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Abschlussbericht LON

 

Kontakt

Dipl.-Psych. Roland Küffner
Universität Würzburg
Abteilung Medizinische Psychologie, Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften

Klinikstraße 3
97070 Würzburg
Tel.: 0931 31-2071
E-Mail:

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Live-Online-Nachsorge geschulter Rehabilitanden durch E-Learning

Nachsorge soll die positiven Effekte einer stationären Rehabilitation nach der Entlassung aus der Klinik im Alltag der Patienten nachhaltig verankern, indem sie Selbstverantwortung und -managementfähigkeiten der Betroffenen stärkt. Stationäre Nachsorgeangebote bedeuten jedoch lange Anfahrtswege und können daher nur von einem Teil der Patientinnen und Patienten tatsächlich genutzt werden. Die vorliegende Studie will daher ein neuartiges Konzept erproben, welches die Nachsorge in das Internet verlegt. 
Die Teilnehmer der Studie sind orthopädische Patientinnen und Patienten, die während der stationären Rehabilitation an einer Patientenschulung zur Schmerzbewältigung teilgenommen haben. Diese Patienten nehmen nach der Entlassung über ein halbes Jahr monatlich von zu Hause aus an Online­Gruppensitzungen teil, die vom Therapeuten der Klinik durchgeführt werden. Die Gruppe trifft sich in einem „virtuellen Seminarraum", der viele Aspekte einer realen Gruppenschulung nachbildet: Wie in einer Telefonkonferenz können sich alle Teilnehmer direkt miteinander unterhalten. Darüber hinaus kommen weitere Medien wie zum Beispiel Flip-Charts oder Folien zum Einsatz. Ziel der Seminare ist es, die gelernten Fähigkeiten zur Schmerzbewältigung im Alltag aufrecht zu erhalten und mögliche Probleme und Barrieren direkt in der gewohnten Umgebung bearbeiten zu können. 
Im Rahmen der Studie soll diese Live-Online­Nachsorge entwickelt und in zwei Kliniken umgesetzt werden. Eine wissenschaftliche Erfassung der Effektivität soll eine Einschätzung darüber ermöglichen, ob sich die Maßnahme für einen breiteren Einsatz eignet.


 

Roland Küffner & Prof. Dr. Dr. Hermann Faller (Projektleitung)

 

Hintergrund:
Nachsorgemaßnahmen sollen den Transfer medizinisch-therapeutischer Leistungen in den Alltag unterstützen. Erschwert wird das durch den organisatorischen und personellen Mehraufwand in den Einrichtungen sowie durch lange Anfahrtswege und den damit verbundenen hohen zeitlichen Aufwand für die Teilnehmer. Die Verknüpfung einer stationär durchgeführten Patientenschulung mit einer im Internet angebotenen Online-Nachsorge stellt deshalb eine Alternative zu stationären Modellen dar. In der Studie wird exemplarisch eine Live-Online­Nachsorge für die orthopädische Rehabilitation entwickelt und evaluiert. 
Dabei nehmen orthopädische Patienten, die im Rahmen einer stationären Rehabilitation eine Schmerzbewältigungsschulung erhalten haben, nach ihrer Entlassung über ein halbes Jahr im monatlichen Abstand von zu Hause aus an Online­Gruppensitzungen teil. Unter der Leitung des Therapeuten aus der Klinik trifft sich die Gruppe in einem „Online-Seminarraum" - einer virtuellen Seminarumgebung im Internet, in der viele Aspekte einer realen Seminarsituation nachgebildet werden können: Die Teilnehmer stehen über Sprache, ähnlich einer Telefonkonferenz, miteinander in Kontakt und können weitere Medien wie zum Beispiel ein elektronisches Flip-Chart oder Folien nutzen. Die Seminare sollen die gelernten Fähigkeiten zur Schmerzbewältigung im Alltag aufrecht erhalten und ermöglichen es, auftretende Probleme direkt in der gewohnten Umgebung bearbeiten zu können.

 

Ziele/Fragestellungen:
Die Hautfragestellung lautet:
A: Gelingt es den Teilnehmern einer Live-Online-Nachsorge besser, die in der stationären Rehabilitation gelernte Schmerzverarbeitung in den eigenen Alltag zu übernehmen und somit den Effekt der Rehabilitation auf den chronischen Rückenschmerz langfristig aufrecht zu erhalten?
Da es sich um eine neuartige Interventionsmethode handelt, sollen im Rahmen der Studie darüber hinaus folgende Nebenfragestellungen bearbeitet werden: 
B: Lässt sich die Organisation und Umsetzung von Live-Online-Nachsorge-Sitzungen so gestalten und standardisieren, dass sich die Maßnahme als Routineverfahren in der Rehabilitation empfiehlt? 
C: Welche Vor- und Nachteile bringt das Verfahren mit sich?

 

Studiendesign/Methode:
Für die summative Evaluation der Wirksamkeit wurde ein multizentrisches, randomisiertes Kontrollgruppendesign mit vier Messzeitpunkten gewählt. In zwei Rehabilitationszentren der Deutschen Rentenversicherung Bund sollen 632 Probanden konsekutiv rekrutiert und durch eine externe Randomisierung auf Ebene der Schulungsgruppen der Kliniken den beiden Untersuchungsbedingungen zugewiesen werden (Clusterrandomisierung).
In beiden Einrichtungen wird ein verhaltensmedizinisch orientiertes Schmerzbewältigungstraining durchgeführt. Die Interventionsgruppe erhält nach der Entlassung aus der Rehabilitationsklinik 6 Internet-Nachsorgesitzungen zu dieser Schulung, während die Kontrollgruppe keine Nachsorgeleistungen (usual care) erhält.
Patientendaten werden zu Beginn, Ende sowie 6 und 12 Monate nach der Rehabilitation erfasst. Primäre Zielkriterien des Behandlungserfolgs sind Schmerz, kognitive und behaviorale Schmerzverarbeitung. Sekundäre Zielgrößen sind schmerzbedingte psychische Beeinträchtigungen (Depression, Angst), Motivation zur Schmerzbewältigung sowie die allgemeine körperliche und psychische Funktionsfähigkeit. Als weitere Zielparameter wird die Zufriedenheit mit der Rehabilitation bzw. dem Nachsorgeangebot erfragt.

 

Aktueller Stand:
Mit der Rekrutierung der Patienten wurde zu Anfang des Jahres 2009 begonnen. Zuvor wurden die beteiligten Therapeuten in mehreren Blöcken in der Bedienung und den didaktischen Möglichkeiten der Live-Online-Software unterrichtet und zu "Online-Moderatoren" ausgebildet, um die Gruppen in der Interventionsphase eigenständig leiten zu können.
In Zusammenarbeit mit den Therapeuten wurden die Arbeitsmaterialien für die Online-Sitzungen erstellt und ein Leitfaden für die Durchführung der Intervention entwickelt, der die Durchführung der Nachsorge-Sitzungen standardisieren soll. Schwerpunkte der Sitzungen sind Elemente einer Planungsintervention, mit der die Patienten unterstützt werden, das in der stationären Rehabilitation Gelernte in den eigenen Alltag zu übertragen.




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