Qualitätskonzept „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus" als Ansatz patientenorientierter, partizipativer Versorgungsgestaltung: Entwicklung und Erprobung von Bewertungsinstrumenten für die Kooperation zwischen Patienten und Krankenhäusern
Hintergrund:
Thema des Projektes ist die dauerhafte strukturelle Verankerung von Patientenorientie-rung durch die institutionalisierte Kooperation zwischen Krankenhäusern und Selbsthilfe-zusammenschlüssen. Ansatzpunkt der Forschung ist das Qualitätskonzept „Selbsthilfe-freundliches Krankenhaus", das sich erst in den vergangenen fünf Jahren systematischer entwickelt hat und sich auf die Ingangsetzung, Erfolge, Wirkungen und Aufrechterhaltung partizipativer Versorgungsgestaltung im Krankenhaus richtet.
Ziele:
Ziel unserer empirischen Studie ist die Entwicklung eines Instruments zur Messung von selbsthilfebezogener Patientenorientierung aus der Perspektive von Patienten und Krankenhausmitarbeitern. Ein weiteres Ziel ist die Identifikation von möglichen förderlichen und hinderlichen Faktoren für die Intensivierung und Dauerhaftigkeit (Nachhaltigkeit) von Patientenorientierung im Rahmen strukturierter Kooperationen zwischen Krankenhäusern und Selbsthilfezusammenschlüssen.
Methoden:
Das Studiendesign beinhaltet eine Längsschnittstudie zu zwei Zeitpunkten in den beiden Pilotkrankenhäusern Hamburgs, denen 2006 das Qualitätssiegel „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus" verliehen wurde, sowie Querschnittstudien in vier weiteren Krankenhäusern anderer Bundesländer. Methodisch wird ein Mix aus quantitativen (standardisierten Befragungen von Selbsthilfegruppenteilnehmern und Krankenhausmitarbeitern) und qualitativen Verfahren angewandt.
Aktueller Stand:
Es wurden zunächst qualitative Interviews und Gruppendiskussionen mit 23 leitenden Ärzten und Pflegenden sowie 11 Kontaktpersonen von Selbsthilfegruppen durchgeführt. Auf der Basis dieser Experteninterviews und einer umfangreichen Literaturrecherche wurde ein Messinstrument entwickelt, das vier Dimensionen der individuellen und solidarischen Selbsthilfeförderlichkeit umfasst (Patienteninfor-mation, -partizipation und -empowerment; Unterstützung von Selbsthilfegruppen). Der Fragebogen wurde bei rund 650 Mitarbeitern aus zwei Hamburger Pilot-krankenhäusern und ca. 150 Mitgliedern von Selbsthilfegruppen zu zwei Erhebungszeitpunkten eingesetzt. Im Vergleich der Einschätzungen beider Gruppen konnten nur wenige signifikante Unterschiede festgestellt werden.Ein weiteres Arbeitspaket beinhaltete die Instrumentenanwendung in anderen Kontexten außerhalb Hamburgs mit (mindestens) 8 Fachabteilungen für chronisch Kranke. Durch die personellen und zeitlichen Verzögerungen im Projektverlauf konnte dieser Arbeitsschritt bisher nur in dem Klinikum Bielefeld Mitte abgeschlossen werden (Rücklauf: 34 Mitarbeiter bzw. 28 Patienten). Aktuell laufen noch Be-fragungen in zwei weiteren Krankenhäusern aus dem Modellprojekt „Selbsthilfe-freundliches Krankenhaus Nordrhein-Westfalen“ (Augusta-Kranken-Anstalt Bochum, St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr), die voraussichtlich bis Mai andauern werden. Eine kostenneutrale Verlängerung des Forschungsprojekts ist mindestens bis Ende Juni 2011 gesichert.Im Juni 2009 gründete sich ein bundesweites Netzwerk „Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen – gemeinsam für Selbsthilfe- und Patientenorientierung“, das vom BKK Bundesverband finanziert wird. Ziel des Netzwerks ist es, das Thema „Selbsthilfefreundlichkeit“ in Einrichtungen des Gesundheitswesens zu befördern und ein neues Konzept für eine nachhaltige Kooperation bundesweit einzuführen. Da mittlerweile viele Praxen und Kliniken Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung durch-führen, ist die Implementierung von Selbsthilfekriterien in Qualitätsmanage-mentsysteme ein wichtiger Schritt zur strukturellen Verankerung des Themas in die Arbeitsabläufe und Strukturen von Gesundheitseinrichtungen. Ergänzend wurden „Agenturen Selbsthilfefreundlichkeit“ gegründet, um solche Einrichtungen beim Aufbau stabiler und nachhaltiger Kooperationsbeziehungen zu unterstützen (www.selbsthilfefreundlichkeit.de).
Vorträge
- Nickel, S. (2009): Selbsthilfefreundlichkeit als Qualitätsziel für mehr/bessere Patientenorientierung und Thema für Profilbildung und Projekte in Gesundheitsfördernden Krankenhäusern. 14. Konferenz für Gesundheitsförderung im Krankenhaus und das Forum Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen. 4.-6.11., Regensburg.
- Nickel, S., Werner, S., Trojan, A. (2009): „Selbsthilfefreundliche Krankenhäuser" - Entwicklung eines neuen Instrumentes zur Messung von selbsthilfebezogener Patientenorientierung und erste Ergebnisse. Gemeinsame Tagung der DGSMP und DGMS. 23.-25.9., Hamburg
- Werner, S., Nickel, S., Trojan, A (2009): Selbsthilfebezogene Patientenorientierung in der stationären Versorgung. Hannoversches Werkstattgespräch für Rehabilitation an der Medizinischen Hochschule Hannover, Koordinierungsstelle für angewandte Rehabilitationsforschung, 28.4., Hannover.
- Werner, S., Nickel, S., Trojan, A. (2009): Self-help-friendly hospitals: Development of a new instrument for measuring self-help-related patient orientation and first results. 17th International Conference on Health Promoting Hospitals and Health Services. May, 6-8, Hersonissos, Crete.
- Werner, S., Nickel, S., Trojan, A (2008): Qualitätskonzept „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus" als Ansatz patientenorientierter, partizipativer Versorgungsgestaltung. 44. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention e.V. (DGSMP), Hannover.
- Trojan, A. (2010): Integration von Selbsthilfefreundlichkeit in das Gesundheitswesen - Entwicklungen und Perspektiven. ÖGD-Kongress „ÖGD im Wandel - Integration und Kooperationen". 29.4.-1.5., Hamburg.
- Trojan, A. (2009): Selbsthilfefreundlichkeit als Qualitätsmerkmal in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung. Fachtagung „Selbsthilfefreundlichkeit als Qualitätsmerkmal in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung - Zusammenarbeit bewusst gestalten." 16.9., Oberhausen.
- Trojan, A., Nickel, S., Werner, S. (2008): Quality Concept „Self-help-friendly Hospital" - a new approach of patient orientated and participatory health care. 16th International Conference on Health Promoting Hospitals. May, 14-16, Berlin.
- Werner, S., Nickel, S., Trojan, A (2008): Qualitätskonzept „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus" als Ansatz patientenorientierter, partizipativer Versorgungsgestaltung. 44. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention e.V. (DGSMP), Hannover
- Trojan, A., Nickel, S., Werner, S. (2008): Quality Concept „Self-help-friendly Hospital" - a new ap-proach of patient orientated and participatory health care. 16th International Conference on Health Promoting Hospitals. May, 14-16, Berlin
- Werner, S., Nickel, S., Trojan, A (2009): Selbsthilfebezogene Patientenorientierung in der stationnären Versorgung. Hannoversches Werkstattgespräch für Rehabilitation an der Medizinischen Hochschule Hannover, Koordinierungsstelle für angewandte Rehabilitationsforschung, 28.4., Hannover
- Werner, S., Nickel, S., Trojan, A. (2009): Self-help-friendly hospitals: Development of a new in-strument for measuring self-help-related patient orientation and first results. 17th International Conference on Health Promoting Hospitals and Health Services. May, 6-8, Hersonissos, Crete
Publikationen
- Nickel, S., Werner, S., Kofahl, C. (2009). Selbsthilfebezogene Patientenorientierung als Qualitätsziel – Entwicklungsstand, Modellprojekte und Forschungsergebnisse. In: Döhner, H., Kaupen-Haas, H., Knesebeck, O.v.d. (Hg.), Medizinsoziologie in Wissenschaft und Praxis. Festschrift für Alf Trojan. Münster: LIT-Verlag, S. 179-193.
- Trojan, A. (2010). Selbsthilfegruppen in der Versorgungsgestaltung: Von der Kooperation zu nachhaltiger Beteiligung. In: Dahme, H.-J., Wohlfahrt, N. (Hg.), Systemanalyse als politische Reformstrategie. Wiesbaden: VS-Verlag, S. 347-369.
- Trojan, A. (2010). Selbsthilfefreundlichkeit als Qualitätsmerkmal in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung. In: KOSKON; Koordination für Selbsthilfe in NRW (Hg.), Selbsthilfefreundlichkeit als Qualitätsmerkmal in der Gesundheitsversorgung. Zusammenarbeit bewusst gestalten. Dortmund: Günnewig ProduktionsGmbH, S. 12-27.
- Trojan, A., Nickel, S. (2011). Integration von Selbsthilfefreundlichkeit in das Gesundheitswesen – Entwicklungen und Perspektiven. Erscheint in: Das Gesundheitswesen.
- Trojan, A., Nickel, S. (2011): Selbsthilfefreundliche Arztpraxis – Aktuelle Ansätze zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Selbsthilfegruppen. Erscheint in: MMW-Fortschritte der Medizin.
- Trojan, A., Werner, S., Bobzien, M., Nickel, S. (2009). Integration von Selbsthilfezusammenschlüssen in das Qualitätsmanagement im ambulanten und stationären Versorgungsbereich. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 52 (1), S. 47-54.
- Werner, S., Bobzien, M., Nickel, S., Trojan, A. (Hg.) (2006). Selbsthilfefreundliches Krankenhaus. Vorstudien, Entwicklungsstand und Beispiele der Kooperation zwischen Selbsthilfegruppen und Krankenhäusern. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW.
- Engelhardt, H.D., Trojan, A., Nickel, S. (2008): Leistungen von Selbsthilfegruppen. Ein Plädoyer für grundlegende Forschung. Forum Gemeindepsychologie, 13 (2), http://www.gemeindepsychologie.de/fg-2-2008_03.html
- Engelhardt, H.D., Trojan, A., Nickel, S. (2009): Leistungen von Selbsthilfegruppen und deren öko-nomische Bewertung. Bundesgesundheitsblatt: Selbsthilfe, 52, 64-70
- Trojan, A, Huber, E., Nickel, S., Kofahl, C. (2009): Selbsthilfefreundlichkeit als Qualitätsziel in der vertragsärztlichen Versorgung. Bestandsaufnahme und Schlussfolgerungen. Das Gesundheits-wesen, 71, 1-10
- Trojan, A., Nickel, S., Engelhardt, H.D. (2008): Zur Frage des volkswirtschaftlichen Nutzens der Leistungen von Selbsthilfegruppen. Das Gesundheitswesen, 70, 219-230
- Trojan, A., Werner, S., Bobzien, M., Nickel, S. (2009): Integration von Selbsthilfezusammenschlüs¬sen in das Qualitätsmanagement im ambulanten und stationären Versorgungsbe-reich. Bundesgesundheitsblatt: Selbsthilfe, 52, 47-54
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