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Study Protocol

 

Kontakt

Dr. Jörg Dirmaier 

Isabelle Scholl

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie

Martinistr. 52 (Gebäude W26)

20246 Hamburg  

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Evaluation von Messdimensionen und patientenrelevanten Indikatoren einer partizipativen Versorgung chronischer Krankheiten

Projektleiter: Dr. Jörg Dirmaier, Prof. Dr. Dr. Martin Härter


Projektmitarbeiterinnen: Dr. Isabelle Scholl, Jördis Zill, Dipl.-Psych.

 

Hintergrund & Ziele

Eine patientenzentrierte Versorgungsgestaltung hat  in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, insbesondere bei chronischen Erkrankungen. Allerdings wird der Begriff „Patientenorientierung“ bzw. „Patientenzentrierung“ in der aktuellen Literatur unterschiedlich benutzt und verstanden. Daraus ergeben sich Unterschiede in der Erfassung von Patientenzentrierung, und somit auch Schwierigkeiten in der Vergleichbarkeit der Ergebnisse von Forschungsprojekten. Letztendlich er-schwert dies die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Routineversorgung. Um diese Lücke zu schließen, verfolgt das Projekt folgende Ziele: 1) Identifizierung von Modellen und Dimensionen von Patientenzentrierung, 2) Bewertung und Selektion der identifizierten Dimensionen durch eine Delphi-Befragung, 3) Analyse der Operationalisierung und Evidenzbewertung der Dimensionen, 4) Expertengestützte Bewertung der Projektergebnisse und Entwicklung von Umsetzungsstrategien.

 

Methodik

Das Projekt gliedert sich in vier Projektphasen. In der ersten Projektphase wurde ein systematisches Review durchgeführt, um die in der Literatur beschriebenen Modelle und Dimensionen von Patientenzentrierung zu identifizieren. Darauf aufbauend wurde ein integratives Modell zur Patientenzentrierung entwickelt. In der zweiten Projektphase erfolgte eine Priorisierung und Selektion der identifizierten Dimensionen durch Relevanzeinschätzungen von Experten (Patientenvertreter, Kliniker und Wissenschaftler) im Rahmen einer zweistufigen Online-Delphi-Befragung. In der dritten Projektphase wurden die priorisierten und selektierten Dimensionen durch eine mehrere systematische Übersichts-arbeiten hinsichtlich der Güte der Operationalisierung in Form von Messinstrumenten bewertet. Zu-dem erfolgte mittels narrativem Review eine Bewertung der Evidenz. In der abschließenden vierten Projektphase wurden im Rahmen eines Expertenworkshops die Projektergebnisse vorgestellt und bewertet, sowie Umsetzungsstrategien entwickelt.

 

Ergebnisse

In Phase 1 wurden mittels einer systematischen Übersichtsarbeit insgesamt 15 Dimensionen der Patientenzentrierung identifiziert: Grundlegende Eigenschaften des Behandlers, Behandler-Patient-Beziehung, Patient als Individuum, Biopsychosoziale Perspektive, Patienteninformation, Patientenbeteiligung an Versorgungsprozessen, Beteiligung von Familienangehörigen und Freunden, Empowerment des Patienten, Physische Unterstützung, Emotionale Unterstützung, Behandler-Patient-Kommunikation, Integration medizinischer und nicht-medizinischer Versorgung, Zusammenarbeit und Teamentwicklung, Zugang zur Versorgung, Koordination und Kontinuität der Versorgung. Diese wurden im Anschluss in einem integrativen Modell (siehe Abbildung 1), bestehend aus a) Grundprinzipien, b) Handlungen & Maßnahmen, und c) Förderlichen Faktoren, zusammengefasst wurden.

 

ABB 1 Integratives Modell

Abbildung 1: Integratives Modell der Patientenzentrierten Versorgung (Scholl et al., 2014)

 

In der zweiten Phase wurden die in Phase 1 identifizierten Dimensionen durch eine zweistufige Online-Delphi-Befragung bewertet und selektiert. An der ersten Runde nahmen N=105, an der zweiten Runde N=71 Experten (Forscher, Patientenvertreter, Kliniker, Qualitätsmanager) teil. Es zeigte sich eine Tendenz zu Reduktion des Modells auf 14 Dimensionen unter Ausschluss der Dimension Integration medizinischer und nicht-medizinischer Versorgung. Die folgenden Dimensionen wurden als Wichtigste priorisiert (sog. TOP 5 Dimensionen): Patient als Individuum, Patientenbeteiligung an Versorgungsprozessen, Patienteninformation, Behandler-Patient-Kommunikation und Empowerment des Patienten.

In der dritten Phase des Projektes wurden mehrere systematische Übersichtsarbeiten zu Messinstrumenten der TOP 5 Dimensionen durchgeführt (mit Ausnahme der Dimension Patient als Individuum, für die aufgrund eines zu geringen Operationalisierungsgrades keine entsprechende Suchstrategie generierbar war). Diese zeigten, dass es international bereits eine Reihe an Messinstrumenten gibt, dass diese allerdings sehr heterogen sind bzgl. der Studiengüte (erfasst mittels der COSMIN-Checkliste) und bzgl. der Güte der psychometrischen Eigenschaften (erfasst mittels der Kriterien nach Terwee). Zudem zeigte sich, dass es v.a. im deutschsprachigen Raum sehr wenige psychometrisch gut überprüfte Messinstrumente gibt. Zudem wurde ein narratives Meta-Review zur Identifizierung von Übersichtsarbeiten, die Studien zu Zusammenhänge einer patientenzentrierten Dimension mit gesundheitsbezogenen Outcomes zusammenfassen. Hierbei zeigte sich, dass es v.a. für „Hand-lungen / Maßnahmen“ der Patientenzentrierung, einige auch für die „Förderlichen Faktoren“ entsprechende Reviews gibt, dass es allerdings einen deutlichen Mangel im Bereich der „Grundprinzipien“ von Patientenzentrierung gibt. Am ehesten zeigt sich über die Dimensionen hinweg ein positiver Einfluss auf die Zufriedenheit des Patienten; nur vereinzelt wurde ein positiver Einfluss auf gesundheitsbezogene Outcomes gefunden. Allerdings sind die Ergebnisse schwer generalisierbar (u.a. auf-grund heterogener Definitionen und Outcomes).

In Phase 4 wurden die Ergebnisse aus den Phasen 1-3 in einem Expertenworkshop mit unterschied-lichen Stakeholdern (Forscher, Behandler, Patientenvertreter, Vertreter aus übergeordneten Institutionen des Gesundheitswesens) durchgeführt. Der eintägige Workshop stieß mit N=22 Teilnehmern auf sehr gute Resonanz und es wurden Handlungs- und Umsetzungsempfehlungen für die Ebenen Gesundheitspolitik, Versorgung und Forschung generiert.

 

Publikationen

  1. Zill, J.M., Christalle, E., Müller, E., Härter, M., Dirmaier, J., Scholl, I. [shared senior authorship] (2014). Measurement of physician-patient communication - a systematic review. PLOS ONE, DOI:10.1371/journal.pone.0112637.
  2. Scholl, I., Zill, J.M., Härter, M., Dirmaier, J. (2014). An integrative model of patient-centeredness – a systematic review and concept analysis. PLOS ONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0107828.
  3. Müller, E., Zill, J.M., Härter, M., Dirmaier, J., Scholl, I. (2014). Assessment of trust in the physician: a systematic review of measures. PLOS ONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0106844.
  4. Scholl, I., Zill, J.M., Härter, M., Dirmaier, J. (2014) How do health services researchers understand the concept of patient-centeredness? Results from an expert survey. Patient Preference and Adherence, 8, 1153-1160.
  5. Sepucha, K., Scholl, I. (2014). Measuring shared decision making: A review of constructs, measures, and opportunities for cardiovascular care. Circulation Cardiovascular Quality and Outcomes, doi:10.1161/CIRCOUTCOMES.113.000350
  6. Scholl, I., Nicolai, J., Pahlke, S., Kriston, L., Krupat, E., Härter, M. (2014) The German version of the Four Habits Coding Scheme - association between physicians' communication and shared decision making skills in the medical encounter. Patient Education and Counseling, 94(2), 224-229.
  7. Zill, J.M., Scholl, I., Härter, M., Dirmaier, J. (2013). Evaluation of dimensions and measurement scales in patient-centeredness - Study protocol. Patient Preference and Adherence, 7, 345-351.
  8. Scholl, I., Koelewijn-van Loon, M., Sepucha, K., Elwyn, G., Härter, M., Dirmaier, J. (2011). Measurement of shared decision-making - a review of instruments. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, 105 (4),313-324.

 




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