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Abschlussbericht

 

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Hermann Faller
Universität Würzburg
Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie, 
AB Rehabilitationswissenschaften
Klinikstr. 3
97070 Würzburg
Tel. 0931/31-82713
E-Mail:

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Evaluation einer Planungsintervention mit telefonischer Nachsorge zur Aufrechterhaltung körperlicher Aktivität im Alltag

Projektleitung: Prof. Dr. Dr. Hermann Faller
Bewilligungszeitraum: 03/2008 – 08/2011
Mitarbeiter: Dr. Veronika Ströbl, Ulrike Landgraf, M.A.
Indikationen: Patienten mit Adipositas (E66) in der medizinischen Rehabilitation
Themen: Körperliche Aktivität, Planung, Nachsorge, Volition, Gewichtsreduktion

 

Hintergrund:
Die Nachhaltigkeit von Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation ist oft nicht optimal. Den Patienten gelingt es z. T. nicht, die in der Rehabilitation initiiertenVerhaltensänderungen langfristig weiterzuführen und in ihren Alltag zu integrieren. Daher werden Nachsorgemaßnahmen gefordert, um den Transfer zu verbessern.Von besonderer Bedeutung für Patienten mit Adipositas mit Ko- oder Folgemorbidität ist einelangfristige Umstellung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, um eine in der Rehabilitation erreichte Gewichtsreduktion langfristig zu stabilisieren. Für körperliche Aktivität haben sich Interventionen zur Planung der Umsetzung im Alltag in der kardiologischen und orthopädischen Rehabilitation als erfolgreich erwiesen. Um Patienten mit Adipositas bei der Integration von körperlicher Aktivität in den Alltag zu unterstützen und die langfristige Umsetzung zu fördern, wurde eine Planungsintervention mit telefonischer Nachsorge kombiniert.

 

Ziele und Fragestellungen:
Ziel des Projekts war die Prüfung der Wirksamkeit und Nachhaltigkeit einer kombinierten Planungs- und Nachsorgeintervention zu körperlicher Aktivität im Vergleich zum stationären Standard-Behandlungsprogramm einer Rehabilitationsklinik bei Patienten mit Adipositas (BMI zwischen 30 und 44). Im Rahmen der Intervention planten die Patienten bereits während ihres Rehabilitationsaufenthaltes körperliche Aktivitäten, die sie zu Hause umsetzen möchten; in sechs telefonischen Nachsorgegesprächen wurden sie bei der Realisierung der Pläne unterstützt. Die Nachsorge-Telefonate erstreckten sich über einen Zeitraum von zwei Wochen bis sechs Monaten nachder Rehabilitation. In den Telefonaten wurden mit einer Sporttherapeutin die Erfahrungen beider Umsetzung der geplanten Aktivitäten besprochen und die Patienten wurden ggf. bei der Überwindung auftretender Hindernisse sowie einer Modifikation der Pläne unterstützt. Die primäre Fragestellung betraf die Wirksamkeit der Intervention im Hinblick auf Gewichtsreduktion und Bewegungsverhalten. Sekundäre Fragestellungen bezogen sich auf die Effekte der Intervention in Hinblick auf die Zielgrößen Motivation und Lebensqualität. Zudem wurde die differentielle Wirksamkeit in Abhängigkeit vom Geschlecht, vonkomorbiden Erkrankungen sowie der Ausgangsmotivation untersucht.

 

Studiendesign/Methoden:
Die Beantwortung der Fragestellungen erfolgte über einprospektives, kontrolliertes und randomisiertes Design mit Katamnese-Erhebungen sechs und 12 Monate nach der Rehabilitation. Alle Zielgrößen wurden über Fragebogen erfasst, dasKörpergewicht zusätzlich über Arztangaben. Insgesamt nahmen in einen Zeitraum von 13 Monaten (2008/2009) 467 Patienten an der Studie teil, deren Daten ausgewertet werden konnten (Interventionsgruppe, IG: n=228;Kontrollgruppe, KG: n=239). Das Alter der Teilnehmer lag zwischen 18 und 64 Jahren undbetrug im Durchschnitt 48 Jahre. 55% der Teilnehmer waren Männer. Der Großteil war erwerbstätig (88%). Zu Reha-Beginn betrug das mittlere Körpergewicht in der Stichprobe 110kg, der mittlere BMI lag bei 36.

 

Ergebnisse:
Die Intervention wies eine gute Machbarkeit und hohe Akzeptanz durch die Teilnehmer auf. Durchschnittlich fanden mit jedem Teilnehmer der IG fünf telefonische Kontakte mit derSporttherapeutin statt (SD=1). Die Gesamtdauer aller Nachsorge-Telefonate betrug je Patientim Mittel 44 Minuten (SD=20), die mittlere Dauer je Telefonat 8 Minuten (SD=3).12 Monate nach der Rehabilitation konnte ein Effekt der Intervention auf dasBewegungsverhalten, nicht jedoch auf eine Gewichtsreduktion belegt werden. UnterBerücksichtigung der Baseline-Unterschiede war die IG 12 Monate nach der Rehabilitationim Durchschnitt 54 Minuten/Woche länger körperlich aktiv als die KG und hatte einen um495 kcal/Woche höheren aktivitätsbezogenen Kalorienumsatz. Dies entsprach kleinen Effektgrößen. Sowohl IG als auch KG waren sechs und 12 Monate nach der Rehabilitationkörperlich aktiver als zu Reha-Beginn. In beiden Gruppen kam es zu einer Gewichtsreduktionzu Reha-Ende sowie zu den beiden Katamnese-Zeitpunkten. Die Gruppen unterschieden sich 12 Monate nach der Rehabilitation jedoch nicht im BMI oder in der Häufigkeit, mit der eine Gewichtsreduktion um mindestens 5% erreicht wurde. Allerdings fördert bei Patienten mit Adipositas eine Zunahme der Bewegung für sich genommen die Gesundheit und vermindertdas Krankheitsrisiko – unabhängig davon, ob sich auch das Gewicht vermindert hat. Die Hypothesen zu Unterschieden in motivationalen Variablen konnten nur zu Reha-Endebestätigt werden, nicht dagegen zur 6- und 12-Monats-Katamnese. Die Intervention hatte keine Effekte auf die Lebensqualität, die sich in beiden Gruppen gleichermaßen verbesserte, und 12 Monate nach Rehabilitation lagen keine bedeutsamen differentiellen Effekte vor. Die Intervention wies eine gute Machbarkeit bei einem überschaubaren Zeitaufwand und hoher Akzeptanz durch die Teilnehmer auf. Sie hat sich als wirksam zur nachhaltigen Förderung körperlicher Aktivität erwiesen. Zur weiteren Optimierung kann eine Ausweitung des Nachsorge-Zeitraums auf 12 Monate in Betracht gezogen werden. Eine Adaptation für andere Indikationsbereiche ist möglich.

 

Publikation:
Ströbl V, Knisel W, Landgraf U, Faller H (2013) A combined planning and telephone aftercare intervention for obese patients: effects on physical activity and body weight after one year. Journal of Rehabilitation Medicine 45:198-205




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