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Ansprechpartner

Dr. Silke Neuderth,
Dipl.-Psych. Christian Gerlich,
Dipl.-Psych. Matthias Lukasczik
Abteilung für Medizinische Psychologie der Universität Würzburg
Klinikstraße 3
97070 Würzburg
Tel.: 0931-31-82076
Fax: 0931-31-86080
E-Mail:

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Einfluss von Shared Decision Making auf die Motivation zur Bearbeitung beruflicher Problemlagen mit Hilfe berufsbezogener Interventionen in der medizinischen Rehabilitation

Hintergrund

Partizipative Entscheidungsfindung (PEF, Shared Decision Making) kann im rehabilitativen Kontext dazu beitragen, durch eine optimierte und strukturierte Einbindung des Patienten in therapiebezogene Entscheidungen die Motivation zur Auseinandersetzung mit krankheitsrelevanten Themen zu fördern und die Zufriedenheit mit der Maßnahme zu steigern. Eine Anwendungsmöglichkeit besteht insbesondere im Rahmen der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR). Hierbei wird der Rehabilitationsprozess verstärkt auf gesundheitsrelevante Faktoren des Arbeitslebens ausgerichtet und auf berufliche Probleme und Belastungen fokussiert. Häufig wird bei solchen berufsbezogenen Maßnahmen von Motivationsproblemen auf Seiten der Rehabilitanden berichtet, zu deren Reduzierung eine auf Partizipativer Gesprächsführung basierende Interaktion des Behandlers mit dem Rehabilitanden beitragen kann.

 

Fragestellung und Methodik

Ziel des Vorhabens war es, den Ansatz der Partizipativen Entscheidungsfindung in das Indikationsgespräch zu berufsorien­tierten Maßnahmen zu integrieren um den Einfluss auf die Motivation zur Bearbeitung beruflicher Problemlagen und die Zufriedenheit mit dem Indikationsgespräch und der darin getroffenen Entscheidung zu untersuchen. Da bisher keine Erfahrungen zur strukturierten Einbindung des Rehabilitanden in die Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit der MBOR vorlagen, wurde der Ansatz der Partizipativen Entscheidungsfindung in den teilnehmenden Rehabilitationseinrichtungen neu eingeführt. Dazu wurden Ärzte und Therapeuten darin geschult, Rehabilitanden mit besonderen beruflichen Problemlagen anhand der definierten PEF-Prozessschritte (Simon et al. 2008) in die Entscheidungsfindung einzubinden. Daten wurden in zwei Phasen (zeitversetzte Kontroll- und Interventionsphase) erhoben. 142 Rehabilitanden wurden vor und 141 nach der Einführung des Ansatzes in zwei orthopädischen Rehabilitationskliniken bezüglich der Motivation zur Bearbeitung beruflicher Problemlagen und der Zufriedenheit nach dem Indikationsgespräch befragt[i]. Am Ende der Rehabilitation sowie 12 Monate nach der Rehabilitationsmaßnahme wurden Angaben zur Zufriedenheit mit der realisierten MBOR-Maßnahme erhoben.

 

Ergebnisse

Zwischen den beiden Erhebungskohorten zeigten sich keine bedeutsamen Unterschiede hinsichtlich der Motivation und Zufriedenheit. Aus Sicht der Rehabilitanden hatte sich die partizipative Einbindung nicht wesentlich verändert (kein signifikanter Unterschied im Fragebogen PEF-FB-9). Allerdings erstreckten sich die Werte des PEF-FB-9 in beiden Erhebungskohorten fast über den gesamten Wertebereich (0 bis 100) des Fragebogens.

 

PEF-FB Neuderth

 

Daher wurden für weitere Auswertungen vier patientenorientierte Interaktionsformen unterschieden, die auf einer Latent-Class-Analyse der Antworten im PEF-FB-9 basieren.

  1. Partizipative Entscheidungsfindung. Rehabilitanden berichteten die strukturierte Einbindung in die Behandlungsentscheidung entsprechend aller neun definierten Prozessschritte der Partizipativen Entscheidungsfindung.
  2. Eine patientenorientierte Interaktionsform, bei der sich Rehabilitanden am Entscheidungsprozess beteiligt erlebten, ohne dass jedoch die strukturierte Einbindung erreicht wurde, wie sie für den Ansatz der Partizipativen Entscheidungsfindung kennzeichnend ist (es wurden 6 der 9 PEF-Prozessschritte erlebt).
  3. Eine patientenorientierte Interaktionsform, bei der sich Rehabilitanden nicht am Entscheidungsprozess beteiligt erlebten (es wurden 5 der 9 PEF-Prozessschritte erlebt).
  4. Keine patientenorientierte Interaktionsform.

Die Differenzierung der vier Formen der Patientenorientierung ergab keine Hinweise darauf, dass im Kontext der MBOR Rehabilitanden, die Partizipative Entscheidungsfindung erleben, motivierter sind für die Bearbeitung ihrer beruflichen Problemlagen. Hingegen gibt es deutliche Belege dafür, dass Rehabilitanden, die patientenorientierte Interaktionsformen und insbesondere Partizipative Entscheidungsfindung erlebten, zufriedener mit dem Indikationsgespräch und der darin getroffenen Entscheidung sind.

 

 

Verwendete Quellen:

 

Projektbezogene Publikationen:


Kooperationskliniken:



[i] An der Studie nahmen drei orthopädische und zwei neurologische Rehabilitationseinrichtungen teil. Allerdings lagen nur aus zwei orthopädischen Kliniken in ausreichendem Umfang quantitative Daten vor. Die Schulung der Behandler ist in allen fünf Einrichtungen erfolgt.




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