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Abschlussbericht

 

Kontaktdaten

Prof. Dr. Claus Bischoff
AHG-Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim
67098 Bad Dürkheim
Tel: 06322-934238
Fax: 06322-934266
E-Mail:

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Wirksamkeit von Handheld-gestütztem Selbstmanagement (E-Coaching) in der Rehabilitations-Nachsorge

E-Coaching ist eine neue verhaltenstherapeutische Interventionsform zur Selbstregulation des Verhaltens mit Hilfe eines Handheld-Computers.
Ziel ist es, Patienten mit arbeitsbezogener Selbstüberforderungsneigung dabei zu unterstützen, das in einer stationären psychosomatischen Behandlung erlernte Verhalten in ihrem Arbeitalltag umzusetzen.
Beim E-Coaching wird der Patient durch einen Handheld-Computer mehrmals am Tag aufgefordert, seine Aufmerksamkeit auf sein Verhalten und Erleben zu richten, zu überprüfen, ob er selbstfürsorglich mit sich umgeht, sein Verhalten gegebenenfalls im Sinne der in der Behandlung erarbeiteten Strategien zu korrigieren und später zu überprüfen, ob diese Korrekturen erfolgreich waren. 
In einer Klinik für Psychosomatik werden Patienten mit einer erhöhten Verausgabungsbereitschaft gegen Ende ihres stationären Aufenthalts zu einer Kleingruppenveranstaltung eingeladen, in der ihre Neigung zur Selbstüberforderung thematisiert wird und konkrete Verhaltensziele für einen selbstfürsorglichen Umgang mit sich erarbeitet werden. E-Coaching wird dabei als Unterstützung für die spätere Umsetzung im Alltag eingeführt.
Ziel der Studie ist es, zu überprüfen, ob durch ein zeitlich begrenztes E-Coaching zu Hause die Umsetzung der in der stationären Behandlung erlernten neuen Verhaltensweisen verbessert werden kann und damit in der Therapie erreichte Fortschritte aufrechterhalten werden können.


 

Hintergrund:
Übermäßige berufliche Verausgabungsbereitschaft begünstigt die Entstehung von Stresserkrankungen. Im Rahmen einer stationären psychosomatischen Behandlung kann dieser dysfunktionale Erlebens- und Verhaltensstil identifiziert und durch einen günstigeren ersetzt werden. Die Umstellung des Verhaltens einzuleiten ist für den Patienten in der Regel nicht so schwierig, wie sie aufrechtzuerhalten. Besonders 
nach Abschluss der stationären Maßnahme, im Alltag zu Hause, ist die Gefahr groß, in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.

 

Ziele:
E-Coaching ist eine neue verhaltenstherapeutische Interventionsform zur Selbstregulation des Verhaltens mit technischer Hilfe. Der Patient wird durch einen Handheld-Computer mehrmals am Tag programmgesteuert aufgefordert, seine Aufmerksamkeit auf sein derzeitiges Verhalten und Erleben zu richten, zu überprüfen, ob er selbstfürsorglich mit sich umgeht, sein Verhalten gegebenenfalls im Sinne der in der Behandlung erarbeiteten Strategien zu korrigieren und nach einer von ihm festgelegten Zeitspanne zu überprüfen, ob diese Korrekturen erfolgreich waren. 
E-Coaching soll als poststationäres Nachsorgeangebot Patienten, welche die Methode positiv bewerten, beim Transfer des in der stationären Behandlung Gelernten unterstützen. 
Dazu soll zunächst überprüft werden, ob E-Coaching in der stationären psychosomatischen Rehabilitation nach einer einführenden Kurzbehandlung Akzeptanz findet. Die Wirksamkeit von E-Coaching in der poststationären Phase ist Gegenstand einer randomisierten Kontrollgruppenstudie.

 

Methoden:
Die Studie schließt erwerbstätige, bei Entlassung aus der Klinik arbeitsfähige Patienten mit arbeitsplatzbezogener Selbstüberforderungsneigung ein (AVEM, Schaarschmidt & Fischer). Ausschlusskriterien sind: laufendes Rentenverfahren, Anorexie, Persönlichkeitsstörungen (Cluster A oder B).
Die Evaluation wird als randomisierte Kontrollgruppenstudie mit einer Experimentalgruppe („E-Coaching") und einer Vergleichsgruppe („Vorsatz-Therapie" als Plazebo-Kontrollbedingung) realisiert. Die Datenbasis liefern Erhebungen an drei Messzeitpunkten (Prä, Post, 6-Monats-Katamnese). Die primäre Zielgröße ist die Selbstüberforderungsneigung. Explorativ untersucht werden Selbstmanagementkompetenzen, Selbstwirksamkeit, allgemeiner und störungsspezifischer Beschwerdedruck und Krankheitskosten. 

Im Rahmen der stationären Behandlung nehmen die Patienten an einer Kleingruppenveranstaltung zum Thema Selbstüberforderung und Selbstfürsorge teil, in der E-Coaching als Unterstützung bei der Umsetzung selbstfürsorglichen Verhaltens vorgestellt wird und die Patienten Gelegenheit erhalten, E-Coaching zwei Tage im Klinikalltag zu nutzen.
Patienten, die E-Coaching anschließend als hilfreich einschätzen, werden randomisiert der EG bzw. KG zugeordnet. Sie werden vier Wochen nach der Entlassung aus der stationären Therapie kontaktiert und zur Teilnahme motiviert. Die EG erhält im Zeitabstand von vier Wochen und 25 Wochen nach der Entlassung eine Selbstmanagement-Behandlung mit dem E-Coach jeweils für sieben aufeinander folgende Tage. Die KG erhält jeweils für dieselben Zeiträume eine Ermutigung und Aufforderung, die erlernten Bewältigungsstrategien jeweils in den folgenden sieben Tagen gezielt zu praktizieren.

 

Ergebnisse: 
Die psychoedukative Gruppeneinheit wird von den Teilnehmern sehr positiv bewertet. Im Anschluss an die zweitägige Nutzung der Geräte im Klinikalltag zeigt sich eine gute Akzeptanz von E-Coaching als psychotherapeutischer Methode. Auch die hohe Bereitschaft, an der Nachsorgeintervention mit dem E-Coach teilzunehmen, spricht für eine hohe Akzeptanz. Die Auswertungen zeigen, dass sowohl die Patienten der EG als auch die Patienten der KG ihre Verausgabungsbereitschaft in der poststationären Phase weiter reduzieren können. Die Überlegenheit von E-Coaching gegenüber der Vorsatztherapie konnte nicht belegt werden. Auch für die sekundären Zielgrößen ließ sich keine Überlegenheit von E-Coaching gegenüber der „Vorsatztherapie“ feststellen.

 

Diskussion:
Gründe dafür, dass E-Coaching der Vorsatztherapie nicht überlegen ist, sind vermutlich in der geringen Therapiedosis in beiden Versuchsgruppen und der gleichzeitig vergleichweise hohen in der Kontrollbedingung zu suchen. Die hohe Akzeptanz von E-Coaching und seine Praktikabilität im Alltag ermutigen zu einer Intensivierung der handheldgestützte Interventionen, um ihre höhere Wirksamkeit belegen zu können.




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