Förderung der Teilhabe von Schlaganfallpatienten in der vertragsärztlichen Versorgung durch Constraint Induced Movement Therapy (HOMECIMT)
Anne Barzel1, Gesche Ketels2, Britta Tetzlaff1, Heike Krüger2, Anne Daubmann3, Karl Wegscheider3, Martin Scherer1
1Institut für Allgemeinmedizin, 2Physiotherapie, 3Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Teilhabe soll im Mittelpunkt der Rehabilitation stehen (SGB IX). Aktivierende Therapieformen wie die Constraint Induced Movement Therapy (CIMT) helfen den Patienten, mittels repetitiver, alltagsrelevanter Übungen erlernte Fertigkeiten erfolgreich in ihren Alltag und damit in ihre Teilhabe umzusetzen. In der vertragsärztlichen Versorgung von chronischen Schlaganfallpatienten fehlt bisher ein Therapiekonzept, das sich explizit am Kriterium der Teilhabe orientiert.
Ziel dieser Studie ist die Untersuchung der Wirksamkeit einer für das häusliche Setting modifizierten Form der Constraint Induced Movement Therapy („CIMT at home“) für chronische Schlaganfallpatienten in der vertragsärztlichen Versorgung im Vergleich zur konventionellen Physio- und Ergotherapie („Therapy as usual“) im Hinblick auf die Fähigkeit zur Teilhabe an Alltagsaktivitäten.
Cluster-randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit den Physio- und Ergotherapiepraxen als Cluster. 60 Therapiepraxen, die Patienten nach Schlaganfall behandeln, werden nach der Baseline-Erhebung bei den Patienten (n=180, durchschnittlich drei pro Praxis) in eine Interventionsgruppe und in eine Kontrollgruppe cluster-randomisiert. Die Patienten erhalten entsprechend der Studienarmzugehörigkeit ihrer Therapeuten für vier Wochen entweder „CIMT at home“ (Intervention) oder „Therapy as usual“ (Kontrollgruppe). Die Fallzahlplanung basiert auf einer Clustergröße von drei Probanden pro Praxis und einer Intra-Cluster-Korrelation von 0,05 (Effektstärke 0,5; alpha-Fehlerwahrscheinlichkeit 0,05; Power 0,80). Die Datenerhebung erfolgt durch verblindete Assessoren im Rahmen von Hausbesuchen bei den Patienten im Prä/Post/Follow-up-Design.
Zwei primäre Endpunkte werden hierarchisiert ausgewertet (Abschlusstest-Prinzip). Zunächst wird die Aktivität und Partizipation der mehr betroffenen Hand/Arm durch den Motor Activity Log (Quality Of Movement, MAL-QOM) und dann die motorische Funktion im Wolf Motor Function Test (Performance Time, WMFT-PT) erfasst. Sekundäre Zielgrößen sind die Einsatzhäufigkeit des Armes (Motor Activity Log - Amount Of Use), Funktionsfähigkeit von Hand und Arm (Wolf Motor Function Test - Functional Ability), Fingergeschicklichkeit (Nine-Hole-Peg-Test), Schlaganfallbezogene Lebensqualität (Stroke Impact Scale), Selbstständigkeit (Barthel-Index) und Alltagskompetenz (Instrumental Activities of Daily Living).
Datenbasis der Analyse bilden die ITT (Intention To Treat)-Population der klinischen Primärdaten der Probanden (MAL-QOM) bzw. der einfach verblindeten Assessoren (WMFT-PT) und die Merkmale der Cluster (Praxen). Statistische Analyse: mixed models der Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe mit den Mittelwertsunterschieden als fixed effects und den Praxiseffekten als random effects unter Kontrolle von Baseline und Geschlecht der Probanden und der Therapeuten.
Erweist sich „CIMT at home“ als wirksam, stünde in der vertragsärztlichen Versorgung im Hinblick auf die Fähigkeit zur Teilhabe an Alltagsaktivitäten ein zielgruppenspezifisches Behandlungsangebot zur Verfügung.
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