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Kontakt

Dr. Lars Hölzel, Dipl. Psych.

Universitätsklinikum Freiburg

Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie

Hauptstrasse 5,

79104 Freiburg

Tel. +49 (0) 761 270-69840

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Kultursensitive Patienteninformationen für Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund und einer chronischen Erkrankung

LP Hölzel¹, Z Ries¹, L Kriston², M Härter¹ ², I Bermejo¹ ³

¹Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Sektion für KlinischeEpidemiologie und Versorgungsforschung;

²Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut undPoliklinik für Medizinische Psychologie;

³ Celenus-Kliniken Gmbh, Offenburg

 

Förderkennzeichen: 01 GX 1031

Förderzeitraum: 01.05.2011 bis 31.03.2015

Akronym: KULTINFO

 

Hintergrund

Von den in Deutschland lebenden 16,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (20,5% der Bevölkerung) werden viele nur unzureichend von den bestehenden Gesundheitsangeboten erreicht. In der Literatur wird oft auf die Notwendigkeit kulturell angepasster Informationsmaterialien für Patienten mit Migrationshintergrund, als einen Weg zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung, hingewiesen.

 

Ziel und Fragestellung

In der Studie wurden kultursensitive Patienteninformationen (PIM) für Patienten mit Migrationshintergrund und einer chronischen Erkrankung entwickelt und evaluiert. Dabei wurde geprüft, ob kultursensitive PIM einen höheren subjektiven Nutzen als standardübersetzte PIM haben.

 

Methodik

Die Implementierung und Evaluation der kultursensitiven PIM erfolgten im Rahmen einer doppelblinden randomisiert-kontrollierten Studie in vier Studienzentren (Freiburg/Lörrach; Leipzig; Hamburg; Oberhausen/Mülheim/Duisburg) mit Patienten mit türkischem, polnischem oder italienischem Migrationshintergrund sowie (Spät-)Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion mit der Diagnose einer depressiven Störung oder chronischen Kreuzschmerzen. In der Interventionsgruppe wurden im Rahmen der ärztlichen Konsultation kultursensitive PIM verwendet. In der Kontrollgruppe wurden standardübersetzte PIM eingesetzt. Die Patienten wurden mittels national und international etablierter, sprachlich-kulturell adaptierter Fragebögen nach der Indexkonsultation sowie nach 8 Wochen und 6 Monaten befragt. Dabei wurden neben der Erfassung der primären Zielgröße (subjektiver Nutzen) auch Daten zu sekundären Zielgrößen (u.a. krankheitsbezogenes Wissen, Erkrankungs- und Behandlungsakzeptanz, Adhärenz und Zufriedenheit mit dem Arzt) erhoben. Zusätzlich wurden die Hausärzte bzgl. der Praxisrelevanz kultursensitiven PIM befragt.

 

Durchführung

Zu Beginn des Projektes wurden die erkrankungsspezifischen PIM zu Depressionen und chronischem Kreuzschmerz erstellt und in die Zielsprachen übersetzt. Diese standardübersetzten PIM wurden dann in Fokusgruppen unter Berücksichtigung migrations-, sprach- und kulturspezifischer Aspekte modifiziert und zu kultursensitiven Versionen der PIM weiterentwickelt. Die teilnehmenden Hausärzte wurden durch die vier Zentrumskoordinatoren in ihren Praxen aufgesucht und in die Durchführung der Studie eingewiesen. Anschließend wurden ihnen die PIM in den studienrelevanten Sprachen zur Verfügung gestellt. Die Randomisierung und die Befragung der Patienten erfolgten über das leitende Studienzentrum in Freiburg.

 

Ergebnisse

Derzeit werden die Daten der Hauptstudie ausgewertet. Eine wissenschaftliche Publikation hierzu befindet sich in Vorbereitung.

Die Ergebnisse der Ärztebefragung weisen auf eine gute Akzeptanz der Materialien durch die Ärzte hin. Zudem erleichtern die Materialien aus Sicht der Ärzte die Interkation mit den Patienten und führen zu einer Arbeitsentlastung.

Als ein Nebenergebnis wurde im Rahmen des Projektes ein Instrument zur Messung des subjektiven Nutzens von PIM entwickelt und erfolgreich an 120 stationären Patienten validiert. Durch dieses Instrument kann die Patientenperspektive bei der Evaluation von PIM zukünftig adäquat berücksichtigt werden.

 

Aktueller Projektstand

Projekt wurde erfolgreich abgeschlossen.

An der Studie haben 37 Arztpraxen teilgenommen.

Es wurden 503 Patienten rekrutiert; davon 435 wurden randomisiert; 317 schickten Fragebogen zum ersten Befragungszeitpunkt zu, davon werden 309 ausgewertet.

 

Transfer in die Praxis

Im Oktober 2014 wurde ein Transferworkshop mit dem Ziel die Ergebnisse und mögliche Versorgungsimplikationen bzw. Transferstrategien mit nationalen und internationalen Experten zu diskutieren durchgeführt. Wichtigste Ergebnisse sind der Einbezug zentraler Multiplikatoren und die Verbreitung der PIM über das Internet. Ein Transfer in die Praxis erfolgt zunächst.

 

Publikationen

  1. Hölzel L.P., Ries Z., Zill J.M., Kriston L., Dirmaier J., Härter M., Bermejo I. (2014). Development and testing of culture-sensitive patient information material for Turkish, Polish, Russian and Italian migrants with depression or chronic low back pain in a double-blind randomised-controlled trial (KULTINFO): A study protocol. BMC Trials 15, 265.
  2. Hölzel L.P., Ries Z., Dirmaier J., Zill J.M., Kriston L., Klesse C., Härter M., Bermejo I. (2015). Usefulness Scale of Patient Education Material (USE) – development and psychometric evaluation. BMC Medical Informatics and Decision Making,15, 34. 

 

Wissenschaftliche Vorträge

  1. Ries Z., Bermejo I., Dirmaier J., Zill J., Hölzel L.P. (2012, November). Kulturelle Besonderheiten bei der Behandlung depressiver Patienten mit Migrationshintergrund. DGPPN Kongress, 21.-24.11.2012, Berlin.
  2. Hölzel L., Ries Z., Dirmaier J., Zill J.M., Kriston L. (2013, November). Kultursensitive Patienteninformationen für Patienten mit Migrationshintergrund. DGPPN Kongress, 27.-30.11.2013, Berlin.
  3. Hölzel L.P., Ries Z., Zill J. M., Rummel-Kluge C., Siegel A. Niebling W., Kriston L., Dirmaier J., Härter M., Bermejo I. (2014, September). Development and testing of culture-sensitive patient information material in a double-blind randomised-controlled trial (KULTINFO). 12th International Conference on Communication in Healthcare (ICCH), 28.09.-01.10.2014, Amsterdam.
  4. Hölzel L.P., Ries Z., Dirmaier J., Zill J. M., Kriston L., Klesse C., Härter M., Bermejo I. (2014, September). Usefulness Scale for Patient Information Material (USE) - Development and Psychometric Properties. 12th International Conference on Communication in Healthcare (ICCH), 28.09.-01.10.2014, Amsterdam.
  5. Bermejo I. (2014, Oktober). Health care of migrants and the need for culture sensitive patient information material. International Symposium on Culture-Sensitive Patient Information Material, 23.10.2014, Freiburg im Breisgau.
  6. Hölzel L. (2014, Oktober). Effects of culture-sensitive patient information material. International Symposium on Culture-Sensitive Patient Information Material, 23.10.2014, Freiburg im Breisgau.
  7. Ries Z. (2014, Oktober). Cultural specificities and implications for written patient information material. International Symposium on Culture-Sensitive Patient Information Material, 23.10.2014, Freiburg im Breisgau. 
  8. Hölzel L. (2015, Dezember). Kultursensitive Informationsmaterialien - Entwicklung und Testung im Rahmen einer doppelblinden randomisiert-kontrollierten Studie (KULTINFO). Ringvorlesung Migration, Pädagogische Hochschule Freiburg, 09.12.2015, Freiburg.

 

Poster

  1. Hölzel L.P., Ries Z., Kriston L., Härter M., Bermejo I. (2012, November). Kultursensitive Patienteninformationen für Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund und einer chronischen Erkrankung. DGPPN Kongress, 21.-24.11.2012, Berlin.
  2. Zill J.M., Hölzel L.P., Ries Z., Kriston L., Dirmaier J., Härter M., Bermejo I. (2013, Juni). Study Protocol: Culture-sensitive patient information for patients with a migration background and a chronic disease. International Shared Decision Making Conference, 16.-19.06.2013, Peru.
  3. Ries Z., Bermejo I., Dirmaier J., Zill J.M., Frank F., Härter M., Hölzel L.P. (2014, September). Culture-specific factors in written patient information for patients with migration background. 12th International Conference on Communication in Healthcare (ICCH), 28.09.-01.10.2014,

Amsterdam.

  1. Hölzel L., Ries Z., Zill J.M., Rummel-Kluge, Siegel A., Niebling W., Kriston L., Dirmaier J., Härter M., Bermejo I. (2015, Mai). Kultursensitive Informationsmaterialien – Entwicklung und Testung im Rahmen einer doppelblinden randomisiert-kontrollierten Studie (KULTINFO). 9. Workshopkongress für Klinische Psychologie und Psychotherapie & 33. Symposium der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der DGPs, 14.-16.05.2015, Dresden.
  2. Hölzel L., Ries Z., Zill J.M., Rummel-Kluge, Siegel A., Niebling W., Kriston L., Dirmaier J., Härter M., Bermejo I. (2015, Dezember). Kultursensitive Informationsmaterialien – Entwicklung und Testung im Rahmen einer doppelblinden randomisiert-kontrollierten Studie (KULTINFO). DGPPN Kongress, 25.-28.11.2015, Berlin.




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