Ergebnisse und Verwertung

Förderphase eins:
Modul 1: Forschungsvorhaben zur sektorenübergreifenden Versorgung
Modul 2: Forschungsvorhaben zur rehabilitativen Versorgung
Modul 3: Forschungsvorhaben zur gesundheitlichen Versorgung
Modul 4: Wissenschaftliche Grundlagen der versorgungsnahen Forschung

 

Förderphase zwei:
Modul 1: Forschungsvorhaben zur sektorenübergreifenden Versorgung
Modul 2: Forschungsvorhaben zur rehabilitativen Versorgung
Modul 3: Forschungsvorhaben zur gesundheitlichen Versorgung
Modul 4: Wissenschaftliche Grundlagen der versorgungsnahen Forschung

 

 

Phase eins: Modul eins: Forschungsvorhaben zur sektorenübergreifenden Versorgung

Gesundheitstraining nach Schlaganfall - Liepert


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CARO-PRE-Studie


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ICF-basierte Patientenschulung - Sabariego


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Eva-Studie - Brandes


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CRAFT - Bischof


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Psychoedukation in der Akutbehandlung Alkoholabhängiger - Wodarz


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Internetbasierte ambulante psychosoziale Nachsorge - Watzke


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PaReSiS - Behrens


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Entwicklung und Evaluation eines interaktiven Informationssystems für Patienten/innen mit chronischen Erkrankungen (InfoChron)

Leitung: Prof. Dr. Dr. Martin Härter, PD Dr. Jörg Dirmaier

Fragestellung: Die Ziele des Projektes waren die Entwicklung und Evaluation eines interaktiven, präferenzsensitiven, webbasierten Patienteninformationssystems zu den Indikationen chronischer Kreuzschmerz und Diabetes mellitus Typ 2. Ziele sind verbesserte Erkrankungswissen und Empowerment sowie – bei Patienten/innen, die vor einer medizinischen Entscheidung stehen - die Reduktion von Entscheidungskonflikten und eine verbesserte Vorbereitung auf die ärztliche Konsultation.
Im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie sollte die Wirksamkeit und Akzeptanz eines solchen bedarfsorientierten Patienteninformationssystems gegenüber standardisierten Patienteninformationen hinsichtlich dieser Outcomes untersucht werden. Es wurde angenommen, dass durch die bedarfsorientierte und an den individuellen Präferenzen orientierte Darbietung der Informationen der Nutzen des Patienteninformationssystems gegenüber herkömmlichen Patienteninformationen erhöht werden kann.

Ergebnis:
Insgesamt wurden 561 Teilnehmer eingeschlossen. Zum Follow-up konnten bei beiden Indikationen noch über 50% der Teilnehmer erreicht werden.Unmittelbar nach der Nutzung des interaktiven Informationssystems bzw. der Standard-Website war das indikationsspezifische Wissen in der IG signifikant höher als in der KG. Die-ser Effekt war in der Kreuzschmerz-Stichprobe deutlicher zu sehen als in der Diabetes-Stichprobe. Hinsichtlich des Empowerments zeigten Teilnehmer der Interventionsgruppe ein signifikant stärkeres emotionales Wohlbefinden als die Teilnehmer der Kontrollgruppe (p=0,009). Weitere signifikante Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe gab es nicht. N=324 Teilnehmer gaben an, vor einer konkreten medizinischen Entscheidung zu stehen. Unmittelbar nach der Nutzung der Informationen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe hinsichtlich des Entscheidungskonflikts oder der Vorbereitung auf die Entscheidungsfindung. 

Verwertung:
Patienteninformationssysteme für Menschen mit chronischen Erkrankungen können die persönliche Schulung und Interaktion mit Behandlern sinnvoll ergänzen. Sie werden von den Betroffenen wie auch ihren Behandlern gewünscht. Einerseits besteht Interesse an einem breiten Themenspektrum, das die Lebensrealität mit einer chronischen Erkrankung reflektiert. Andererseits werden fokussierte Entscheidungshilfen für konkrete medizinische Entscheidungen benötigt. Eine evidenzbasierte und patientenorientierte Entwicklung eines Patienteninformationssystems auf theoretisch und empirisch gut abgesicherter Basis ist sinnvoll und umsetzbar. Das hier untersuchte System wurde unabhängig von der Interaktivität von den Teilnehmern sehr gut akzeptiert. In weiteren Projekten sollte die Implementierung von Patienteninformationssystemen und die Verzahnung mit dem bestehenden Versorgungssystem starker in den Blick genommen werden.

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Deutsche Version der Website DIPEx - Lucius


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Phase eins: Modul zwei: Forschungsvorhaben zur rehabilitativen Versorgung

PASTOR - Pfeifer


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Bedarfsgerechte Patienteninformation für Rehabilitandinnen und Rehabilitanden auf der Basis subjektiver Konzepte (SubKon)

Leitung: Dr. Manuela Glattacker

Fragestellung: Ziel des Projekts war es, eine theoriebasierte Intervention zu entwickeln und zu evaluieren, mittels derer Informationen auf die individuellen Bedarfe der Patienten zugeschnitten werden, indem sie gezielt an die patientenseitigen Vorstellungen und Überzeugungen hinsichtlich Krankheit und Behandlung (illness beliefs) anknüpfen. Im Fokus stand die Fragestellung, ob Patienten mit chronischen Rückenschmerzen bzw. depressiven Störungen, die entsprechend ihres individuellen Informationsbedarfs über die Erkrankung und die medikamentöse sowie rehabilitative Behandlung informiert werden, hinsichtlich verschiedener rehabilitationsrelevanter Outcomekriterien bessere Ergebnisse erzielen als Patienten einer Kontrollgruppe, die nicht entsprechend ihres individuellen Bedarfs informiert werden.

Ergebnis: Die Intervention war insbes. im Hinblick auf proximale Outcomes effektiv: Rückenschmerz-Patienten der Interventionsgruppe erlebten im Rehabilitationsverlauf einen deutlicheren Zuwachs an persönlicher Kontrollierbarkeit der Rückenschmerzen, bewerteten die Informationen, die während der Rehabilitation zur Krankheit und zur Rehabilitation vermittelt wurden, in einem deutlich größeren Ausmaß als ihren Bedürfnissen entsprechend und zeigten in stärkerem Ausmaß aktives Informationsverhalten als Patienten der Kontrollgruppe. In der Diagnosegruppe "Depressive Störungen" war die Informationszufriedenheit mit medikamentenbezogenen Informationen in der Interventionsgruppe stärker ausgeprägt, und die Patienten zeigten subjektiv ein aktiveres Informationsverhalten. Im Hinblick auf die distalen Outcomes konnten hingegen kaum differenzielle Effekte für die beiden Interventionsgruppen nachgewiesen werden.

Bedeutung für die Praxis: Die Effektivität der Intervention im Hinblick auf proximale Ergebnisse war ermutigend, und die Intervention wurde von Rehabilitanden und Behandlern akzeptiert. Die Umsetzbarkeit war unter Studienbedingungen gegeben, und es wurde ein Interventions-Manual entwickelt, das den Transfer der Intervention auch über die Studie hinaus gewährleisten kann. Da die Dissemination der Intervention unter Routinebedingungen aus Ökonomiegründen jedoch fraglich erschien, wurde die Intervention in einer Folgestudie (SELF) theoriekonform und mit einem Fokus auf die Machbarkeit weiterentwickelt.

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PEFiT - Körner


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Evaluation einer Planungsintervention ... - Faller


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Live-Online-Nachsorge - Faller


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Einfluss von SDM auf die Motivation ... - Neuderth


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Wirksamkeit von Handheld-gestütztem Selbstmanagement (E-Coaching) in der Rehabilitations-Nachsorge

Leitung: Prof. Dr. C. Bischoff / S. Schmädeke

Fragestellung: Ziel der RCT-Studie ist es, die Akzeptanz und Wirksamkeit einer Handheld-gestützten Form der ambulanten Nachsorge (E-Coaching) nach stationärer psychosomatischer Rehabilitation bei Patienten zu überprüfen, die eine übermäßige berufliche Verausgabungsbereitschaft aufweisen. Die Patienten der EG wurden mehrmals am Tag programmgesteuert aufgefordert, die Aufmerksamkeit auf ihr derzeitiges Verhalten und Erleben zu richten, es daraufhin zu überprüfen, ob es die Entstehung körperlicher oder seelischer Symptome begünstigt, es gegebenenfalls im Sinne der in der Behandlung erarbeiteten Strategien zu korrigieren und nach einer Zeit zu kontrollieren, ob diese Korrekturen erfolgreich waren. Die Patienten der KG erhielten eine Vergleichsintervention, die vom Therapiekonzept her E-Coaching ähnelt, allerdings keine Handhelds nutzt.

Ergebnis:
Die Akzeptanz von E-Coaching bei den Patienten ist hoch (Bischoff et al., 2010): Zwei Drittel äußerten sich nach der einführenden Veranstaltung, unabhängig von Alter, Geschlecht und Schulbildung, positiv zum E-Coaching als therapeutischer Maßnahme. So gut wie alle Patienten mit positiver Einstellung nahmen an den poststationären Interventionen teil und nutzten auch nachweislich die Geräte. Nach der Nachsorgeintervention bewerteten drei Viertel der Patienten E-Coaching rückblickend als persönlich relevant und hilfreich.
Die Patienten beider Versuchsgruppen konnten den während der stationären Rehabilitationsmaßnahme erreichten Behandlungserfolg hinsichtlich des
Beschwerdedrucks aufrecht erhalten. Sie erreichten sogar eine weitere Reduktion der Verausgabungsbereitschaft. Allerdings konnte eine Überlegenheit von E-Coaching gegenüber der Vorsatztherapie nicht nachgewiesen werden (Bischoff et al., 2013).

Bedeutung für die Praxis:
Aus den Erfahrungen mit E-Coaching und dem Folgeprojekt eATROS, in dem Smartphones in der Depressionsnachsorge zum Einsatz kamen, wurde mit DE-RENA ein Nachsorgeangebot mit Smartphone-App für depressive Patienten entwickelt. Aktuell wird DE-RENA im Rahmen eines von der DRV Bund finanzierten Modellprojekt in zwei Kliniken, der AHG Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim und dem Rehabilitationszentrum Bad Salzuflen, auf seine Implementierbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit überprüft. Mit DE-RENA kann auch für jene Patienten ein Nachsorgeangebot geschaffen werden, denen eine Teilnahme an IRENA aufgrund zu großer Entfernung oder Unvereinbarkeit mit dem beruflichen Alltag nicht möglich wäre. Nach erfolgreicher Implementierung könnte DE-RENA in die Regelversorgung übernommen und in anderen Reha-Einrichtungen eingeführt werden. Auf Grundlage der Erfahrungen aus dem Modellprojekt sollte es möglich sein, den Aufwand bei einer Durchführung in der Routine abzuschätzen.

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Entwicklung und Evaluation eines Trainingsmoduls zur partizipativen Vereinbarung von Zielen in der stationären medizinischen Rehabilitation (PARZIVAR)

Leitung: Prof. Dr. W.H. Jäckel & Dr. Manuela Glattacker (SEVERA (ehem. AQMS)); Prof. Dr. B. Greitemann & Dr. Susanne Dibbelt (IfR)

Fragestellung: Ziel des Projekts „PARZIVAR“ war es, unter Berücksichtigung verschiedener Prinzipien erfolgreicher Zielvereinbarungen (wie z.B. einer konsequenten Partizipation der Rehabilitanden) eine manualgestützte Intervention zur Verbesserung der Qualität der Zielvereinbarung zu entwickeln und zu evaluieren. Im Vorfeld der Interventionsentwicklung und -evaluation sollte im Rahmen einer „Ist-Analyse“ die gegenwärtige Praxis der Zielvereinbarungen in den beteiligten Kooperationskliniken beschrieben werden. Ferner sollte hierbei geklärt werden, ob die Thematik bei Rehabilitanden und Behandlern auf Akzeptanz stößt bzw. was Voraussetzungen oder Barrieren für eine adäquate Zielvereinbarung sind.

Ergebnis: Mit der Ist-Analyse wurde der Bedarf an einer partizipativen Zielvereinbarungspraxis aus Rehabilitandensicht dokumentiert. Ferner zeigte sich, dass wesentliche Qualitätsmerkmale – z.B. der konsequente Einbezug der Rehabilitanden - nicht in wünschenswertem Ausmaß etabliert waren. Schließlich wurden eine insgesamt recht hohe Akzeptanz gegenüber der Thematik von Seiten aller Beteiligten, verschiedene Voraussetzungen für bzw. Barrieren, die gegen die Umsetzung einer partizipativen Zielvereinbarung sprechen, evident. Im Hinblick auf die Evaluation der PARZIVAR-Intervention konnte gezeigt werden, dass die Intervention das Potenzial hat, proximale Zielgrößen (Verbesserung der Zielvereinbarungspraxis) zu verbessern. Im Hinblick auf distale Outcomes (Lebensqualität, Funktionsfähigkeit) hingegen konnte überwiegend keine Überlegenheit der Interventionsgruppe festgestellt werden.

Bedeutung für die Praxis: Die Effektivität der PARZIVAR-Intervention im Hinblick auf eine Verbesserung der Zielvereinbarungspraxis ist vielversprechend. Um die Dissemination der Intervention in die Routineversorgung zu unterstützen, sind die Ergebnisse der PARZIVAR-Studie in weiteren Projekten aufgegriffen worden. U.a. ist das Manual im Rahmen der PARZIVAR-II-Studie überarbeitet worden (das Manual ist verfügbar auf der Homepage der Klinik Münsterland) und hat als Praxisbeispiel Eingang in das "Arbeitsbuch Reha-Zielvereinbarungen" gefunden, welches Reha-Einrichtungen in der Reha-Zielarbeit unterstützen soll (siehe http://www.reha-ziele.de/node/182).

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Reha-Optimierung bei Patienten mit Polyarthritis oder Spondyloarthritis durch ein individuell vereinbartes Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining (KAKo-Training)/KAKo

Leitung: Prof. Dr. med. Wilfried Mau

Fragestellung:In dieser prospektiven Interventionsstudie führten Rehabilitanden mit chronischen Polyarthritiden (cP) oder Spondyloarthritiden (SpA) während ihrer 3-wöchigen stationären Rehabilitation in zwei rheumatologischen Fachkliniken ein intensives Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining (KAKo-Training) mit motivationalen und volitionalen Elementen in geschlossenen Gruppen durch. Die Kontrollgruppe (KG) erhielt die konventionellen, rehabilitativen Maßnahmen und anschließende Versorgung. Frage: Zeigen die Teilnehmer der Interventionsgruppe (IG) ein Jahr nach Reha-Ende eine höhere gesundheitsbezogene Lebensqualität (körperliche Summenskala des SF-36), eine höhere Motivation zu und Umsetzung eigenständiger Bewegungsaktivitäten sowie weitere gesundheitsbezogene und sozioökonomische Verbesserungen gegenüber der Kontrollgruppe?

Ergebnis:Am Reha-Ende berichteten alle Studienteilnehmer die typischen gesundheitlichen und motivationalen Verbesserungen gegenüber Reha-Beginn. Die Teilnehmer der IG berichteten zusätzlich eine höhere Bewegungsmotivation und bewerteten die Bewegungstherapie sowie die Rehabilitation insgesamt positiver als die Teilnehmer der KG. Nach einem Jahr berichtete die IG mehr Alltagsaktivitäten und geringere indirekte Kosten im Vergleich zur KG. Der unerwartete, statistisch signifikante Vorsprung der KG gegenüber der IG hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ging mit einer sehr geringen Effektstärke einher. Die übrigen Nebenzielgrößen (Funktionsfähigkeit, psychische Gesundheit, Sport- und Freizeitaktivitäten, Bewegungsmotivation, Erwerbstätigkeit, direkte Kosten) zeigten keine Gruppenunterschiede.

Bedeutung für die Praxis:Die Studie konnte zeigen, dass ein intensives Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining von der Zielgruppe (erwachsene Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bis 60 Jahre) während der stationären Rehabilitation sehr gut angenommen wird und in Kombination mit motivationalen und volitionalen Elementen (Begleitheft "Sport und Bewegung im Alltag", Trainingsvereinbarung am Reha-Ende zur Planung eigenständiger Aktivitäten zuhause) positive kurz- und langfristige Effekte erzielen kann. Für das KAKo-Training liegt ein Manual vor, welches kostenlos zum Download auf der Seite www.forschung-patientenorientierung.de zur Verfügung steht (inkl. Begleitheft und Trainingsvereinbarung).

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NaSo 1 - Deck


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BERUNA - Karoff


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Phase eins: Modul drei: Forschungsvorhaben zur gesundheitlichen Versorgung

 

Phase eins: Modul vier: Wissenschaftliche Grundlagen der versorgungsnahen Forschung

Die Patient-Behandler-Kommunikation bei chronisch Kranken: Geschlechts- und altersspezifische Präferenzen (PABEKO)

Leitung: Prof. Dr. Erik Farin-Glattacker

Fragestellung: Die Zielsetzungen des Projekts lassen zu folgenden inhaltlichen Themen gliedern:
1. Die qualitative Erfassung von Patientenpräferenzen und Behandlereinstellungen zur Patient-Behandler-Kommunikation
2. Die Entwicklung und methodische Prüfung von Messinstrumenten zur Erfassung von Kommmunikationspräferenzen, Kommunikationsverhalten und Einstellungen zur Kommunikation
3. Deskription der Kommunikationspräferenzen und der Passung zwischen Patientenpräferenzen und Arztverhalten
4. Prädiktion der Kommunikationspräferenzen von Patienten unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechts
5. Analyse des Einflusses von Kommunikation und weiteren Arzt-Patient-Beziehungsvariablen auf das Ergebnis der Behandlung

Ergebnis:
Mit den erzielten Projektergebnissen liegen erstmals im deutschsprachigen Raum
psychometrisch gut abgesicherte und inhaltlich breit angelegte Messinstrumente
(Fragebögen) zur Erfassung von Kommunikationspräferenzen chronisch kranker Patienten, von behandlerseitigem Kommunikationsverhalten und von kommunikationsbezogenen Einstellungen des Behandlers vor. Mit den Befunden zur Deskription der Kommunikationspräferenzen von Patienten liegen an einer großen Stichprobe gewonnene Resultate vor, mit denen sich Behandler und Entscheidungsträger ein Bild von den üblichen kommunikationsbezogenen Erwartungen chronisch Kranker machen können.Die Analysen zum Einfluss der Kommunikation und weiterer Arzt-Patient-Beziehungsvariablen auf das Ergebnis der Behandlung verweisen sehr deutlich auf die Relevanz der Arzt-Patient-Beziehung für die Effekte der Behandlung
chronisch Kranker.

Bedeutung für die Praxis:
Alle Fragebögen sind frei verfügbar und können für diagnostische Maßnahmen oder Forschungszwecke eingesetzt werden. Die Ergebnisse zu den Einflussfaktoren der Kommunikationspräferenzen sensibilisieren Behandler für Personenmerkmale, die bei Patienten in besonderem Maße mit bestimmten Kommunikationspräferenzen (z.B. bezüglich Patientenbeteiligung oder emotional unterstützender Kommunikation) assoziiert sind. Wichtig erwies sich in diesem Zusammenhang insbesondere das Alter der Patienten. Die Resultate zum Einfluss der Beziehung auf das Behandlungsergebnis können dazu beitragen, Behandler von der Bedeutung patientenorientierter Kommunikation zu überzeugen.

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Entwicklung, psychometrische Testung ... - Andreas


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Entwicklung und Überprüfung ... - Kilian


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Ergebnismessung in der medizinischen Rehabilitation ... - Mittag


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Gesundheitskompetenz von türkischstämmigen Diabetikern ... - Kofahl


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Nutzen eines supportiven, telefonbasierten Counselingsystems ... - Brenner


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Patientenorientierte Interventionen zur Lebensstilmodifikation bei KHK – Subjektive Konzepte zu Inhalten, Methoden und Setting nachhaltiger Sekundärprävention im Alltag (PoInts)

Leitung: Prof. Dr. Gesine Grande, HTWK Leipzig

Fragestellung: Die Umstellung des Lebensstils zur Sekundärprävention der KHK gelingt in der Praxis langfristig häufig nicht erfolgreich. Die fehlende Bedarfsgerechtigkeit bisheriger Interventionsansätze in Bezug auf subjektive Erwartungen, Konzepte und den subjektiven Bedarf wird als ein Faktor für diese geringe Nachhaltigkeit angesehen. Projektziel war die Erfassung subjektiver Konzepte von PatientInnen und ihren PartnerInnen zu relevanten Veränderungsdimensionen als Voraussetzung nachhaltiger Lebensstilmodifikationen sowie über die aus subjektiver Sicht geeigneten Interventionsmethoden und Settings zur Schaffung solcher personalen und situativen Voraussetzungen.

Ergebnis:
In den durchgeführten Fokusgruppen wurden hemmende und unterstützende Faktoren für eine erfolgreiche Lebensstilmodifikation auf verschiedenen Ebenen (personale, situative, soziale, versorgungsbezogene und gesellschaftliche Faktoren) diskutiert. Als Reaktion auf das kardiale Ereignis treten vielfach starke psychische, zum Teil länger andauernde, Belastungen auf. Es bestehen Motiv- und Zielkonflikte, die in der aktuellen Versorgung nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die Möglichkeit zum Austausch mit gleichermaßen Betroffenen wurde allgemein für hilfreich gehalten.
In der Fragebogenuntersuchung wurden als bedeutsame fördernde Faktoren neben einer besseren medizinischen Versorgung die Unterstützung durch Partner und Familie sowie ein verbessertes seelisches Gleichgewicht beurteilt. Der Hausarzt, der sich Zeit nimmt und Empfehlungen über Angebote ausspricht, wird als besonders hilfreich angesehen.

Bedeutung für die Praxis:
Die Kenntnisse über die Vorstellungen der Betroffenen können zur Anpassung bestehender Versorgungskonzepte und zur Entwicklung innovativer Interventionsansätze genutzt werden. Ansatzpunkte für Verbesserungen der Versorgungspraxis liegen in 1. einer stärkeren Gewichtung psychosozialer Begleitung in der Betreuung chronisch kranker HerzpatientInnen durch entsprechende Finanzierung und Qualifizierung 2. dem Ausbau psychokardiologischer Angebote für kardiologische PatientInnen (und ihrer Angehörigen) mit entsprechend qualifiziertem Personal 3. dem Einbezug von Laien oder Mitbetroffenen in den Versorgungsprozess auf der Grundlage des Selbsthilfegedankens, um es Betroffenen zu ermöglichen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, von deren Erfahrungen zu profitieren, aber auch im sozialen Vergleich eine Bestätigung für die selbst bereits erreichten Erfolge zu erhalten.

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Patientenorientierte Veränderungsmessung: Gesundheitsbewertungen und die Beurteilung der Teilhabe-Relevanz von Behandlungseffekten (POEM)

Leitung: Prof. Dr. Erik Farin-Glattacker

Fragestellung: Das primäre Ziel des Projekts bestand darin, das Konzept der "Patientenorientierten Veränderungsmessung" konzeptionell und methodisch zu fundieren. Zudem sollten inhaltliche Fragestellungen, die die Bedeutung der der Patientenorientierten Veränderungsmessung empirisch analysieren, untersucht werden:
a) Welche Präferenzen haben Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, chronisch- ischämischer Herzkrankheit und Brustkrebs bezüglich möglicher Gesundheitsverbesserungen?
b) Welche soziodemographischen, medizinischen und psychosozialen Faktoren haben einen Einfluss auf die patientenseitigen Gesundheitsbewertungen?  
c) Wie hoch ist die Kongruenz von arzt- und patientenseitigen Gesundheitsbewertungen und welchen Einfluss hat diese Kongruenz auf das Ergebnis der Behandlung?
d) Welche Bedeutung besitzt das Phänomen des „Response-Shifts“ für das Konzept der patientenorientierten Veränderungsmessung?

Ergebnis:
Das entwickelte POEM-Konzept sieht drei Arbeitsschritte vor:
1. Erfassung der patientenseitigen Gesundheitsbewertungen vor der Intervention
2. Erfassung der Teilhabe-Relevanz der erlebten Veränderungen nach der Intervention
3. Auswertung und Rückmeldung der an den Gesundheitsbewertungen gewichteten Effekte sowie der Teilhabe-Relevanz
Auch wenn die Grundidee des POEM-Konzepts nicht komplett neu ist, weist das POEM-Konzept doch zwei innovative Aspekte auf: a) die integrierte Betrachtung von Gesundheitsbewertungen und patientenseitigen Relevanzbeurteilungen zur Fundierung einer patientenorientierten Veränderungsmessung sowie b) der Bezug der patientenseitigen Relevanzbeurteilung auf das Konzept der Teilhabe, welches im Kontext chronischer Krankheiten eine zentrale Rolle spielt. Ein weiteres hervorhebenswertes Ergebnis ist, dass meist nur eine geringe Kongruenz zwischen den Gesundheitsbewertungen der Patienten und den Zielfestlegungen der Ärzte besteht.

Bedeutung für die Praxis:
Für Versorgungs- und Rehabilitationsforscher, die einen quantitativen Forschungsansatz mit Erfassung der Veränderung des Gesundheitszustands von chronisch Kranken umsetzen, konnten Empfehlungen zur methodischen Vorgehensweise gegeben werden. Die Ergebnisse verweisen zudem auf die Notwendigkeit, dass Behandler bei der Zielfestlegung stärken die Gesundheitsbewertungen der Patienten berücksichtigen. Gesundheitsbereiche, die vom Großteil der Patienten als wichtiger eingestuft wurden als durch die Ärzte, könnten unter Umständen einen Hinweis auf patientenseitige Bedürfnisse liefern, die im Zielfestlegungsprozess zu wenig berücksichtigt werden.

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Patientenpräferenzen ... - Thürmann


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PräfCheck - Junius-Walker


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Qualitätskonzept „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus" als Ansatz patientenorientierter, partizipativer Versorgungsgestaltung: Entwicklung und Erprobung von Bewertungsinstrumenten für die Kooperation zwischen Patienten und Krankenhäusern (QSFK)

Leitung: Prof. Dr. Dr. Alf Trojan

Fragestellung: Thema des Projektes ist die dauerhafte strukturelle Verankerung von Patientenorientierung durch die institutionalisierte Kooperation zwischen Krankenhäusern und Selbsthilfezusammenschlüssen. Ansatzpunkt der Forschung ist das Qualitätskonzept „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus", das sich erst in den vergangenen Jahren systematischer entwickelt hat und sich auf die Ingangsetzung, Erfolge, Wirkungen und Aufrechterhaltung partizipativer Versorgungsgestaltung im Krankenhaus richtet. Ziel unserer empirischen Studie war die Entwicklung eines Instruments zur Messung von selbsthilfebezogener Patientenorientierung aus der Perspektive von Patienten und Krankenhausmitarbeitern. Ein weiteres Ziel war die Identifikation von möglichen förderlichen und hinderlichen Faktoren für die Intensivierung und Dauerhaftigkeit (Nachhaltigkeit) von Patientenorientierung im Rahmen strukturierter Kooperationen zwischen Krankenhäusern und Selbsthilfezusammenschlüssen.

Ergebnis:
Die Validierung des SelP-K-Fragebogens für die Evaluation von selbsthilfebezogener Patientenorientierung im Krankenhaus (22 Kernitems) erfolgte vorrangig auf Grundlage von 405 Antwortenden in den Personalbefragungen. Sie ergab gute bis befriedigende psychometrische Eigenschaften. Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) beträgt je nach Subskala zwischen 0,72 bis 0,93; auch die die theoretisch postulierte Multidimensionalität der selbsthilfebezogenen Patientenorientierung im Krankenhaus wird mit dem Modell zur explorativen Faktorenanalyse weitgehend bestätigt. Im nur begrenzt möglichen Vergleich der Einschätzungen beider Befragtengruppen konnten wenige signifikante Unterschiede in Einzelaspekten der Dimension „Selbsthilfegruppen einbeziehen“ festgestellt werden. Die Analyse förderlicher und hinderlicher Faktoren bestätigte weitgehend die acht Kriterien eines „Selbsthilfefreundlichen Krankenhauses“, die im dem Hamburger Modellprojekt entwickelt wurden.

Bedeutung für die Praxis:
Der neu entwickelte SelP-K-Fragebogen eignet sich mit kleinen Einschränkungen für die Evaluation von selbsthilfebezogener Patientenorientierung und Partizipation in Krankenhäusern. Auch unabhängig vom Einsatz des Messinstruments hat sich das mit Hilfe des Projekts entwickelte Konzept der "Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“ (SPiG) im Rahmen eines 2009 gegründeten Netzwerks mit ca.150 aktiven Mitgliedern und vielen gleichsinnigen Akteuren in Österreich sehr gut in andere Einrichtungen verbreiten lassen (www.selbsthilfefreundlichkeit.de).

Trojan A, Bellwinkel M, Bobzien M, Kofahl C, Nickel S (Hg.) (2012) Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen. Wie sich selbsthilfebezogene Patientenorientierung systematisch entwickeln und verankern lässt. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW
ARGE Selbsthilfe Österreich (Hg.) (2014) „Selbsthilfefreundlichkeit“ mit gesicherter Qualität. Deutschland setzt bundesweit Impulse. SELBSTHILFE konkret 2:7-8

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heiQ - Schwarze


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Validierung und Normierung des Fragebogens zur Partizipativen Entscheidungsfindung (PEF-FB) bei chronischen Erkrankungen

Leitung: Prof. Dr. Dr. Martin Härter, Dipl. Psych., PD Dr. Jörg Dirmaier, Dipl. Psych.

Fragestellung: Das primäre Ziel des Projektes war, den Fragebogen zur Partizipativen Entscheidungsfindung (PEF-FB-9) zu validieren und dadurch erstmalig einen psychometrisch getesteten Fragebogen für die Erfassung von Partizipativer Entscheidung (PEF) zur Verfügung zu stellen. Es wurde ein mindestens mittelstarker positiver Zusammenhang (Spearman’s Rho ≥ 0,5) zwischen dem PEF-FB-9 und dem externen Kriterium (OPTION) erwartet. Ein weiteres Ziel des Projektes war die Normierung der Testwerte des Fragebogens zur Partizipativen Entscheidungsfindung (PEF-FB-9). Aufgrund bisheriger Forschungsergebnisse wurde erwartet, dass Patientenmerkmale wie Geschlecht, Alter, Bildungsstand und Erkrankung einen Einfluss auf die Ausprägung des PEF-Prozesses haben. Ein weiteres Projektziel bestand darin, die bestehende Version des PEF-FB-9 zu einer Arztversion zu adaptieren (PEF-FB-Doc) und diese hinsichtlich Reliabilität und faktorieller Validität zu überprüfen.

Ergebnis:
Insgesamt konnten N=29 Ärzte für die Studienteilnahme gewonnen werden, die ihrerseits N=324 Patienten einschlossen, davon N=63 mit auswertbaren Audioaufnahmen. Der Zusammenhang zwischen den Summenwerten der beiden Instrumente war mit einer Spearman Korrelation von r=.19 schwach und erreichte knapp keine statistische Signifikanz (p=.069). Es wurden Normwerte für die Gesamtstichprobe (N=301) erstellt. Zudem wurden getrennte Normwerttabellen für Patienten mit unterschiedlichem Bildungsniveau erstellt, da diese sich in der Verteilung signifikant unterschieden. Der PEF-FB-Doc wies eine gute Akzeptanz durch die Ärzte auf. Die Berechnung der internen Konsistenz ergab einen Cronbach’s α von 0.88. Die konfirmatorische Faktorenanalyse bestätigte die eindimensionale Struktur des Konstruktes.

Bedeutung für die Praxis:
Aktuelle Studien im Bereich Patientenbeteiligung und Arzt-Patienten-Kommunikation zeigen ähnlich divergente Sichtweisen von Patienten und Experten. Der PEF-FB-Doc weist insgesamt gute psychometrische Eigenschaften auf und ermöglicht, in Kombination mit dem PEF-FB-9, in weiteren Studien die Sichtweisen von Arzt und Patient auf den Entscheidungsprozess zu vergleichen.  Die Instrumente können in Zukunft zur Qualitätssicherung und Evaluation eingesetzt werden. Das Interesse spiegelt sich in zahlreichen Anfragen nationaler und internationaler Forschungsgruppen (aktuell Übersetzungen in 17 Sprachen), die die Instrumente in ihren Studien einsetzen wollen, wider. Somit werden die Instrumente verbreitet und es besteht die Möglichkeit, dass auch andere Forschergruppen sich weiterhin mit der noch offenen Frage der konvergenten Validierung befassen. Zudem können die Instrumente in zukünftigen eigenen Forschungsprojekten zum Einsatz kommen.

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RESPECT - In der Schmitten


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Phase zwei: Modul eins: Forschungsvorhaben zur sektorenübergreifenden Versorgung

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen – mehr als eine Entzündung des Darmes: Somatische und psychosoziale Problemfelder und ihre Versorgung im Fokus von Patienten-Informationen (PROCED)

Leitung: Prof. Dr. med. Dr. phil. Heiner Raspe; Dr. phil. Angelika Hüppe

Fragestellung: Patientinnen und Patienten mit Morbus Crohn (MC) oder Colitis ulcerosa (CU) werden je nach Schwere des chronischen Krankheitsverlaufs mit unterschiedlichen körperlichen, psychischen und sozialen Problemen konfrontiert. Um eine umfassende patientenorientierte Versorgung zu gewährleisten, empfehlen evidenzbasierte und konsentierte CED-Versorgungspfade ein regelmäßiges systematisches Problem-Assessment. Dies ermöglicht die Erfassung und Berücksichtigung des gesamten Spektrums der Problembelastung der Betroffenen und unterstützt die Suche nach geeigneten und problemorientierten Versorgungsangeboten. Durch individualisierte Versorgungsempfehlungen sollen die Betroffenen angeregt werden, sich intensiver an der Planung und Organisation ihrer eigenen Versorgung zu beteiligen. Die PROCED-Studie sollte die Wirksamkeit und den Nutzen dieses patientenorientierten Versorgungsansatzes in einer randomisierten, kontrollierten Studie (RCT) konfirmatorisch prüfen.

Ergebnis:
514 Versicherte der Techniker Krankenkasse mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa nahmen am RCT teil. Die Teilnehmer der Interventionsgruppe (IG) erhielten auf der Basis der ersten Befragung eine schriftliche Rückmeldung über ihr persönliches Problemprofil zusammen mit individualisierten Versorgungsempfehlungen, die Kontrollgruppe (KG) blieb unbeeinflusst. Nach 12 Monaten zeigte sich in allen drei primären Zielgrößen (gesundheitsbezogenen Lebensqualität, Einschränkung der Teilhabe, Anzahl von Einschränkungstagen) eine signifikante Überlegenheit der IG. Die IG berichtete zudem signifikant weniger ambulante Facharztarztkontakte in den letzten 12 Monaten, weniger krankheitsbedingte Probleme und bessere Werte in den erfassten Selbstmanagement-Kompetenzen als die KG. Keine Unterschiede fanden sich für die Anzahl an Krankenhaus- sowie AU-Tagen und -fällen, die Nutzung von nichtmedizinischen Beratungs- und Behandlungsangeboten sowie in der Inanspruchnahme von Rehabilitationsmaßnahmen.

Verwertung:
Der in PROCED eingesetzte Assessment-Fragebogen, der 22 somatische und psychosoziale Problemfelder erfasst, erweist sich als praktikables Instrument zur Feststellung des individuellen Problemprofils. Wirksamkeit und Nutzen konnten erfolgreich evaluiert werden. Seit dem Projektende steht kostenfrei eine Online-Version zur Verfügung. Über den Link „www.ced-aktiv-werden.de“ kann der Fragebogen anonym von Betroffenen bearbeitet werden. Mit dem Ausfüllen wird automatisch ein individuelles Problemprofil erstellt und mit möglichen Behandlungs- und Beratungsangeboten verknüpft entsprechend der Empfehlungen der CED - Versorgungspfade. Die Auswertung kann auch ausgedruckt werden. Den Betroffenen wird so ermöglicht, sich auf der Basis der problemorientierter Informationen aktiv in die eigene Versorgung einzubringen.

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MyMKT - Moritz


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OTF-D - Berking


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STEM - Gaebel


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krankheitserfahrungen.de - Lucius-Hoene


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PACED - Faller


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Cardiac Rehabilitation Outcome Prevention II - CARO-PRE-II

Leitung: Prof. Dr. Karla Spyra

Fragestellung: Es sollte eine sektorenübergreifende geschlechtsspezifische Intervention entwickelt und auf Wirksamkeit überprüft werden, die mithilfe von Zielvereinbarungen und einer Zielkontrolle nach kardiologischer Rehabilitation ein nachhaltiges Gesundheitsverhalten in der Phase-III-Rehabilitation initiieren und verstetigen soll. Es war die Frage zu beantworten, ob die Vereinbarung von Zielen innerhalb eines ärztlichen Entlassungsgespräches am Ende der Rehabilitationsmaßnahme und die Kontrolle der vereinbarten Ziele durch ein Gespräch mit einem Therapeuten oder Arzt drei Monate nach Beendigung der Rehabilitation einen positiven Einfluss auf das Gesundheitsverhalten und auf Outcome-Parameter für physiologische Schutz- und Risikofaktoren hat.

Ergebnis:
Die Auswertung der Interviews, die innerhalb der qualitativen Studienphase mit Patienten und Experten geführt wurden, legte einen Unterstützungsbedarf bei weiblichen Rehabilitanden hinsichtlich ihrer körperlichen Aktivität und bei männlichen Rehabilitanden einer gesünderen Ernährungsweise nahe. Bei der Analyse des quantitativen Studienteils konnte weder für die primären Zielgrößen für das Gesundheitsverhalten (Bewegung, Ernährung, Tabakkonsum) noch für die sekundären Outcome-Parameter (physiologische Schutz- und Risikofaktoren) Interventionseffekte nachgewiesen werden. In Subgruppenanalysen zeigten sich positive Effekte bei berufstätigen Frauen und stationären Patienten, wobei sich die Teilnahme an einer Herzgruppe günstig auf die körperliche Aktivität im Alltag auswirkte. Von den nicht-Berufstätigen verbesserten männliche sowie ambulant behandelte Patienten ihr Bewegungsverhalten.

Verwertung:
Die Hinweise für die positiven Effekte im Bereich des Bewegungsverhaltens reichen für eine Empfehlung, Elemente der Interventionsmaßnahme in den Praxisalltag zu integrieren, nicht aus. Hierfür ist weitere Forschung, insbesondere zu den genderspezifischen Aspekten, notwendig.

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Phase zwei: Modul zwei: Forschungsvorhaben zur rehabilitativen Versorgung

NaKo - Watzke


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Entwicklung und Evaluation einer Patientenschulung zur Förderung der Gesundheitskompetenz von chronisch Kranken (GEKO)

Leitung: Prof. Dr. Erik Farin-Glattacker

Fragestellung:
Das primäre Ziel des Projekts war  die Entwicklung und Evaluation einer Patientenschulung zur Förderung der Gesundheitskompetenz von chronisch Kranken, die im Vorfeld bzw. parallel zu anderen Patientenschulungen in der Rehabilitation durchgeführt werden kann. Die Schulung sollte sich insbesondere an Personen mit geringer Gesundheitskompetenz richten.
Als sekundäre Ziele sollten Patienten-Fragebogen entwickelt und psychometrisch geprüft werden, mit denen die von den Rehabilitanden wahrgenommene schulungsbezogene Gesundheitskompetenz und die Passung von Schulungsanforderungen zur eigenen Gesundheitskompetenz erfasst werden können.

Ergebnis: Aufbauend auf den Ergebnissen von Fokusgruppenbefragungen wurde die Patientenschulung „Aktiv in der Reha“ entwickelt. Die Bewertung der Schulungsmodule durch die Teilnehmer lag im guten bis sehr guten Bereich lag. Kurzfristig (am Ende der Rehabilitation) schneidet die Interventionsgruppe bei 16 von 21 Outcome-Variablen besser ab (darunter in vier Fällen statistisch signifikant besser). Drei Monate nach der Rehabilitation sind bei der Interventionsgruppe sogar bei 19 von 21 Outcome-Variablen (darunter in drei Fällen statistisch signifikant) bessere Ergebnisse feststellbar. Außerdem wurden zwei Fragebogen zur Erfassung der wahrgenommenen Verständlichkeit von Patientenschulungen (COHEP) sowie die von den Rehabilitanden wahrgenommene schulungsbezogene Gesundheitskompetenz (HELP) entwickelt und psychometrisch getestet.

Bedeutung für die Praxis:
Sowohl die Fragebögen als auch die Patientenschulung können mithilfe eines Formulars kostenfrei als pdf angefordert werden. Das Manual wurde bereits über 80-mal versandt.
Die Tatsache, dass in der Schulung das Thema "Kompetentes Kommunikationsverhalten gegenüber den Behandlern" besonders gute Bewertungen erhielt, hat dazu geführt, das für dieses Thema eine eigenständige Schulung (Patientenschulung für Kommunikationskompetenzen in Arztgesprächen - KOKOS) entwickelt wurde (s. Projekt KOKOPA). Diese Schulung wird seitdem mehrmals im Jahr im Rahmen von Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen durchgeführt.

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Entwicklung und Evaluation eines Konzepts zur patientenorientierten Teamentwicklung in Rehabilitationskliniken (PATENT)

Leitung: PD Dr. Mirjam Körner, Universität Freiburg

Fragestellung: In der medizinischen Rehabilitation besteht, wie auch in den anderen Bereichen der medizinischen Versorgung, die Notwendigkeit, aus dem bislang arztorientierten System ein patientenorientiertes System zu entwickeln. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen fordert 2007 durch eine Orientierung am Ablauf der Behandlung der Patienten neue Kooperationsformen und eine bessere Integration der Behandlungsbausteine. Im Memorandum Kooperation der Gesundheitsberufe (Robert Bosch Stiftung, 2010) wird eine Neuausrichtung des Versorgungsprozesses an der Patientenperspektive gefordert. Interprofessionelle Teamarbeit stellt hier insbesondere in der medizinischen Rehabilitation ein Qualitätsmerkmal dar. Um sowohl die interprofessionelle Teamarbeit als auch die Patientenorientierung in Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation zu stärken, war Ziel der Studie die Entwicklung, Implementierung und Evaluation eines Konzepts zur patientenorientierten Teamentwicklung.

Ergebnis:
Es wurde eine cluster- randomisierte kontrollierte Studie in 5 Interventions- und 5 Kontrollkliniken verschiedener Indikationsbereiche durchgeführt. Drei der fünf Interventionskliniken zeigten in der Prozessevaluation positive bis sehr positive Ergebnisse. Die fehlenden Effekte der Teamentwicklung in zwei Kliniken ließen sich durch bestehende, strukturelle Konflikte in einer Klinik, die durch das vorliegende Konzept nicht bearbeitet werden können, sowie mangelnden Bedarf an Teamentwicklung in der anderen Klinik erklären. Die Ergebnisevaluation (prä n= 306 post n= 226) zeigte aus Sicht der Mitarbeiter eine Verbesserung der Teamorganisation, Wissensintegration und Verantwortungsübernahme im Vergleich zu Kliniken, die keine Intervention erhielten.

Verwertung:
Das Projekt PATENT wurde von der Prognos AG bezüglich der Umsetzung der Projektergebnisse in die Praxis bzw. des Transfers der Intervention in das Gesundheitsversorgungssystem unterstützt. Für die Verbreitung des Ansatzes in weiteren Rehabilitationskliniken wurde ein Flyer zum Teamentwicklungskonzept entwickelt. Für eine nachhaltige Dissemination in die Praxis wurde ein Manual erstellt und ein Trainingskonzept zum Teamentwicklungsansatz wird aktuell konzipiert, welches in einer Folgestudie evaluiert werden soll. Insbesondere zeigte sich die Relevanz der detaillierten Auftragsklärung für den Erfolg der Teamentwicklungsmaßnahme. Die Frage nach den Wirkmechanismen, welche erfolgreiche und nicht erfolgreiche Prozesse unterscheiden, soll ebenso in der Folgestudie beantwortet werden und ist zentral für eine gezielte Umsetzung in die Praxis.

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Förderung der Selbstregulation von Patientinnen und Patienten mit chronischen Krankheiten (SELF)

Leitung: Dr. Manuela Glattacker

Fragestellung: Ziel der Studie war es, auf der Basis der zentralen kognitiven Aspekte des Common Sense-Selbstregulationsmodells (CSM) Ansatzpunkte zur Förderung der Selbstregulation von Rehabilitanden zu erarbeiten und darauf die vom Behandler zu vermittelnden Informationen über Krankheit und Behandlung abzustimmen. Die primären Hypothesen waren, dass (1) auf Basis des CSM (sowie basierend auf der Basis-Intervention SubKon) Interventionsmodule entwickelt werden können, die patienten- und behandlerseitig auf Akzeptanz stoßen und (2) dass Voraussetzungen für eine machbare Implementation der Intervention herausgearbeitet werden können.

Ergebnis: Die Interventionsmodule aus dem Vorgängerprojekt SubKon wurden in einem mehrstufigen Prozess theoriekonform weiterentwickelt. Durch die Ergebnisse von Literaturrecherchen und Expertengruppen konnten entscheidende Hinweise für die Weiterentwicklung gewonnen werden. Das Konzept der weiterentwickelten SELF-Intervention wurde in einem frei zugänglichen Interventionsmanual detailliert beschrieben. Die Intervention wurde in vier Kliniken implementiert. Aus der qualitativen und quantitativen Evaluation der Intervention liegen vielfältige Hinweise zur Implementation, Machbarkeit und Akzeptanz der Intervention vor.

Bedeutung für die Praxis: Bzgl. der Implementation waren drei Aspekte zentral: 1) Implementationsbarrieren auf organisationaler Ebene konnten erfolgreich adressiert werden; 2) Implementationsbarrieren auf persönlicher Ebene spielen eine wichtige Rolle und sollten stärker berücksichtigt werden; 3) Implementationsbarrieren beeinflussen die Nutzeneinschätzung und die Akzeptanz der Intervention. Diese Aspekte sind ggf. projektübergreifend von Relevanz und können wichtige Hinweise für die Implementation patientenorientierter Interventionen geben.

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Gestufte bewegungsorientierte Rehabilitation und Nachsorge bei Patienten mit entzündlichen und nicht-entzündlichen Erkrankungen des Bewegungssystems/boRN


Leitung: Prof. Dr. med. Wilfried Mau

Fragestellung: In dieser Interventionsstudie wurden Rehabilitanden mit chronischen Polyarthritiden, Spondyloarthritiden oder chronischen Rückenschmerzen anhand einer gruppenbasierten Testbatterie der körperlichen Leistungsfähigkeit zu Reha-Beginn einer von zwei leistungsgestuften Trainingsgruppen zugewiesen (IG1 - moderat und IG2 - intensiv). Nach Abschluss der Rehabilitation erhielten sie regelmäßige Nachsorgeimpulse über ein selbst gewähltes Medium (E-Mail, SMS, Anruf oder Brief). Die Kontrollgruppe (KG) erhielt die Standardrehabilitation. Frage: Kann diese intensive, funktionsorientierte und diagnoseübergreifende Intervention die körperliche und psychische Gesundheit, die körperliche Aktivität und Bewegungsmotivation sowie den sozialmedizinischen Verlauf der Patienten langfristig steigern?

Ergebnis: Die gruppenbasierte Testbatterie zur Einschätzung der individuellen Leistungsfähigkeit wurde von den Therapeuten und Studienteilnehmern ebenso positiv bewertet wie die leistungsgestuften Trainingsgruppen während der 3-wöchigen Rehabilitation. Die Hälfte der Teilnehmer entschied sich für Nachsorgeimpulse mittels neuer (E-Mail, SMS) bzw. klassischer Medien (Anruf, Brief). Am Reha-Ende zeigten sich die typischen Verbesserungen aller Rehabilitanden im Vergleich zu Reha-Beginn. Die KG berichtete etwas stärkere Verbesserungen hinsichtlich Schmerzen, Fatigue und Selbstwirksamkeit. Ein Jahr nach Reha-Ende blieben die gesundheitsbezogenen Verbesserungen aller Studienteilnehmer größtenteils bestehen. Die KG berichtete - bei schwächerer Ausgangslage - eine etwas stärkere Zunahme ihrer Sportaktivitäten als die IG.

Bedeutung für die Praxis: Die Ergebnisse der Studie belegen die Machbarkeit und Akzeptanz einer intensiven bewegungsorientierten, diagnoseübergreifenden Intervention während 3-wöchiger Rehabilitation. Hinsichtlich der verschiedenen Zielgrößen konnte kein Vorteil der Intervention gegenüber der ohnehin komplexen muskuloskelettalen Standardrehabilitation belegt werden. Für die Testbatterie konnte jedoch ein Mehrwert bzgl. der Beurteilung der individuellen körperlichen Leistungsfähigkeit gegenüber dem alleinigen Arzturteil in der Anamnese belegt werden. Dieser Gruppentest kann u.a. als Qualitätssicherungsinstrument innerhalb einer Klinik oder klinikübergreifend eingesetzt werden. Zur Realisierung der Nachsorgeimpulse wurde eine Nachsorge-App (Android) entwickelt, welche kostenlos unter www.nachsorge-app.de heruntergeladen und flexibel adaptiert werden kann.

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Women@work

Leitung: Dr. Karla Spyra

Fragestellung: Hauptziel des Projektes waren die Entwicklung und Implementierung einer frauenspezifischen berufsorientierten Patientenschulung für erwerbstätige Frauen im Rahmen der orthopädischen Rehabilitation und die Überprüfung ihrer Wirksamkeit im Rahmen einer clusterrandomisierten Studie. Die teilnehmenden Frauen sollten befähigt werden, gesundheitsförderliche Strategien für den Umgang mit ihren Belastungssituationen im Alltag unter besonderer Berücksichtigung von Arbeit-Familie-Konflikten zu entwickeln. Weiterhin wurde im Rahmen des Projektes der Work-Family-Conflict-Questionnaire von Kelloway et al. (1999) ins Deutsche übersetzt, um Konflikte zwischen Familie und Beruf empirisch abbilden zu können. Dieses Instrument wurde innerhalb der schriftlichen Befragungen validiert. Darüber hinaus wurde eine Checkliste zur Erfassung spezifischer Belastungen erwerbstätiger Frauen entwickelt.

Ergebnis:
Das frauenspezifische Stressbewältigungsprogramm zeigte im Vergleich zum Programm der Kontrollgruppe keinen zusätzlichen Nutzen für Arbeitsfähigkeit oder andere erhobene sekundäre Zielkriterien wie z. B. subjektive Gesundheit, Stress, Depression und Angst. Die erarbeitete Checkliste zur Erfassung von Belastungen erwerbstätiger Frauen konnte als ein ökonomisches Instrument zur Erfassung gesundheitsrelevanter erwerbsbezogener sowie familiärer und häuslicher Stressoren bestätigt werden. Gleiches gilt für die deutsche Übersetzung des WFCQ. Zudem konnten wir bestätigen, dass es sich bei der deutschen Version des WFCQ um ein valides Instrument zur Feststellung von Arbeit-Familie-Konflikten handelt. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die mit der Checkliste erhobenen Belastungen und die mit dem WFCQ erfassten Arbeit-Familie-Konflikte für Männer heutzutage nicht gleichermaßen relevant sind.

Verwertung:
Vor dem Hintergrund einer stärkeren Individualisierung der Rehabilitationsangebote kann  die entwickelte Checkliste als Screeninginstrument am Beginn der Rehabilitation zur Verfügung gestellt werden, um individuelle Aussagen der Rehabilitandinnen zu frauenspezifischen Belastungen zu erhalten. Auch die hohe Akzeptanz der Frauen bezüglich des Schulungsprogramms lässt darauf schließen, dass ein solches Angebot sinnvoll sein kann. Jedoch sollte über eine geeignete Nachsorge bzw. Begleitung der Frauen im Anschluss an die Rehabilitation nachgedacht werden. Auch muss man sich bewusst werden, dass nicht alle Ziele individuell umzusetzen sind, da es sich oft um strukturelle Probleme handelt, die wahrscheinlich nur durch eine gezielte Verbesserung der Arbeit-Familie-Kultur in den Betrieben selbst (z. B. Einrichtung von betrieblichen Kindertagesstätten oder einem betrieblichen Gesundheitsmanagement) gelöst werden können.

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Rehabilitationsnachsorge – Optimierung und Transfer des „neuen Credo“

Leitung: PD Dr. Ruth Deck

Fragestellung: Das Projekt beinhaltete drei Teilstudien:
A) Die Überprüfung von Optimierungsmöglichkeiten des Neuen Credo erfolgte durch die Bewertung der eingesetzten Materialien durch die Nutzer; die Frage nach Möglichkeiten einer Flexibilisierung orientierte sich am Ausmaß der gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Wir gehen davon aus, dass für Rehabilitanden mit geringen Beeinträchtigungen eine reduzierte Form des Neuen Credo ausreichend ist, um die Effekte der Reha längerfristig zu verstetigen.
B) Untersuchung der Langzeiteffekte des Neuen Credo 24 Monate nach Reha-Ende durch schriftliche Befragung der Teilnehmer der 12-Monats-Katamnese aus der Primärstudie.
C) Transfer des Neuen Credo in die Psychosomatik. In einer Feasibility-Studie wurden Praktikabilität und Akzeptanz des Neuen Credo überprüft. Eine historische Vergleichsgruppe ermöglicht die näherungsweise Einschätzung der Wirksamkeit des Neuen Credo bei dieser Indikation.

Ergebnis:
A) Rehabilitanden und Klinikmitarbeiter waren insgesamt mit den Materialien und der Umsetzbarkeit sehr zufrieden. Flexibilisierung: Die Analysen ergaben, dass eine Reduktion des Neuen Credo für Personen mit geringen Beeinträchtigungen mit keinen Nachteilen verbunden ist.
B) Längsschnittanalyse: Bei einem der primären Zielgrößen konnte auch nach 24 Monaten ein Vorteil für die IG nachgewiesen werden. Bei den sekundären Zielvariablen ergaben sich - von einzelnen Ausnahmen abgesehen - keine signifikanten Unterschiede mehr zwischen IG und KG. Allerdings treiben die Probanden der IG nach 24 Monaten immer noch signifikant mehr Ausdauersport als die der KG.
C) Transfer: Das Neue Credo ist auch in der Psychosomatik praktikabel und wird gut angenommen. Beim Vergleich mit einer „historischen“ Vergleichsgruppe zeigte sich auf Ebene der Intragruppeneffekte ein deutlicher Vorteil zugunsten der Credo-Gruppe.  Multivariat ergaben sich signifikante Interaktionseffekte hinsichtlich der Lebensqualität.

Bedeutung für die Praxis:
Das Neue Credo wurde gemeinsam mit Klinikern und Therapeuten entwickelt und erreicht nicht zuletzt aus diesem Grund eine große Praxisnähe und Akzeptanz. Das Neue Credo ist weder an eine Indikation, noch an einen Standort gebunden. Jede Reha-Einrichtung kann das Konzept nutzen. Es stehen umfangreiche Informationsmaterialien und Tools zur Verfügung, die bei Bedarf angefordert werden können. Im Rahmen eines aktuell laufenden Projekts wird ein umfassendes Manual erstellt.
Die übergeordneten Reha-Ziele – Stärkung der Eigenverantwortung, Förderung von Bewegung – lassen sich mit dem Neuen Credo leichter und nachhaltiger vermitteln. Die Langzeiteffekte bei unterschiedlichen Indikationen sind überzeugend. Ein wichtiger Baustein des Langzeiterfolgs ist die Begleitung durch einen Nachsorgebeauftragten der Klinik. Um diese umfassende Nachsorgestrategie jedoch in den Reha-Alltag zu integrieren, müssten die Zusatzleistungen eines Nachsorgebeauftragten finanziert werden.

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Patientenorientierte Schulungspraxis in der orthopädischen Rehabilitation durch Dissemination eines evaluierten Schulungsprogramms/DissPatSchu

Leitung: Dr. Karin Meng

Fragestellung: Ziel des Projektes ist (A) die Prüfung der Wirksamkeit und Kosten von Implementierungsstrategien zur Dissemination eines Schulungsprogramms „Curriculum Rückenschule“ (implementation effectiveness) sowie (B) die Evaluation der Schulungswirksamkeit in der Routineanwendung (effectiveness) in Bezug auf eine patientenorientierte Schulungspraxis, den Patientenoutcome sowie die Kosteneffektivität (efficiency). Folgende Hauptfragestellungen werden mittels Effectiveness-Studie (B) mit integrierter Disseminationsstudie (A) bearbeitet:
(A) Mit welcher Implementierungsintervention – Train-the-Trainer-Seminar oder Implementierungsleitfaden zum Manual – kann eine bessere Umsetzung der Rückenschulung in Bezug auf Manualinhalte und patientenorientierte Didaktik erreicht werden?
(B) Können nach Dissemination einer standardisierten Schulung in die Routineanwendung bessere Schulungseffekte kurz-, mittel- und langfristig nach der Rehabilitation erzielt werden?

Ergebnis:
(A) Insgesamt konnte gezeigt werden, dass einige Vorteile für ein interaktives Train-the-Trainer Seminar im Vergleich zu einem schriftlichen Leitfaden bestehen. Die strukturelle Schulungseinführung konnte insgesamt als erfolgreich bewertet werden, auch wenn Anpassungsmöglichkeiten genutzt wurden, um strukturelle Barrieren zu überwinden und die Akzeptanz zu erhöhen.
(B) Trotz heterogener Routineanwendung konnten in den Wirksamkeitsanalysen Interventionseffekte der neu eingeführten Rückenschulung im kurz-, mittel- und langfristigen Patientenergebnis hinsichtlich einiger primärer und sekundärer Zielparameter nachgewiesen werden. Insgesamt kann daher eine weitere Dissemination des Programms empfohlen werden. Ähnliche Ergebnisse sind für andere Schulungsprogramme anzunehmen, müssten aber im Einzelfall geprüft werden.

Bedeutung für die Praxis:
Die entwickelten Implementierungsinterventionen können zur weiteren Programmdissemination bzw. zur Schulungsleiterfortbildung in der orthopädischen Rehabilitation genutzt werden. Seit 2015 wird ein modifiziertes Train-the-Trainer-Seminar zum Curriculum Rückenschule über die Fortbildungsreihe der DRV Bund und den Verein Zentrum Patientenschulung angeboten. Der Leitfaden wurde als ergänzendes Material zum Schulungsmanual auf der Internetseite des „Curriculum Rückenschule“ eingestellt und steht zur freien Verfügung.
Ergebnisse zu den explorierten strukturellen und individuellen Implementierungsfaktoren können auch für die Implementation anderer Schulungsprogramme genutzt werden. Diese wurden beispielsweise bei der Konzeption weiterer TTT-Angebote berücksichtigt.

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VMO VBT - Pfeifer


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Vorbereitung auf die Reha: Was wissen die Rehabilitanden über die Rehabilitation? Kenntnisstand, Zugangswege und Optimierungsstrategien

Leitung: Jürgen Höder, Ruth Deck

Fragestellung: Wer sich medizinischen Maßnahmen aussetzt, hat einen Anspruch darauf, über Inhalt, Ablauf und Folgen dieser Maßnahmen zutreffend und verständlich informiert zu werden. Wir untersuchten in 4 Teilstudien, wie weit dieser Anspruch in der Rehabilitation bei muskuloskelettalen Erkrankungen erfüllt wird und welche Auswirkungen Verbesserungsversuche haben. Studie 1 untersuchte, was Rehabilitanden  nach eigener Auffassung und nach Ansicht von Experten vor Antritt einer medizinischen Rehabilitation wissen sollten. Studie 2 recherchierte, welche Informationsquellen das in Studie 1 geforderte Wissen zur Verfügung stellen und ob diese Quellen leicht erreichbar und verstehbar sind.
Studie 3 fragte die Betroffenen, welche Informationsquellen sie tatsächlich benutzt haben und wie sie deren Nutzen bewerten. Studie 4 stellte neues, verbessertes Informationsmaterial vor und prüft, welche Auswirkungen es auf das Wissen, die Rehaziele, die Nachsorgeaktivitäten und den selbsteingeschätzten Rehaerfolg hat.

Ergebnis:
Jeweils etwa 30 Prozent bezogen Informationen von der DRV und vom Hausarzt. Die Hausarztinformationen waren allerdings sehr knapp und nicht immer sinnvoll. 65 Prozent konnten sich an keine einzige erhaltene Information erinnern. Es existieren auch objektiv nur wenige Informationsquellen, in der Regel sind sie schwer erreichbar oder von geringem Nutzen oder für Nichtabiturienten schwerverständlich. In einem Wissenstest beantworteten die Rehabilitanden etwa die Hälfte aller Fragen richtig (Ratewahrscheinlichkeit 25 %). Die im Freitext angegebenen Rehaziele waren vage. Selbstentwickeltes, vor Rehabeginn verschicktes Informationsmaterial (Broschüre, Internetseite vor-der-reha.de mit Texten und Videos mit Rehabilitanden und Experten) wurde von Rehabilitanden positiv bewertet, aber nur von 50 Prozent gelesen, 30 Prozent besuchten die Internetseite. Das neue Informationsmaterial hatte jedoch in einer kontrollierten Studie im Vergleich zum herkömmlichen Material keine besseren Auswirkungen.

Bedeutung für die Praxis:
Das Informationsmaterial der Leistungsträger muss inhaltlich mehr an die Bedürfnisse der Versicherten angepasst und verständlicher formuliert werden. Die Information sollte vor Antragstellung erfolgen, nicht danach. Schriftliche Informationen sind für die meisten Rehabilitanden nicht ausreichend. Eine wirklich gute Vorbereitung ist ohne mündliche Information und Beratung nicht zu haben. Niedergelassene Ärzte sind dazu im Allgemeinen nicht in der Lage. Es wäre zu überlegen, wie Reha-Servicestellen oder Rehaeinrichtungen eine mündliche Information, eventuell auch als Gruppenveranstaltung, organisieren könnten. Auf solche Veranstaltungen könnte ein von den Trägern entwickelter Flyer hinweisen, der von den niedergelassenen Ärzten bei Bedarf ausgegeben wird.

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YOUTH - Warschburger


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Phase zwei: Modul drei: Forschungsvorhaben zur gesundheitlichen Versorgung

BILANZ - Abholz


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Depressionsscreening mit gezielter Patientenrückmeldung bei kardiologischen Patienten: Eine randomisierte kontrollierte Untersuchung (DEPSCREEN-INFO)

Leitung:  Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Bernd Löwe (Leitung), Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Sebastian Kohlmann (Stellvertreter)

Fragestellung: Internationale Behandlungsleitlinien empfehlen ein Screening auf depressive Störungen u.a. bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung (KHK). Wissenschaftliche Ergebnisse für diese Empfehlung fehlen bisher. Die DEPSCREEN-INFO Studie testet die differenzielle Wirksamkeit zweier verschiedener Methoden des Depressions-Screenings.
Aus drei kardiologischen Behandlungsorten wurden Patienten mit KHK oder Arterieller Hypertonie rekrutiert, randomisiert und mit dem Patient Health Questionnaire-9 (PHQ-9) auf Depression gescreent (PHQ-9 ≥ 10 Punkte).  Im Vergleich zur Kontrollgruppe, wo nur die Behandler eine spezifische schriftliche Rückmeldung zum Depressions-Screening bekamen, erhielten in der Interventionsgruppe sowohl die Behandler wie auch die Patienten schriftliche Rückmeldungen. Die Änderung der Depressionsschwere (PHQ-9) wurde 1 Monat (primäres Outcome) und 6 Monate nach dem Depressionsscreening gemessen.

Ergebnis: Depressive Patienten der Kontrollgruppe (n=220) und der Interventionsgruppe (n=155) unterschieden sich nicht in Bezug auf ihre Depressionsschwere 1 Monat nach dem Depressionsscreening; 6 Monate nach dem Screening zeigte sich in der Interventionsgruppe jedoch eine signifikante Verbesserung der Depressionsstärke im Vergleich zur Kontrollgruppe (ES=0,26; p=0,04). Die Interventionsgruppe informierte sich doppelt so häufig über das Thema Depression wie die Kontrollgruppe (23,9% vs. 12,5%; OR=2,2; 95%-KI=1,1-4,5). Hinsichtlich medizinischer Inanspruchnahme zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen.
Die Ergebnisse sind im British Journal of Psychiatry publiziert: Löwe, Bernd, et al. Depression screening with patient-targeted feedback in cardiology: DEPSCREEN-INFO randomised clinical trial. The British Journal of Psychiatry (2017) 210, 132–139. doi: 10.1192/bjp.bp.116.184168.

Bedeutung für die Praxis: Eine kurze schriftliche Rückmeldung des Depressions-Screening-Ergebnisses an die Betroffenen hat nach 6 Monaten einen kleinen signifikanten Effekt auf die Depressivität. Die Effektstärke der Verbesserungen in der Depressionsstärke ist vergleichbar zu wesentlich intensiveren psychotherapeutischen und pharmakologischen Behandlungen bei Depressionen von kardiologischen Patienten. Dieser Effekt könnte dadurch erklärbar sein, dass Patienten durch die gezielte Rückmeldung in die Lage versetzt werden, eine aktivere Rolle beim Selbst-Management der depressiven Störung einzunehmen.

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Evaluation eines Shared Decision Making Trainings für Patienten mit schizophrenen Erkrankungen

Leitung: Prof. Dr. Johannes Hamann

Fragestellung: Eine vermehrte Einbeziehung in therapeutische Entscheidungen wird insbesondere für die Behandlung psychiatrischer Patienten gefordert. Zum einen sind hier die Langzeitergebnisse aufgrund von Non-Adherence immer noch unbefriedigend, zum anderen leidet diese Patientengruppe besonders unter Druck oder Bevormundung von Arztseite. Schließlich fällt es Patienten mit psychischen Erkrankungen krankheitsbedingt oft schwer, ihre Partizipationsbedürfnisse gegenüber ihren Ärzten zu artikulieren und sich aktiv in den Entscheidungsprozess einzubringen.
Wenn diese Patienten in einen partizipativen Entscheidungsprozess eingebunden werden sollen, müssen ihre Defizite berücksichtigt werden und die Patienten direkt für den partizipativen Entscheidungsprozess motiviert und vorbereitet werden.
Ziel des vorliegenden Projektes war es, ein Shared Decision Making-Trainingsprogramm für Patienten mit Schizophrenie im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Untersuchung zu evaluieren.

Ergebnis:
Die Interventionsmaßnahme beeinflusste sowohl die Einstellungen, als auch das Verhalten der Patienten hin zu mehr Partizipation. So zeigten Patienten der Interventionsgruppe nach der Teilnahme an dem SDM-Training signifikant ausgeprägtere Partizipationspräferenzen als Patienten der Kontrollgruppe. Nach dem Urteil der behandelnden Psychiater zeigt sich dies auch im Verhalten in Arztgesprächen bzw. Visiten, in denen Patienten der Interventionsgruppe häufiger nach Behandlungsalternativen fragten und sich öfter mithilfe von "Spickzetteln" auf Arztgespräche vorbereitet hatten.
Die Daten der 6- und 12-Monatskatamnesen zeigten keine Langzeiteffekte u.a. im Sinne einer Verbesserung der Adherence.

Bedeutung für die Praxis:
Die untersuchte Intervention hat sich als akut wirksam in Hinblick auf Aktivierung der Patienten erwiesen. Es kann (und wird) als Bestandteil komplexer Interventionen zur Verbesserung der partizipativen Entscheidungsfindung eingesetzt werden.

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Förderung der Gesundheitsversorgungs-Kompetenz. ... - Schmidt


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HOMECIMT - Barzel


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Kultursensitive Patienteninformationen für Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund und einer chronischen Erkrankung KULTINFO

Leitung: Dr. L. P. Hölzel, Universitätsklinikum Freiburg

Fragestellung: Es wurden kultursensitive Patienteninformationen (PIM) für Patienten mit Migrationshintergrund und einer chronischen Erkrankung entwickelt und im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Studie evaluiert. Dabei wurde geprüft, ob kultursensitive PIM einen höheren subjektiven Nutzen als standardübersetzte PIM haben.

Ergebnis: An der Studie haben 37 Arztpraxen teilgenommen. Es wurden 503 Patienten rekrutiert; davon 435 wurden randomisiert; 317 schickten Fragebogen zum ersten Befragungszeitpunkt zu, davon wurden 309 ausgewertet. Unmittelbar nach der Nutzung der PIM war der subjektive Nutzen (erfasst mit Usefulness Scale of Patient Education Material (USE)) in der Interventionsgruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe (einseitiger t=1.708 sowie p=0.04). Der Interventionseffekt war bei Menschen mit einem niedrigen Akkulturationsgrad deutlich größer als bei Menschen mit einem hohen Akkulturationsgrad (p=0.005).
Die Ergebnisse der Ärztebefragung weisen auf eine gute Akzeptanz der PIM durch die Ärzte hin. Zudem erleichtern PIM aus Sicht der Ärzte die Interkation mit den Patienten und führen zu einer Arbeitsentlastung. Als ein Nebenergebnis der Studie wurde ein Instrument zur Messung des subjektiven Nutzens von PIM (USE, Hölzel et al, 2015) entwickelt und erfolgreich an 120 stationären Patienten validiert.

Bedeutung für die Praxis: Die Ergebnisse der Hauptstudie haben gezeigt, dass kultursensitive PIM einen höheren subjektiven Nutzen aus Sicht des Patienten als standardübersetzte PIM haben. Dies spricht für die kulturelle Adaptation der PIM. Ärzte sollten kultursensitive PIM in der Behandlung von Patienten mit Migrationshintergrund einbeziehen. Menschen mit einem niedrigeren Akkulturationsgrad könnten hiervon besonders stark profitieren. Kultursensitive Versionen der PIM zu zwei Erkrankungen (Depression, chronischer nichtspezifischer Kreuzschmerz) in jeweils vier Sprachen (Italienisch, Polnisch, Russisch, Türkisch) wurden auf die Internetseite des Universitätsklinikums Freiburg (www.uniklinik-freiburg.de/psych/broschuere) gestellt und sind frei zugänglich. Durch das entwickelte und validierte Instrument zur Erfassung des subjektiven Nutzens kann die Patientenperspektive bei der Evaluation von PIM zukünftig adäquat berücksichtigt werden.

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Phase zwei: Modul vier: Wissenschaftliche Grundlagen der versorgungsnahen Forschung

DIANA - Brenner


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Entwicklung eines Verfahrens zur Beurteilung der Evidenzlage mittels systematischer Gewichtung patientenrelevanter Endpunkte – BEPE

Leitung: Prof. Dr. Stephan Mühlig

Fragestellung: Das Nahziel des Projektes stellte die Ermittlung von patientennahen Therapiezielen innerhalb der Behandlung von bipolaren Störungen dar. Zudem wurden im Projekt konkrete und praktische Behandlungserfahrungen von Patienten und Angehörigen ermittelt und ergründet (u.a. Probleme und Schwierigkeiten in der Therapie, hilfreiche Zusatzangebote).
Fernziel des Projektes war es, die relative Bedeutung von Behandlungszielen aus Betroffenensicht systematisch zu untersuchen. Mittels Patienten-/Expertenbefragung wurde a)  eine mehrstufige Priorisierung sowie b) eine komparative Bewertung der Bedeutsamkeit expertendefinierter und patientenrelevanter Therapieziele in der Therapie bipolarer Störung vorgenommen. Die Einschätzungen wurden mittels eines speziellen statistischen Ansatzes (Conjoint-Analyse) in Gewichtungsfaktoren umgerechnet, sodass ein objektives Maß zur Verfügung stand, um Studien nach Kriterien aus der Perspektive beurteilen zu können.

Ergebnis: Psychotherapie: Ein sehr wichtiges Ziel für die bipolar Betroffenen ist, die eigene Lebensqualität zu erhöhen, sich einen gesunden Lebensrhythmus im Alltag anzueignen und sich mit den Themen Paarbeziehung bzw. Sexualität auseinanderzusetzen. Zusätzlich ist ihnen die Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen sehr wichtig. Den bipolar Betroffenen geht es vor allem um einen optimalen Umgang mit emotionalen Problemen, ein angemessenes Konfliktmanagement, Stressbewältigung sowie um die Förderung ihrer sozialen Kompetenzen. Wichtig ist den bipolar Betroffenen die Mitsprache bei der Zielbestimmung.
Pharmakotherapie: In erster Linie geht es den Patienten um eine Reduktion der Symptomatik und um die akute Wirksamkeit der Therapie. Eine eher untergeordnete Rolle spielt für sie die Wirklatenz. Zudem sehen sie wichtige Therapieziele in einer anhaltenden medikamentösen Wirkung auf Akutsymptome innerhalb manischer und depressiver Episoden, sowie der langfristigen Erhaltung symptomfreier Intervalle.

Bedeutung für die Praxis: Die Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis erfolgte über Kongressbeiträge sowie patientennah formulierte Flyer und Homepages zum Projekt. Die Resonanz von bipolar Betroffenen (vor allem auf dem Kongress der DGBS) war sehr groß und durchweg positiv, da das Projekt explizit die Betroffenenperspektive auf die Therapie fokussiert und dem Betroffenen als „Experte in eigener Sache“ Gehör verschafft. Mit Hilfe dieses Projektes soll die Beurteilungsbasis evidenzbasierter Therapiemethoden auf methodisch stringente Weise um die entscheidende Dimension der Patientenperspektive erweitert und damit ein  Beitrag zur Verbesserung der wissenschaftlichen Grundlagen der versorgungsnahen Forschung geleistet werden, indem evidenzbasierte Therapieentscheidungen nicht mehr ausschließlich nach klinischen/methodischen Gesichtspunkten getroffen werden, sondern bereits in der Aufbereitung der Evidenzlage (Systematische Reviews) die Patientenpräferenzen als Gewichtungsfaktoren explizit einbezogen werden (GRADE).

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SITD - Scherer


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Evaluation von Messdimensionen und patientenrelevanten Indikatoren einer partizipativen Versorgung chronischer Krankheiten“ (EMpati)

Leitung: PD Dr. phil. Jörg Dirmaier, Dipl.-Psych.

Fragestellung: 1. Welche verschiedenen Konstrukte bestehen innerhalb des Konzepts Patientenorientierung und welche Messdimensionen und Endpunkte lassen sich für diese Konstrukte identifizieren?
2. Wie bewerten Patientenvertreter und Experten diese identifizierten Konstrukte, Messdimensionen und Endpunkte?
3. Wie evidenzbasiert sind die patientenrelevanten Endpunkte und lassen sich spezifische Messinstrumente mit ausreichenden Gütekriterien zu identifizieren?
4. Lassen sich expertengestützt Erhebungsstandards zur Messung patientenrelevanter Endpunkte definieren und sind diese im Rahmen der Evaluations- /Versorgungsforschung bzw. als Qualitätsindikatoren im Rahmen von Qualitätssicherungs/-managementsysteme verwendbar?

Ergebnis:
Zunächst wurden mittels einer systematischen Übersichtsarbeit insgesamt 15 Dimensionen der Patientenzentrierung identifiziert. Anschließend wurden die identifizierten Dimensionen durch eine zweistufige Online-Delphi-Befragung bewertet und selektiert.In einer weiteren Phase des Projektes wurden mehrere systematische Übersichtsarbeiten zu Messinstrumenten der TOP 5 Dimensionen durchgeführt. Diese zeigten, dass es international bereits eine Reihe an Messinstrumenten gibt, dass diese allerdings sehr heterogen sind bzgl. der Studiengüte und bzgl. der Güte der psychometrischen Eigenschaften. Zudem wurde ein narratives Meta-Review zur Identifizierung von Übersichtsarbeiten, die Studien zu Zusammenhänge einer patientenzentrierten Dimension mit gesundheitsbezogenen Outcomes zusammenfassen, durchgeführt. Abschließend wurden die Ergebnisse aus den Phasen 1-3 in einem Expertenworkshop mit unterschiedlichen Stakeholdern durchgeführt.

Bedeutung für die Praxis:
Das im Rahmen des Projektes entwickelte integrative Modell der Patientenzentrierung ermöglicht es verschiedenen Akteuren bzgl. des Themas Patientenzentierung eine einheitliche Sprache zu finden. Das entwickelte Modell kann weiterhin genutzt werden, um die Curricula des Medizinstudiums, sowie anderer Studiengänge für Gesundheitsberufe dahingehend zu überarbeiten, dass sie einen klareren Fokus auf Patientenzentrierung enthalten. Insgesamt leisten die Ergebnisse des Projektes einen großen Beitrag zur Klärung des Konstruktes Patientenzentrierung und liefern wichtige Hinweise zu Forschungslücken, v.a. hinsichtlich der Messung und der Evidenzbasierung bestimmter Dimensionen von Patientenzentrierung.
Die Übersichtsarbeiten zu Messinstrumenten zeigen zudem weiteren Forschungsbedarf auf. Die Projektergebnisse können sowohl für weitere Forschung, als auch in der Versorgung, der Aus- und Weiterbildung und für gesundheitspolitische Gremien von Nutzen sein.

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DEBATE - Altiner


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Kommunikationskompetenzen chronisch Kranker im Hinblick auf die Interaktion mit Behandlern (KoKoPa)

Leitung: Prof. Dr. Erik Farin-Glattacker

Fragestellung: Eine zentrale Zielsetzung des Projekts war die Erlangung eines besseren Verständnisses von Kommunikationskompetenzen chronisch Kranker in Patienten-Behandler Gesprächen mithilfe verschiedener Forschungszugänge. Auf den Ergebnissen aufbauend sollte eine Patientenschulung zur Förderung von Kommunikationskompetenzen entwickelt werden.

Ein weiteres Ziel war die Entwicklung und methodische Prüfung eines Messinstrumentes zur Erfassung von patientenseitigen Kommunikationskompetenzen.

Ergebnis:
In Fokusgruppen nannten Patienten eine Vielzahl an kompetenten Verhaltensweisen im Arztgespräch. Darauf aufbauend wurde ein Assessmentinstrument zur Messung von Kommunikationskompetenzen von chronisch kranken Patienten in Arztgesprächen entwickelt und psychometrisch getestet: der KOKO-Fragebogen.  Die Auswertung von aufgezeichneten Erstgesprächen in der Rehabilitation zeigte, dass Patienten sich in der Häufigkeit der Meinungsäußerung stark unterschieden. Obwohl Behandler Meinungsäußerungen von Patienten normalerweise zur Kenntnis nahmen, reagierten sie in den meisten Fällen nicht mit Zustimmung oder Widerspruch. Dies hatte zur Folge, dass die Äußerung von Meinung in diesen Fällen nicht zu einer Diskussion führte und keine gemeinsame Entscheidungsfindung stattfand. Darüber hinaus wurde eine Patientenschulung zur Förderung von Kommunikationskompetenzen in Arztgesprächen konzipiert (KOKOS), die in einer Pilotstudie auf Bedarf und Akzeptanz traf.

Bedeutung für die Praxis:
Die KOKOS-Schulung wurde seit Ende des Projekts mehrmals im Jahr im Rahmen von Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen durchgeführt. Außerdem können das Schulungsmanual und die dazugehörigen Materialien sowie der KOKO-Fragebogen mithilfe eines Formulars  kostenfrei als pdf angefordert werden (http://www.forschung-patientenorientierung.de/index.php/projekte/zweite-foerderphase/modul-vier-phase-2/kokopa-farin-glattacker.html).

Im Rahmen eines Projekts, das durch die Deutsche Rheumaliga e.V. (DRL)gefördert wird, ist KOKOS auf andere teilnahmerelevante Bereiche erweitert und an die Bedürfnisse rheumakranker Personen angepasst worden (KOKOS-Rheuma). Es ist geplant, dass die KOKOS-Rheuma Schulung ins Angebot der DRL aufgenommen wird.

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Krankenhauswahlverhalten chronisch Kranker

Leitung: Prof. Dr. med. Max Geraedts

Fragestellung: Die 5 Hauptfragestellungen der Studie lauten:
1. Entscheiden Patienten im deutschen Gesundheitssystem selber über das behandelnde Krankenhaus?
2. Wie viel Zeit bleibt Patienten vor Aufnahme, um sich zu informieren?
3. Welche Informationsquellen nutzen Patienten, um sich vor Aufnahme zu informieren?
4. Nach welchen Kriterien entscheiden sich Patienten in der tatsächlichen Situation?
5. Hängt die Möglichkeit selber über das Krankenhaus zu entscheiden mit soziodemographischen Patientenmerkmalen zusammen?

Ergebnis:
(1.) 63% der Patienten entscheiden selber über das Krankenhaus.
(2.) 20% haben mehr als 1 Woche Zeit vor Aufnahme.
(3.) Die Patienten sind durch Voraufenthalte sehr krankenhauserfahren; 52% waren bereits mehr als fünf Mal im Krankenhaus. Diese eigene Krankenhauskenntnis, Angehörige und die ambulanten Behandler sind die wichtigsten Informationsquellen.
(4.) Die wichtigsten Entscheidungskriterien sind die eigene Vorerfahrung, die Empfehlung Angehöriger und ambulanter Behandler, Krankenhausruf, -nähe und eine partizipative Behandler-Patientenbeziehung im Krankenhaus; weitere Qualitätsfaktoren sind von nachrangiger Bedeutung.
(5.) Die soziodemografischen Faktoren Alter, Geschlecht, Schicht und Migrationsstatus erklären nicht, ob Patienten selber das Krankenhaus wählen.

Bedeutung für die Praxis:
Für die allermeisten Patienten vor Krankenhausaufnahme sind medienbasierte Informationen über Krankenhäuser (Qualitätsberichte, Internetportale) wenig bedeutsam. Bei vielen Patienten ist die eigene Krankenhauserfahrung entscheidend. Daneben kommt beziehungsgebundenen Empfehlungen die höchste Bedeutung zu. Einerseits der qualitätsorientierten und unabhängigen Beratung durch die ambulanten Behandler, die durch eine entsprechende Ausrichtung der Qualitätsberichterstattung auf diese Vermittler, gefördert werden sollte. Andererseits sind Empfehlungen der Angehörigen und des weiteren sozialen Umfelds (Krankenhausruf) besonders wichtig. Die Behandler im Krankenhaus können über eine gute Behandlungserfahrung des Patienten Einfluss auf seine nächste Krankenhausentscheidung und die seiner Angehörigen nehmen. Im deutschen Gesundheitssystem spielen soziodemografische Merkmale keine entscheidende Rolle, ob ein Patient selber das Krankenhaus wählen kann oder nicht.

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OptRisk - Donner-Banzhoff


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Patientenkompetenz und krankheitsbezogene Sorgen (Progredienzangst) von Tumorpatienten im Verlauf onkologischer Rehabilitation. Ein Betrag zur Konstruktvalidierung.

Leitung: Prof. Dr. Joachim Weis, Klinik für onkologische Rehabilitation der UKF Reha gGmbH, Universitätsklinik Freiburg, Dr. Jürgen M. Giesler, Sektion Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung, Universitätsklinik Freiburg

Fragestellung: Das Konzept der Patientenkompetenz hat im Kontext der zunehmend stärker gewünschten Beteiligung von Patienten an Entscheidungen bei der Behandlung von Krebserkrankungen an Bedeutung gewonnen. Reliable und valide Verfahren zur Erfassung von Patientenkompetenz liegen jedoch bestenfalls in Ansätzen vor, so dass weiterreichende Hypothesen über mögliche Entstehungsbedingungen und Auswirkungen der Patientenkompetenz kaum eingehend empirisch überprüft werden können. Vor diesem Hintergrund verfolgte das vorliegende Projekt die folgenden Fragestellungen:
Lässt sich die Struktur des von Giesler und Weis (2008) entwickelten Verfahrens zur Erfassung der Patientenkompetenz für ausgewählte Gruppen von Tumorpatienten im Kontext der onkologischen Rehabilitation replizieren?
Inwieweit bestehen Zusammenhänge zwischen Patientenkompetenz einerseits und Merkmalen der subjektiven Befindlichkeit wie Progredienzangst und Lebensqualität sowie Formen der Krankheitsverarbeitung andererseits?
Unterscheiden sich Patienten in ihren Selbsteinschätzungen hinsichtlich verschiedener Komponenten der Patientenkompetenz in Abhängigkeit von der Tumorlokalisation (Brust, Kolon/Rektum, Prostata) und der (kurativen vs. palliativen) Behandlungssituation?
Verändern sich die Selbsteinschätzungen der Patientenkompetenz und das Ausmaß der Progredienzangst im Verlauf der Rehabilitation und den darauf folgenden 9 Monaten?

Ergebnis: In ihrer Gesamtheit lassen sich der vorliegenden Studie differenzierte Hinweise für die Weiterentwicklung des hier analysierten Verfahrens zur Erfassung der Patientenkompetenz im Kontext onkologischer Erkrankungen entnehmen. Inhaltlich gesehen dürften die 5 hier relativ eindeutig identifizierten (von ursprünglich 8 ermittelten) Dimensionen der Patientenkompetenz gut unterscheidbare Aspekte der Patientenkompetenz darstellen, die problemlos hinreichend reliabel und valide erfasst werden können. Zugleich zeigt sich unter dem Aspekt der Änderungssensitivität aber ein deutlicherer Optimierungsbedarf in Bezug auf das geprüfte Verfahren. In Folgestudien wäre hierbei unter anderem zu prüfen, ob die Verwendung einer veränderten Antwortskalierung, wie sie z.B. im Falle von Selbstwirksamkeitsskalen üblich ist, oder ein Verzicht auf die Vorgabe von Zeitfenstern zur Fokussierung der Beantwortung von Items zu einer höheren Änderungssensitivität führen.

Bedeutung für die Praxis: Die grundsätzliche Bedeutung der Entwicklung eines reliablen, validen und änderungssensitiven Verfahrens zur Erfassung der Patientenkompetenzen im onkologischen Kontext liegt darin, dass damit die Überprüfung von Hypothesen möglich wird, die die Entwicklung von Patientenkompetenz und ihre möglichen Auswirkungen auf Lebensqualität, subjektive Befindlichkeit und ggf. auch Parameter des Krankheitsverlaufs betreffen. Zum trägt die Verfügbarkeit eines solchen Verfahrens dazu bei, Effekte von Interventionen abzubilden, die eine Förderung der Patientenkompetenz beabsichtigen. Die vorgelegten Ergebnisse vermitteln Anregungen, wie das hier überprüfte Verfahren zur Erfassung der Patientenkompetenz in Richtung auf diese Zielsetzungen weiterentwickelt werden kann.

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Patientenorientierte Beratung ... - Ries


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Sind psychiatrische Patienten motiviert eine partizipative Entscheidungsfindung aktiv zu unterstützen? Entwicklung und Validierung eines Messinstruments

Leitung: Prof. Dr. Johannes Hamann

Fragestellung: Ziel des vorliegenden Projektes war es - exemplarisch für den Bereich der Psychiatrie, in dem einer partizipativen Entscheidungsfindung eine besonders große Bedeutung zukommt - zu identifizieren, welche Beiträge Patienten zu den einzelnen Schritten im Prozess des SDM leisten können.
Darauf aufbauend wurde erstmals ein Instrument entwickelt und validiert, das misst, inwiefern die Patienten tatsächlich motiviert sind und es als ihre Verantwortung ansehen, diese Beiträge aktiv in den medizinischen Entscheidungsprozess einzubringen. Zusätzlich wurden Einflussgrößen auf das Partizipationsverhalten psychiatrischer Patienten untersucht.

Ergebnis:
Die finale Fragebogenversion (PatPart-19) besteht aus 19 Items und folgenden 3 Skalen:
- Aktive krankheitsbezogene Kommunikation
- Kritische Kooperation
- Adhärenz in Kommunikation und Therapie
Die psychometrische Testung ergab, dass die Skalen eindimensional und reliabel sind. Keines der Items zeigte Differential Item Functioning. Unsere Studie ergab zudem erste Hinweise auf die Validität des Fragebogens.

Bedeutung für die Praxis:
Der Fragebogen PatPart-19 kann Aufschluss darüber geben, welche und wie viele Patienten derzeit zur aktiven Teilhabe an einer partizipativer Entscheidungsfindung motiviert sind und somit zu einer gezielteren partizipativen Versorgungsgestaltung beitragen. Effekte von Patientenschulungen, wie beispielsweise von Psychoedukations-, Informations- und Selbsthilfegruppen sowie eines Einsatzes von Entscheidungshilfen auf die Bereitschaft von Patienten, sich aktiv an medizinischen Entscheidungen zu beteiligen, können nun abgebildet und quantitativ gemessen werden.

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Verbesserung der häuslichen Versorgung von Palliativpatienten durch Unterstützung pflegender Angehöriger / PalliPA

Leitung: Prof. Dr. med. Joachim Szecsenyi

Fragestellung: In diesem Projekt wurden in Zusammenarbeit mit 11 Praxisteams erste Implementierungsstrategien entwickelt, die Patienten- und Praxischarakteristika berücksichtigten, um Praktikabilität und Durchführbarkeit der Interventionen in der Hausarztpraxis zu prüfen. Mit den Interventionen sollten die Praxisteams befähigt werden:
(1) die Belastung pflegender Angehöriger zu erkennen. Dazu benötigten die Praxisteams Informationen, auf welchen Gebieten Angehörige belastet sein können und wie sich diese Belastung äußert.
(2) belastete Angehörige zu unterstützen. Dazu wurde individuell eruiert, welche Entlastungsmöglichkeiten die Hausarztpraxis selbst bieten und auf welche Unterstützungsangebote, z.B. auf kommunaler Ebene, verwiesen werden kann.

Ergebnis:
Nach eigener Aussage würden Praxisteams belastete Angehörige über Beobachtung erkennen und gezielte Fragen stellen. Sie böten den Angehörigen unterschiedliche Entlastungen an, zeigten kommunale Ressourcen auf und vereinbarten Termine. Sie nähmen die soziale Umwelt der Angehörigen unterstützend wahr, sähen aber auch einen besonderen Bedarf, wenn diese Unterstützung fehlte. (2)
Folgende Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige wurden in den Praxen im Rahmen des Projekts implementiert: Register mit Palliativpatienten und Angehörigen, Informationsbroschüren zum professionellen lokalen Netzwerk, Gesprächsleitfaden. Die Umsetzung wurde durch regelmäßige Gruppengespräche mit den Praxisteams begleitet. Diesen Erfahrungsaustausch empfanden die Praxisteams am hilfreichsten. Die Angehörigen nahmen gute Versorgung vor allem durch die Erreichbarkeit und das Interesse des Praxisteams am Angehörigen wahr.

Bedeutung für die Praxis:
Wertschätzung der Angehörigen ermöglicht rechtzeitiges Erkennen von (Über-) Belastung und motiviert diese. Ein regelmäßiger Austausch von Praxisteams, z.B. im Rahmen von Qualitätszirkeln, und eine gute lokale Vernetzung erleichtern die Versorgung von Palliativpatienten.
Literatur:
(1) Hermann K, Boelter R, Engeser P, Szecsenyi J, Campbell SM, Peters-Klimm F. PalliPA: How can general practices support caregivers of patients at their end of life in a home-care setting? A study protocol. BMC Research Notes 2012, 5:233 doi:10.1186/1756-0500-5-233
(2) Krug K, Bölter R, Ballhausen RA, Engeser P, Peters-Klimm F. Überforderte pflegende Angehörige bei der Versorgung am Lebensende – was bieten Hausarztpraxen zur Entlastung an? Gesundheitswesen 2016; 78 (Suppl. 1): e128-e134 - doi: 10.1055/s-0042-111206.

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