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Kontakt 

Projektleitung:
Dr. Ruth Deck (0451/ 799 25 13)
Dr. Angelika Hüppe (0451/ 799 25 18)

Projektmitarbeiterin:
Frau Dipl.-Psych. Susi Schramm (0451/ 799 25 35)

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Rehabilitationsnachsorge – Ein „Neues Credo“ für Rehabilitationskliniken (NaSo 1)

Projektinformationen:

Zuwendungsempfänger:
Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin

 

Projektleitung:
Dr. Ruth Deck, Dr. Angelika Hüppe

 

Projektdurchführung:
Dipl. Psych. Susanne Schramm

 

Projektlaufzeit:
01.01.2008-01.07.2011

 

Förderkennzeichen:
0421-FSCP-0549

 

Kooperationskliniken:

 

Hintergrund und Fragestellung:
Angestoßen durch Studien und Übersichtsarbeiten die gezeigt haben, dass die kurzfristigen positiven Erfolge zum Rehabilitationsende nicht über einen längerfristigen Zeitraum (6-12 Monate nach Reha-Ende) verstetigt werden können (z.B. Hüppe & Raspe 2003, 2005) hat das Thema „Nachsorge“ bzw. die Optimierung der Reha-Nachsorge an Bedeutung gewonnen (Köpke 2005, Gerdes et al. 2005). Mit dem „Neuen Credo“ (Deck et al. 2009) wurde eine Nachsorgestrategie für Rehabilitanden[1] mit chronischem Rückenschmerz (cRS) entwickelt, die -neben der Initialphase (stationäre Reha)- auf eine „begleitete Eigeninitiative“ am Wohnort (Transferphase) fokussiert. Die Therapiebausteine dieser versorgungsnah entwickelten, komplexen Intervention (z.B. Handlungsplanung, Selbstbeobachtung, Dokumentation) beruhen auf modelltheoretischen Annahmen der Gesundheitspsychologie (Schwarzer 2004).

Ziel des Modellprojekts war die Evaluation des Nachsorgekonzepts, welches auf die Steigerung bzw. Verstetigung körperlicher Aktivität im Alltag der Rehabilitanden fokussiert: Am Ende der institutionellen Phase der Rehabilitation sollen konkrete Handlungspläne darüber vorliegen, welche körperliche Aktivität regelmäßig im Alltag integriert werden soll.

 

Methodik:
Die Evaluation erfolgte im Rahmen einer multizentrischen, prospektiven, kontrollierten Studie mit drei Messzeitpunkten (T0: Reha-Beginn, T1: Reha-Ende, T2: 12-Monatskatamnese). Eingeschlossen wurden Rehabilitanden mit cRS als Primärdiagnose (M51-M54 nach ICD-10)[2]. Die Teilnehmer der Interventionsgruppe (IG) setzten das „Neue Credo“ gemäß seiner Prämissen um (Reha-Prozess siehe Downloads): Als wichtiges Element der institutionellen Phase gilt das Beobachtungsheft „Bewegte Reha“, welches die Prozesse der Willensbildung und Handlungsplanung im individuellen Fall unterstützt. Während der poststationären Phase (12 Monate) wird das in der Reha Erreichte mit Hilfe von drei Bewegungstagebüchern (Selbstbeobachtungstechnik) für einen Zeitraum von 12 Monaten zu stabilisieren versucht. Die IG-Kliniken waren für die Laufzeit des Projekts mit einem sogenannten Nachsorgebeauftragten ausgestattet. Die Probanden der Kontrollgruppe (KG) erhielten die leitliniengerechte Standardversorgung.

Als primäre Zielkriterien galten Einschränkungen der Teilhabe (IMET [Deck et al. 2008]), Anzahl der Einschränkungstage (Disability Days [Korff et al. 1992]) sowie Funktionsbehinderungen im Alltag (FFbH-R [Kohlmann & Raspe 1996]). Subjektive Gesundheitsparameter (allgemeiner Gesundheitszustand [GZ]; SF-36: Vitalität; SCL-90R: Somatisierung; FSS: Katastrophisierende Kognitionen; ADS: Allgemeine Depressionsskala), Leistungsfähigkeit, berufliche Teilhabe (SPE: subjektive Prognose der Erwerbsfähigkeit, AU-Tage: Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage) und der Grad der körperlichen Aktivität (nach Mensink 1999) wurden a priori als sekundäre Zielkriterien definiert. Darüber hinaus wurden Variablen zur Sicherung der Treatmentqualität sowie zur Bestimmung des Nutzens und der Machbarkeit der Intervention erhoben.

Die längsschnittliche Analyse der Daten erfolgte anhand von mehrfaktoriellen Varianzanalysen (Treatment [IG/KG]*Zeit [T0, T1, T2]) unter Kontrolle potentieller Ausgangslagenunterschiede; darüber hinaus wurden sowohl Intra- als auch Intergruppen-Effektstärken berechnet. Vor dem Hintergrund der Mehrfachtestungen wurde das Signifikanzniveau entsprechend angepasst (Alpha-Adjustierung).

 

Ergebnisse:
Zur Auswertung wurden die kompletten Daten von 166 IG-Rehabilitanden (Drop Out 41%) und 368 KG-Probanden (Drop Out 31%) herangezogen (Completer-Analyse, Teilnahmequote 65%):

Die Rehabilitanden der IG sind im Mittel 2 Jahre jünger als die der KG (p=.008) und verfügen über einen geringeren Schulabschluss (p=.030). Darüber hinaus unterscheiden sich die Rehabilitanden beider Treatmentgruppen signifikant hinsichtlich ihrer beruflichen Stellung (p=.001); für die gesundheitsbezogenen Parameter fanden sich keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zur Ausgangslagenerhebung[3].

Zur 12-Monatskatamnese ergaben sich für zwei der drei Hauptzielkriterien (FFbH-R, IMET) signifikante Unterschiede zugunsten der IG: Interaktionseffekt Treatment*Zeit, jeweils p<.001. Hinsichtlich der Anzahl der Einschränkungstage fanden sich keine Unterschiede zwischen den Treatmentgruppen: Interaktionseffekt Treatment*Zeit, p=.199; ursächlich hierfür scheint die Art der Erhebung (Operationalisierung).

Die Ergebnisse bezüglich der sekundären Zielvariablen weisen auf signifikante Unterschiede zwischen den Treatmentgruppen wobei die Rehabilitanden der IG im Zeitverlauf in höherem Maße profitieren: Die jeweiligen Effektschätzer erreichen -mit einer Ausnahme[4]- moderate Größenordnungen und wurden durch signifikante Interaktionseffekte bestätigt. Darüber hinaus berichten die Rehabilitanden der IG signifikant häufiger, dass sie ihre subjektiven Reha-Ziele erreichen konnten (p<.01); sportbetonte Präventionsangebote (Beteiligung im Sportverein, im Fitnessstudio etc.) wurden von ihnen signifikant häufiger in Anspruch genommen (p<.01).

 

Schlussfolgerung:
Für Rehabilitanden mit cRS trägt die Intervention gemäß des „Neuen Credo“ zur Verstetigung der Reha-Erfolge über einen Zeitraum von 12 Monaten bei; der -innerhalb der Rehabilitationsforschung- häufig zitierte „Wanneneffekt“ (Hüppe & Raspe 2005) zeigt sich in weit geringerem Ausmaß. Insgesamt sprechen die Ergebnisse für die Wirksamkeit der komplexen Nachsorgeintervention[5]; allerdings sind diese
-angesichts des Studiendesigns- von begrenzter Sicherheit. Zur Ableitung eines Kausalzusammenhangs sollte die Replikation der Ergebnisse im Rahmen eines RCT erfolgen, der Transfer auf andere Indikationsbereiche geprüft und die entsprechenden Analysen um ökonomische Auswertungen ergänzt werden. Für die theoretische Einbettung der Intervention wird das HAPA (das Sozial-kognitive Prozessmodell des Gesundheitsverhaltens, Schwarzer 1992, 2004) vorgeschlagen; entsprechende Präzisierungen der einzelnen Interventionsmodule/ Prämissen sowie die Manualisierung des Konzepts zur standardisierten Durchführung sind zu empfehlen.

 

Zitierte Literatur:

 

Publikationen:

 

Abstracts:

 

Sonstiges:      
Förderpreis der Celenus Kliniken GmbH 2011



[1] Aufgrund tradierter Sprach-/ Lesegewohnheiten wird vorliegend ausschließlich die männliche Schreibweise genutzt; dieses Vorgehen beinhaltet keine Wertung und dient lediglich dem Textfluss.

[2] Ausgeschlossen wurden Rehabilitanden mit einer Rücken-OP < 6 Monate, AHB-Verfahren sowie Probanden, für die eine Teilnahme aufgrund psychischer, mentaler und/ oder kognitiver Beeinträchtigungen nicht möglich war.

[3] Deshalb wurde auf die Parallelisierung der Datensätze verzichtet; für die Variablen Alter, Geschlecht und berufliche Stellung wurden alle Auswertungen kontrolliert.

[4] Einzige Ausnahme bildete die Leistungsfähigkeit (im Beruf, im Alltag, in der Freizeit); hierfür ließen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen feststellen.

[5] Welche Therapieelemente im Einzelnen wirksam sind bleibt unklar; bislang ist lediglich von einer „generellen Wirksamkeit“ auszugehen.




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