und die Stoffwechsellage der Teilnehmer mit Typ 2 Diabetes zu beschreiben. Außerdem sollten mittels verschiedener Regressionsmodelle geschlechtsspezifische Unterschiede in der medizinischen Versorgung herausgearbeitet werden, wie sie beispielsweise bereits für den Indikationsbereich der Herzinsuffizienz existieren.

 

Material/ Methoden:

Insgesamt konnten 1,146 Teilnehmer, die über 38 Hausarztpraxen der Region Ludwigsburg-Heilbronn zwischen Oktober 2008 und März 2010 rekrutiert wurden, in die Analysen eingeschlossen werden. Informationen zu jedem Teilnehmer wurden über einen selbst auszufüllenden Teilnehmerfragebogen, über einen Arztfragebogen und eine Blutentnahme durch die Arztpraxis zur Bestimmung des HbA1c Wertes gesammelt. Teilnehmer mit einem HbA1c > 7.5% wurden per Randomisation einem telefonbasierten Counselingverfahren zugeteilt und durchliefen ein 6-, 12- und 18-Monats-Follow-up.

 

Ergebnisse/ aktueller Projektstand:

a) Eine Untersuchung hinsichtlich glykämischer Kontrolle und selbst eingeschätzter Adhärenz zu verordneten Medikamenten zeigt, dass eine schlechte glykämische Kontrolle (HbA1c > 7.5%) bei 36% der Männern mit Diabetes, die eine unzureichende Adhärenz berichteten, und bei 17% der Männer, die eine gute Adhärenz berichteten, vorlag. Bei Frauen mit Diabetes zeigte sich, dass eine schlechte glykämische Kontrolle bei 16% der Frauen mit unzureichender Adhärenz und bei 17% der Frauen mit guter Adhärenz vorlag.

 

b) Die Untersuchung der Inanspruchnahme von medizinischen Versorgungsleistungen bei Diabetikern zeigt, dass Männer im Vergleich zu Frauen weniger häufig den Hausarzt und einen niedergelassenen Spezialisten besuchen und weniger Medikamente verordnet bekommen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern waren in der Gruppe der Patienten mit einem HbA1c > 7.5% am stärksten zu sehen. Hinsichtlich der Häufigkeit der stationären Aufenthalte (Krankenhaus und Rehabilitation) zeigte sich kein Geschlechtsunterschied, wenngleich Frauen mit Diabetes signifikant länger in Rehabilitationseinrichtungen blieben als Männer mit Diabetes.

 

c) Die Untersuchung zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Verordnung von Medikamenten zur Behandlung des Diabetes und kardiovaskulärer Begleiterkrankungen zeigt, dass Männer im Vergleich zu Frauen häufiger Glitazone und orale Kombinationspräparate zur Behandlung des Diabetes verordnet bekommen und dass sie zur Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen häufiger einen ACE-Hemmer, einen Calcium-Kanal-Blocker oder ein antithrombotisches Medikament erhalten. Zwar erklärt die höhere Prävalenz von kardiovaskulären Erkrankungen einen Großteil der Unterschiede, jedoch zeigen sich nach finaler Adjustierung weiterhin Unterschiede zwischen den Geschlechtern für die Gruppe der ACE-Hemmer und Calcium-Kanal-Blocker.

 

d) Insgesamt waren die Auswirkungen der Intervention weniger stark ausgeprägt als erhofft. So zeigten sich allenfalls kurzfristige Auswirkungen des telefonischen Counselings auf den HbA1c-Wert, allerdings sank dieser im gleichen Zeitraum in vergleichbarem Ausmaß auch in der Kontrollgruppe, die kein telefonisches Counseling erhalten haben. Die Patienten der Interventionsgruppe hatten insofern in Bezug auf die Blutzuckerkontrolle durch das telefonische Counseling keinen Vorteil gegenüber den Patienten der Kontrollgruppe. Eine potentiell dem Counseling zuschreibbare Auswirkung war der Rückgang des systolischen Blutdrucks in der Interventionsgruppe, der allerdings nicht nachhaltig über das Interventionsende erhalten blieb. Erst nach Ende der Intervention zeigten sich hingegen Veränderungen in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zugunsten der Interventionsgruppe, die möglicherweise eine nachhaltigere Auswirkung des Counselings reflektieren.

 




< Gesundheitskompetenz von türkischstämmigen Diabetikern ... - Kofahl  |  PoInts - Grande >