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Abschlussbericht PEFiT

 

Manual Fit für PEF

 

Kontaktdaten

Dr. Mirjam Körner
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Medizinische Fakultät
Abteilung für Medizinische Soziologie
Hebelstr. 29
79104 Freiburg

Tel. 0049-(0)761-203 55 19

Fax 0049-(0)761-203 55 16

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Entwicklung und Evaluation eines Fortbildungsprogramms zur Partizipativen Entscheidungsfindung in der medizinischen Rehabilitation - PEFiT

Chronisch Kranke fordern in der Rehabilitation immer häufiger, am Entscheidungsprozess bezüglich ihrer Behandlung beteiligt zu werden. Inhalt dieser Studie ist es ein Trainingsprogramm zu Partizipativer Entscheidungsfindung zu entwickeln und wissenschaftlich zu überprüfen. Partizipative Entscheidungsfindung bedeutet, dass sich Patient und Behandler gemeinsam für eine Behandlung entscheiden. Beide tragen daher auch für diese Entscheidung die Verantwortung.

Ein zweiter Schwerpunkt des Trainings ist die partizipative Entscheidungsfindung im Reha-Team. In einem Reha-Team arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen (Ärzte, Pfleger, Psychologen, Physiotherapeuten etc.) zusammen. Im Idealfall soll ihr unterschiedliches Fachwissen in die Behandlungsplanung einfließen. Nachdem das Team sich gemeinsam auf verschiedene Behandlungsmöglichkeiten geeinigt hat, werden diese mit dem Patienten besprochen.

Das Trainingsprogramm richtet sich an die Führungskräfte verschiedener Berufsgruppen im Reha-Team. Die Führungskräfte sollen in Partizipativer Entscheidungsfindung zwischen Patient und Behandler und innerhalb des Reha-Teams geschult werden. Innerhalb dieser Studie soll wissenschaftlich überprüft werden, ob ein Training zu Partizipativer Entscheidungsfindung positive Wirkungen auf z.B. die Zufriedenheit sowohl bei den Patienten als auch bei den Behandlern hat. Die Studie richtet sich an Patientinnen und Patienten mit verschiedenen Krankheiten (z.B. Rückenschmerzen, Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen).

 


 

Projektleiterin: Dr. Mirjam Körner

Projektmitarbeiterinnen:
Dipl.-Psych. Anne-Kathrin Steger 
Dipl.-Päd. Heike Ehrhardt

 

Hintergrund

Patienten mit chronischen Erkrankungen bei einer interprofessionellen Behandlung in der me­dizinischen Rehabilitation zu beteiligen, erfordert die Implementierung von partizipativer Ent­scheidungsfindung (externe Partizipation) unter Berücksichtigung der interprofessionellen Teamarbeit (Kommunikation, Kooperation, Abstimmung, Entscheidungsfindung etc.) im Re­habilitationsteam (interne Partizipation).

 

Ziele und Fragestellungen

Die Pilotstudie zielte auf die Entwicklung eines interprofessionellen Train-the-Trainer Pro­gramms zur Implementierung von partizipativen Entscheidungsfindung in der medizinischen Rehabilitation. Das Training wurde basierend auf den Wünschen und Bedürf­nissen der Pati­enten und dem Schulungsbedarf der Mitarbeiter bezüglich der internen und externen Partizi­pation entwickelt.

Ziel der Hauptstudie war es dann dieses interprofessionelle Train-the-Trainer Programm zur partizi­pativen Entscheidungsfindung zu evaluieren sowie den Einfluss der Partizipation auf die Be­handlungsakzeptanz und die Patientenzu­friedenheit zu überprüfen.

 

Studiendesign und Methoden

Die Pilotstudie hatte ein Querschnittdesign. Die Wünsche und Bedürfnisse der Patienten wurden in Fokusgruppen und der Schulungsbedarf der Mitarbeiter in einer Expertenbefra­gung erfasst. In  einer multizentrischen cluster-randomisierten kontrollierten Interventions­studie wurde die Implementierung der Partizipation mit einer Patientenbefragung (drei Mess­zeitpunkte) und Mitarbeiterbefragung (zwei Messzeitpunkte) evaluiert.

 

Ergebnisse

Als die fünf wichtigsten Bedürfnisse der Patienten konnte in vier Fokusgruppen (n=36 Pati­enten) Zeit, Wertschätzung, Partizipation, Vertrauen, Individualität herausgearbeitet werden. Die Experten (Behandler in Führungspositionen) äußerten insbesondere Schu­lungsbedarf bezüglich der internen Partizipation (Teamarbeit), wie z.B. mit schwierigen Teammitgliedern kommunizieren, Kritikgespräche führen, Konfliktgespräche moderieren, Techniken der Ge­sprächsführung und Moderation der Teamprozesse etc. Die Ergebnisse wurden verwendet, um ein interprofessionelles Train-the-Trainer Programm zur partizipativen Ent­scheidungsfin­dung für die medizinische Rehabilitation zu entwickeln. Das Trainingsprogramm umfasste für die Multiplikatoren (Behandler in Führungspositionen) zwei Module (á 4 h). Für Modul 1 wurde das deutschsprachige Trainingsprogramm von Bieber et al. (2007) entsprechend der Wünsche der Rehabilitanden adaptiert. Es konzentriert sich auf die externe Partizipation in der Behandler-Patient-Bezie­hung, während Modul 2 neu entwickelt wurde und die interne Partizipation (d.h. In­formation, Kommunikation, Abstimmung, Koordination und Kooperation im Behandlungs­team) thematisiert.

Beide Module konnten in fünf Kliniken durchgeführt und evaluiert werden. Die geschulten Multiplikatoren bewerteten das Training positiv und schulten ihre Mitarbeiter. Die Kontroll­gruppe umfasste sechs Kliniken. Die Mitarbeiter der geschulten Kliniken beur­teilten die Umsetzung der partizi­pativen Entscheidungsfindung (externe Partizipation) nach dem Training signi­fikant besser als vor dem Training. Die interne Partizipation stieg sowohl in der Interventions- als auch in der Kontrollgruppe an. Für die Patienten zeigte sich ein schwacher positiver Trend bezogen auf die interne und externe Partizipation. Am deutlichsten profitierten die Pflegekräfte von der Schulung. Die interne Partizipation (Teamarbeit) und die Zufriedenheit mit der Entscheidung zeigten sich als die stärksten Prädiktoren für die Behandlungsakzep­tanz und die Patienten­zufriedenheit.

 

Fazit und Ausblick

In der Studie wurde das erste interprofessionelle Trainingsprogramm zur partizipativen Ent­scheidungsfindung entwickelt und evaluiert. Dabei wurde neben der partizipativen Entschei­dungsfindung (externe Partizipation) auch die interne Partizipation berücksichtigt. Die Ergeb­nisse bestätigen, dass es zum Aufbau einer partizipativen Versor­gungsgestaltung in inter­professionellen Settings wie der medizinischen Rehabilitation wichtig ist die interne Partizi­pation (im Team) neben der externen Partizipation (in der Behandler-Patient-Interak­tion) zu berücksichtigen. Per­sonalentwicklung (Training der Behandler), Teamentwicklung des Be­handlungsteams und Organisationsentwicklung in der Rehabilitationsklinik sollten zukünftig für die Stärkung der partizipativen Versorgungsgestaltung kombiniert eingesetzt werden.

 

Publikationen, die im Rahmen des Projektes entstanden sind (Stand Mai 2012)

 

Bei folgenden Kongressen wurden Projektergebnisse berichtet (Auswahl):

 

Kooperationskliniken 

 

Links:




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