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Abschlussbericht PräfCheck

 

Kontakt

Medizinische Hochschule Hannover
Dr. Ulrike Junius-Walker
Institut für Allgemeinmedizin in Kooperation mit dem Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover 
www.mh-hannover.de



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Projekt „PräfCheck" Patientenzentrierte Behandlungsplanung mit älteren Patienten

Ziel ist es, ein strukturiertes hausärztliches Gesprächsmodul zu entwickeln, in dem sich Ärzte und Patienten über die jeweiligen Behandlungspräfe­renzen austauschen. Bei Multimorbidität im Alter erscheint eine solche Priorisierung sinnvoll, weil viele simultane Behandlungen nachweislich die Patientensicherheit gefährden.

 


U. Junius-Walker1 und M. L. Dierks2

 

1. Institut für Allgemeinmedizin, Schwerpunkt: Gesundheit im Alter; Medizinische Hochschule Hannover
2. Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Schwerpunkt: Patienten und Konsumenten; Medizinische Hochschule Hannover

 

Hintergrund
Hausärzte begleiten und koordinieren die Gesundheitsanliegen älterer Menschen und sind ihre primären Ansprechpartner. Jedoch stehen ihnen kaum geeignete Grundlagen zur Verfügung, wie mit Mehrfacherkrankungen umgegangen werden soll. Im Gegenteil, evidenzbasierte Leitlinien beziehen sich auf Einzelerkrankungen. Eine additive Anwendung der Empfeh­lungen führt zu schädlichen Gesundheitseffekten, wie einer erhöhten Krankenhausein­wei-sungsrate durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Zunehmend wird klar, dass ein ganzheitliches Behandlungskonzept fehlt, in dem relevante Erkrankungen im Einklang mit patientenseitigen Lebenszielen priorisiert werden.

 

Ziele 
Im Vordergrund steht die Entwicklung und Testung eines hausärztlichen Gesprächsmoduls zur partnerschaftlichen Planung von prioritären Behandlungszielen. Dazu soll zunächst eine Bestandsaufnahme individueller Gesundheitsprobleme (STEP-Assessment) erfolgen, anhand derer eine konsentierte Behandlungsplanung mit Prioritätensetzung stattfindet.  

 

Methoden / Studiendesign
Im ersten Studienteil, Qualitativer Teil A, wurden zunächst die Gesundheitsprobleme von 35 älteren Patienten erfasst. Darauf aufbauend explorierten wir, welche Probleme älteren Patienten wichtig sind und welche Beweggründe sie dafür angeben. Um auch die ärztliche Sicht abzubilden, wurden die Hausärzte ebenso zu den Patientenproblemen interviewt. Basierend auf diesen Ergebnissen wurde ein hausärztliches Präferenz-Gesprächsmodul entwickelt.

Im zweiten Studienteil, Quantitativer Teil B, wurde das Präferenz-Gesprächsmodul in einer cluster-randomisierten kontrollierten Interventionsstudie getestet. Während die Kontroll­gruppe nur das Assessment erhielt, worauf ein nicht weiter vorgeschriebenes Arzt-Patient­gespräch folgte, führten die geschulten Hausärzte der Interventionsgruppe das Präferenz-Gespräch durch. Die Hypothese war, dass das Präferenz-Gesprächsmodul zu einer besseren Übereinstimmung von prioritären Gesundheitsproblemen zwischen Ärzten und Patienten führt. Sekundäre Outcomes bezogen sich patientenseitig auf Informiertheit, Bewertung der partizipativen Entscheidungsfindung, Zufriedenheit und gestärkter Umgang mit eigenen Problemen.

 

Ergebnisse

Qualitativer Teil A: Exploration der patienten- und arztseitigen Relevanz von Gesundheits­problemen 

Patienten beurteilten vornehmlich psychische und körperliche Symptome– insbesondere Schmerzen, Probleme mit Mobilität und Alltagsaktivitäten sowie eine eingeschränkte soziale Partizipation als bedeutsam ein. Eine Krankheitsbewältigung erschien hier oft als nicht gut gelungen. Dagegen schätzten Patienten ihre Probleme eher als unwichtig ein, wenn sie erfolgreiche Strategien zur Bewältigung entwickelt hatten. Hausärzte stimmten wenig mit den Patientenprioritäten überein. Erkrankungen waren dann eher unwichtig, wenn sie gut eingestellt waren, wenn es eine altersbedingte Erklärung gab, wenn Fatalismus bei nicht effektiv therapierbaren Problemen vorherrschte oder wenn sie nicht ins ärztliche Aufgaben­profil fielen.

 

Quantitativer Teil B: Cluster-randomisierte kontrollierte Studie

Die Studie zum Einsatz des Präferenz-Gesprächsmoduls fand in 40 Praxen mit 317 Patienten statt. Ein zuvor durchgeführtes Assessment bildete die Gesprächsbasis für die Arzt- und Patientensicht zur Problemrelevanz und Priorisierung von Problemen für eine Behandlung (Intervention). Es gelang beiden Parteien über Probleme zu sprechen und entsprechend gemeinsam Prioritäten zu setzen, die zuvor nur von einer Partei als wichtig eingestuft worden waren.  Fast alle prioritären Probleme führten zu einer konkreten Behandlungsplanung. Allerdings gelang es nicht, eine nachhaltige Verbesserung der Übereinstimmung zu erreichen.

 

Fazit:

Das Vorgehen, über wichtige Gesundheitsprobleme zu sprechen und diese zu priorisieren scheint vielversprechend. Ärzte können Patienten bei diesen Problemen in ihrer Krankheitsbewältigung unterstützen. Zudem führen prioritäre Probleme zu konkreten Behandlungen.  Das für die Studie eingesetzte Verfahren war für den systematischen Erkenntnisgewinn notwendig, erscheint jedoch im Praxisalltag als zu aufwendig. Ein vereinfachtes Verfahren wird entwickelt. 

 

Publikationen

Methodik und zum Design

 

Erkenntnisse zu Gesundheits- und Behandlungsprioritäten

 

Entscheidungsfindung

 

Effektivität des Präferenz-Gesprächsmoduls

 

Weiteres

 

Kongressbeiträge:

 

Wissenschaftliche Auszeichnungen




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