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Stefan Nickel, Silke Werner, Alf Trojan
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 
Institut für Medizin-Soziologie
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Qualitätskonzept „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus" als Ansatz patientenorientierter, partizipativer Versorgungsgestaltung: Entwicklung und Erprobung von Bewertungsinstrumenten für die Kooperation zwischen Patienten und Krankenhäusern

Thema des Projektes ist die dauerhafte strukturelle Verankerung von Patientenorientierung durch die institutionalisierte Kooperation zwischen Krankenhäusern und Selbsthilfezusammenschlüssen. Ansatzpunkt der Forschung ist das Qualitätskonzept „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus", das sich erst in den vergangenen Jahren systematischer entwickelt hat und sich auf die Ingangsetzung, Erfolge, Wirkungen und Aufrechterhaltung partizipativer Versorgungsgestaltung im Krankenhaus richtet. Ziel unserer empirischen Studie war die Entwicklung eines Instruments zur Messung von selbsthilfebezogener Patientenorientierung aus der Perspektive von Patienten und Krankenhausmitarbeitern. Ein weiteres Ziel war die Identifikation von möglichen förderlichen und hinderlichen Faktoren für die Intensivierung und Dauerhaftigkeit (Nachhaltigkeit) von Patientenorientierung im Rahmen strukturierter Kooperationen zwischen Krankenhäusern und Selbsthilfezusammenschlüssen.

 

Das Studiendesign beinhaltete eine Längsschnittstudie zu zwei Zeitpunkten in den beiden Pilotkrankenhäusern Hamburgs, denen 2006 das Qualitätssiegel „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ verliehen wurde, sowie Querschnittstudien in Krankenhäusern in NRW. Methodisch wurde ein Mix aus quantitativen und qualitativen Verfahren angewandt. Es wurden zunächst Experteninterviews und Gruppendiskussionen mit 23 leitenden Ärzten und Pflegenden sowie 11 Kontaktpersonen von Selbsthilfegruppen durchgeführt. Auf Basis dieser Interviews und einer umfangreichen Literaturrecherche wurde ein Messinstrument entwickelt, das vier Dimensionen der individuellen und solidarischen Selbsthilfeunterstützung umfasst (beteiligen und befähigen; Selbsthilfegruppen einbeziehen). Der SelP-K genannte Fragebogen wurde bei ca. 650 Mitarbeitern aus den zwei Hamburger Krankenhäusern und ca. 150 Mitgliedern von Selbsthilfegruppen zu zwei Erhebungszeitpunkten eingesetzt. Darüber hinaus wurde das Instrument in zwei weiteren Krankenhäusern aus dem Modellprojekt „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus Nordrhein-Westfalen“ mit 10 Fachabteilungen für chronisch Kranke erfolgreich angewendet.

 

Die Validierung des SelP-K-Fragebogens für die Evaluation von selbsthilfebezogener Patientenorientierung im Krankenhaus (22 Kernitems) erfolgte vorrangig auf Grundlage von 405 Antwortenden in den Personalbefragungen. Sie ergab gute bis befriedigende psychometrische Eigenschaften. Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) beträgt je nach Subskala zwischen 0,72 bis 0,93; auch die die theoretisch postulierte Multidimensionalität der selbsthilfebezogenen Patientenorientierung im Krankenhaus wird mit dem Modell zur explorativen Faktorenanalyse weitgehend bestätigt. Im nur begrenzt möglichen Vergleich der Einschätzungen beider Befragtengruppen konnten wenige signifikante Unterschiede in Einzelaspekten der Dimension „Selbsthilfegruppen einbeziehen“ festgestellt werden. Die Analyse förderlicher und hinderlicher Faktoren bestätigte weitgehend die acht Kriterien eines „Selbsthilfefreundlichen Krankenhauses“, die im dem Hamburger Modellprojekt entwickelt wurden. Von beiden Gruppen wurde ein Klima wechselseitiger Anerkennung und Wertschätzung als förderlich betont. Auf Personalseite wurde Zeitknappheit als häufigstes Hindernis genannt.

 

Der neu entwickelte SelP-K-Fragebogen eignet sich für die Evaluation von selbsthilfebezogener Patientenorientierung und Partizipation in Krankenhäusern. Einschränkungen betreffen die Praktikabilität, gemessen am Rücklauf und Akzeptanz einzelner Fragen(komplexe), sowie die geringe Problemsensitivität bei Fragen zur individuellen Selbsthilfeunterstützung. Dennoch kann der Einsatz des Messinstruments im Rahmen des Netzwerks „Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“ (SPiG) der Optimierung und Verbreitung des Ansatzes partizipativer Versorgungsgestaltung in andere Einrichtungen dienen.

http://selbsthilfefreundlichkeit.de

 

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