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Kontakt

Anne Michel

Dr. med. Sabine Stamm-Balderjahn

 

Charité – Universitätsmedizin Berlin

Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitations-

wissenschaft, Bereich Rehabilitationsforschung

Luisenstraße 13 A, 10117 Berlin

Tel.: 030 450 517 109

Fax: 030 450 517 932

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Wirksamkeit einer sektorenübergreifenden geschlechtsspezifischen Intervention zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens von KHK-RehabilitandInnen in der Phase-III-Rehabilitation (CARO-PRE-II)

Projektleitung

Prof. Dr. Karla Spyra

 

Laufzeit des Vorhabens

01. Januar 2011 bis 31. März 2015

 

Hintergrund

Bei Patienten mit Koronarer Herzerkrankung kommt es im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung (Phase II) zu einer Senkung kardiovaskulärer Risikofaktoren sowie zu einer Steigerung der Einnahme prognostisch relevanter Medikamente. Allerdings lassen sich diese positiven Effekte langfristig nur begrenzt halten und gehen in der Phase III der Rehabilitation größtenteils wieder verloren. Um die Nachhaltigkeit der kardialen Rehabilitation zu sichern, eignen sich langfristig angelegte Interventionsprogramme, die sich in den letzten Jahren mit unterschiedlichen Konzepten etabliert haben. Um gesundheitsförderndes Verhalten zu verstetigen, kann die Vereinbarung von Zielen ein nützliches Instrument sein, das sich aber in der Rehabilitationspraxis noch nicht ausreichend etabliert hat und über dessen Wirksamkeit bisher nur wenig bekannt ist. Darüber hinaus besteht weiterer Forschungsbedarf, welche genderspezifischen Elemente einen sekundärpräventiven Nutzen für die Rehabilitanden haben können.

 

Ziel der Studie

Es sollte eine sektorenübergreifende geschlechtsspezifische Intervention entwickelt und auf Wirksamkeit überprüft werden, die mithilfe von Zielvereinbarungen und einer Zielkontrolle drei Monate nach kardiologischer Rehabilitation ein nachhaltiges Gesundheitsverhalten in der Phase-III-Rehabilitation initiieren und verstetigen soll. Es war die Frage zu beantworten, ob die Vereinbarung von Zielen innerhalb eines ärztlichen Entlassungsgespräches am Ende der Rehabilitationsmaßnahme und die Kontrolle der vereinbarten Ziele durch ein Gespräch mit einem Therapeuten oder Arzt drei Monate nach Beendigung der Rehabilitation einen positiven Einfluss auf das Gesundheitsverhalten und auf Outcome-Parameter für physiologische Schutz- und Risikofaktoren hat.

 

Methode

Die vorliegende Studie wurde im Mixed-Method-Design durchgeführt. In der qualitativen Phase der Studie wurden 40 Patienteninterviews, 4 Gruppendiskussionen und 8 Experteninterviews mit Wissenschaftlern und Behandlern durchgeführt. Innerhalb der quantitativen Phase wurde eine randomisierte kontrollierte Interventionsstudie mit einem Mehrpunkterhebungsdesign (Beginn (T1) und Ende (T2) sowie sechs (T3) und zwölf Monate (T4) nach Abschluss der Rehabilita­tionsmaßnahme) durchgeführt.

Anhand der erhobenen Befragungsdaten sollte die entwickelte Intervention auf Wirksamkeit überprüft werden. Eingeschlossen wurden 545 Patienten, davon 262 (48,1%) weibliche und 283 (51,9%) männliche. Die Studienteilnehmer verteilten sich auf drei Gruppen: die Kontrollgruppe „KG“ (N=270), in der die Patienten „usual care“ erhielten, die Interventionskontrollgruppe „IGb“ (N=143), in der mit den Patienten am Reha-Ende ein Zielvereinbarungsgespräch geführt wurde und die Zielkontrollinterventionsgruppe „IGa“ (N=132), in der mit den Patienten ein Zielvereinbarungsgespräch am Reha-Ende und ein Zielkontrollgespräch drei Monate nach Reha-Ende geführt wurde.

Primäre Ziel­größe war die Erfassung des Gesundheitsver-haltens in der Phase-III-Rehabilitation, die durch die Bereiche Bewegung, Ernährung, Tabakkonsum, Medikamenteneinnahme und psychisches Wohlbefinden abgebildet wurden. Als sekundäre Outcome-Parameter wurden Werte für die physiologischen Schutz- und Risikofaktoren (Gesamt-, HDL- und LDL-Choleste­rin, Blutzucker, systolischer und diastolischer Blutdruck, Body-Mass-Index) er­hoben.

Neben der Durchführung deskriptiver Analysen wurde die Veränderung zwischen dem 1. und den späteren Messzeitpunkten im Rahmen eines single-indicator Latent-Change-Models durch verschiedene Kovariaten vorhergesagt. Zur detaillierten Analyse differentieller Veränderungen wurden Multigruppen-Modelle mit Geschlecht und Reha-Typ als Gruppierungsvariablen herangezogen.

 

Ergebnisse

Die Auswertung der Interviews, die innerhalb der qualitativen Studienphase mit Patienten und Experten geführt wurden, legte einen Unterstützungsbedarf bei weiblichen Rehabilitanden hinsichtlich ihrer körperlichen Aktivität und bei männlichen einer gesünderen Ernährungsweise nahe.

Bei der Analyse des quantitativen Studienteils konnte weder für die primären Zielgrößen für das Gesundheitsverhalten (Bewegung, Ernährung, Tabakkonsum) noch für die sekundären Outcome-Parameter (physiologische Schutz- und Risikofaktoren) Interventionseffekte nachgewiesen werden. Das Bewegungsverhalten berufstätiger Patienten nahm innerhalb des ersten halben Jahres nach Beginn der Reha-Maßnahme in allen drei Studiengruppen gleichsam zu, im Verlauf des zweiten halben Jahres jedoch wieder geringfügig ab.

Die Subgruppenanalyse zeigte positive Effekte bei berufstätigen Frauen und stationären Patienten, wobei sich die Teilnahme an einer Herzgruppe günstig auf die körperliche Aktivität im Alltag auswirkte. Von den nicht-Berufstätigen verbesserten männliche sowie ambulant behandelte Patienten ihr Bewegungsverhalten.

Das Ernährungsverhalten verbesserte sich über den gesamten Beobachtungszeitraum in allen drei Studiengruppen, Interventionseffekte waren nicht zu beobachten. Die schon zu Beginn der Reha-Maßnahme gesündere Ernährungsweise bei Frauen im Vergleich zu Männern zeigte sich auch im weiteren Zeitverlauf. Im Hinblick auf die Veränderung des Rauchstatus konnten aufgrund der geringen Fallzahl keine Modellberechnungen vorgenommen werden.

Deskriptive Analysen zeigten eine Reduzierung der Raucherquote von 12,4% zu T1 auf 8,6% zu T4. Eine Verbesserung des subjektiv wahrgenommenen Gesundheitszustands zeigte sich in der Interventionsgruppe IGb sowie bei ambulant behandelten Patienten zum Zeitpunkt T3. Keine Interventionseffekte waren hinsichtlich der Ausprägung von Angst und Depression sowie der Compliance für die Medikamenteneinnahme zu beobachten.

Bei den physiologischen Parametern systolischer und diastolischer Blutdruck, Nüchternblut-zucker, HbA1c, HDL-Cholesterin sowie beim Body-Mass-Index waren keine Interventions-effekte zu beobachten. Lediglich die Werte des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins lagen bei Patienten in der Interventionsgruppe IGa, die an einer ambulanten Rehabilitation teilgenommen hatten, zu T3 unter den Werten von stationären Rehabilitanden.

 

Fazit

Die Hinweise für die positiven Effekte im Bereich des Bewegungsverhaltens reichen für eine Empfehlung, Elemente der Interventionsmaßnahme in den Praxisalltag zu integrieren, nicht aus.  Hierfür ist weitere Forschung, insbesondere zu den genderspezifischen Aspekten, notwendig.

 

Publikationen


Zeitschriftenbeiträge

 

Tagungs-/Kongressbeiträge

 

Kooperierende Rehabilitationseinrichtungen

 

Die Studie ist registriert im Deutschen Register Klinischer Studien (DRKS00003568).

https://drks-neu.uniklinik-freiburg.de/drks_web/




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