Projekt „PräfCheck" Patientenzentrierte Behandlungsplanung mit älteren Patienten
Ziel ist es, ein strukturiertes hausärztliches Präferenz-Gesprächsmodul zu entwickeln und zu testen. Es soll angesichts der Vielzahl gesundheitlicher Probleme im Alter eine verbesserte Übereinstimmung und Fokussierung von Behandlungszielen zwischen Arzt und Patient bewirken.
Im ersten Studienteil werden die Gesundheitsprobleme von 40 älteren Patienten erfasst. Darauf aufbauend werden Einflussfaktoren sowie Beweggründe für die Entscheidung über Relevanz und Behandlungspräferenzen bei den Patienten und ihren Hausärzten qualitativ erkundet und daraus das Präferenz-Gesprächsmodul entwickelt. In einer kontrollierten Vergleichsstudie wird dieses Gesprächsmodul nach Erhebung der Gesundheitsprobleme in 20 hausärztlichen Praxen mit 160 Patienten getestet und mit einer gleich großen Kontrollgruppe ohne Gesprächsmodul verglichen. Ein weiterer Teil dient der rückkoppelnden Beurteilung von Ärzten und Patienten zum Präferenz-Gesprächsmodul.
Erkenntnisse über Gesundheits- und Behandlungsprioritäten von älteren Patienten und Hausärzten sowie die konkrete Umsetzung einer patientenorientierten Behandlungsplanung dienen der Ausarbeitung eines innovativen hausärztlichen Versorgungsmodells.
U. Junius-Walker1 und M. L. Dierks2
- Institut für Allgemeinmedizin, Schwerpunkt: Gesundheit im Alter; Medizinische Hochschule Hannover
- Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Schwerpunkt: Patienten und Konsumenten; Medizinische Hochschule Hannover
Hintergrund
Der zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen wird vornehmlich der Alterung der Gesellschaft zugeschrieben. Es resultieren Rationierungsbemühungen, die vermehrt ältere Menschen treffen. Daher wird zunehmend gefordert, dass vorhandene Ressourcen effizient, transparent und fair eingesetzt werden.
Auch auf der Mikroebene der hausärztlichen Versorgung wird ein systematisches Behandlungsmodell im Alter benötigt. Im Kern geht es darum, Multimorbidität übersichtlich zu erfassen und durch eine partnerschaftliche Planung von prioritären Behandlungszielen patientenorientierte und effektive Behandlungen zu entwerfen.
Ziele
Entwickelt und getestet wird ein hausärztliches Gesprächsmodul. Dieses basiert auf einer Bestandsaufnahme individueller Gesundheitsprobleme älterer Menschen (STEP-Assessment), also auf der Bereitstellung einer systematischen Informationsgrundlage. Das zu entwickelnde Gesprächsmodul soll die Patientenorientierung stärken, indem patientenseitige Gesundheitspräferenzen strukturiert erfasst werden. Das Gesprächsmodul soll die sprechende Medizin nutzen, indem Patienten¬prioritäten und ärztliche Behandlungsprioritäten zu einer konsentierten Behandlungsplanung führen.
Methoden / Studiendesign
Qualitativer Teil A:
Ziel: Erkundung der Beweggründe für Relevanz und Behandlungspräferenzen vorliegender Gesundheitsprobleme und Entwicklung des Gesprächsmoduls (PräfCheck).
Methode: STEP-Assessment und anschließendes Interview mit 40 älteren Patienten und ihren Hausärzten.
Quantitativer Teil B:
Ziel: Testung des PräfChecks in einer cluster-randomisierten kontrollierten Interventionsstudie.
Methode: Alle Patienten erhalten das STEP-Assessment, um individuelle Gesundheitsprobleme festzustellen. Arzt und Patient in beiden Gruppen bewerten unabhängig voneinander, ob jedes einzeln vorliegende Problem relevant ist. In der Interventionsgruppe folgt das gemeinsame Gesprächsmodul mit konsentierter Behandlungsplanung; in der Kontrollgruppe erfolgt die übliche Versorgung. Nach zwei Wochen werden alle Ärzte und Patienten zu primären und sekundären Outcomes befragt. Primäres Outcome ist das Übereinstimmungsmaß zur Relevanz individueller Gesundheitsprobleme zwischen Arzt und Patient. Es wird erwartet, dass in der Interventionsgruppe durch das Gesprächsmodul eine signifikant verbesserte Übereinstimmung der Relevanzbeurteilungen zu den einzelnen Gesundheits¬problemen erreicht wird. Sekundäre Outcomes beziehen sich patientenseitig auf Informiert¬heit, Bewertung der partizipativen Entscheidungsfindung, Zufriedenheit und gestärkter Umgang mit eigenen Problemen.

Qualitativer Teil C:
Ziel: Qualitätssicherung des PräfChecks.
Methode: 15 Patienten der Kontrollgruppe aus fünf Hausarztpraxen erhalten nun das Präf-Check, um das Gesprächsmodul hinsichtlich Inhaltsvalidität, Praktikabilität und Akzeptanz zu evaluieren.
Nutzen
Das Vorhaben soll grundlegende Erkenntnisse über Gesundheits- und Behandlungsprioritäten älterer multimorbider Patienten und ihrer Hausärzte liefern.
Das Projekt soll einen Versorgungsbeitrag zur Stärkung der Position älterer Menschen hinsichtlich Information und Mitsprache in komplexen Behandlungsabläufen leisten.
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