Kultursensitive Patienteninformationen für Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund und einer chronischen Erkrankung
LP Hölzel¹, Z Ries¹, L Kriston², M Härter¹ ², I Bermejo¹ ³
¹Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Sektion für KlinischeEpidemiologie und Versorgungsforschung;
²Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut undPoliklinik für Medizinische Psychologie;
³ Celenus-Kliniken Gmbh, Offenburg
Hintergrund
Von den in Deutschland lebenden ca.15 Millionen Menschen mit Migrations-hintergrund (19% der Bevölkerung) werden viele nur unzureichend von den bestehenden Gesundheitsangeboten erreicht. In der Literatur wird oft auf die Notwendigkeit kulturell angepasster Informationsmaterialien für Patienten mit Migrationshintergrund, als einen Weg zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung, hingewiesen.
Ziel und Fragestellung
In der Studie sollen kultursensitive Patienteninformationen für Patienten mit Migrationshintergrund und chronischer Erkrankung (Depression oder chronischem Kreuzschmerz) entwickelt und evaluiert werden. Dabei soll geprüft werden, ob kultursensitive Patienteninformationen einen höheren subjektiven Nutzen als standard-übersetzte Informationen haben.
Methodik
Die Implementierung und Evaluation der kultursensitiven Patienteninformationen erfolgen im Rahmen einer doppelblinden randomisiert-kontrollierten Studie in vier Studien-zentren (Freiburg/Lörrach; Leipzig; Hamburg; Oberhausen/Mülheim/Duisburg) mit Patienten mit türkischem, polnischem oder italienischem Migrationshintergrund sowie (Spät-) Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion mit der Diagnose einer depressiven Störung oder chronischen Kreuzschmerzen.In der Interventionsgruppe werden im Rahmen der ärztlichen Konsultation kultursensitive Patienteninformationen verwendet. In der Kontrollgruppe werden standardübersetzte Patienteninformationen eingesetzt. Die Patienten werden mittels national und international etablierter, sprachlich-kulturell adaptierter Fragebögen nach der Indexkonsultation sowie nach 8 Wochen und 6 Monate befragt. Dabei werden neben der Erfassung der primären Zielgröße (subjektiver Nutzen) auch Daten zu sekundären Zielgrößen (Kenntnisse über Behandlungsmöglichkeiten; Erkrankungs- und Behandlungsakzeptanz sowie Adhärenz; Zu-friedenheit mit der Behandlung) erhoben. Zusätzlich werden die Hausärzte bzgl. der Praxisrelevanz kultursensitiven Patienteninformationen befragt.
Durchführung
Zu Beginn des Projektes werden die erkrankungsspezifischen Patienten-informationen zu Depressionen und chronischem Kreuzschmerz erstellt und in die Zielsprachen übersetzt. Diese standardübersetzten Patienteninformationen werden dann in Fokusgruppen unter Berücksichtigung migrations-, sprach- und kulturspezifischer Aspekte modifiziert und zu kultursensitiven Versionen der Patienteninformation weiterentwickelt.Die teilnehmenden Hausärzte werden durch die vier Zentrumskoordinatoren in ihren Praxen aufgesucht und dort in die Durchführung der Studie eingewiesen. Anschließend werden ihnen die Patienteninformationen in den studienrelevanten Sprachen zur Verfügung gestellt. Die Randomisierung und die Befragung der Patienten erfolgt über das leitende Studien-zentrum in Freiburg.
Erwartete Ergebnisse
Die Studie wird eine empirisch überprüfte Antwort auf die Frage liefern, ob kultursensitive Patienteninformationen von Migranten nützlicher bewertet werden als übersetzte Informationsmaterialien ohne kulturelle Anpassung.
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