OptRisk: Optimierung von Risikoberatung durch Darstellung der Veränderbarkeit der individuellen Lebenserwartung
S. Kürwitz, N. Jegan, L. Kramer, S. Celemin-Heinrich, O. Hirsch, U. Siebert, U. Popert, N. Donner-Banzhoff
Einleitung
Inzwischen sind Entscheidungshilfen als akzeptiertes und wirksames Element der patientenorientierten Betreuung chronisch Kranker in der hausärztlichen Praxis weit verbreitet. Dabei hat die verständliche und valide Darstellung von Prognose und Interventions-Effekten einen besonderen Stellenwert. Im Bereich der kardiovaskulären Erkrankungen hat sich dabei das Instrument arriba® mit einer Schätzung der 10-Jahres-Prognose auf der Basis individueller Risikofaktoren als wirksam erwiesen. Ein Kritikpunkt an dieser Methode ist, dass bei jüngeren Patienten eine 10-Jahres-Prognose zum Übersehen von Hochrisikozuständen kommen kann, die sich erst jenseits der zehn Jahre auswirken würden. Aufgrund dieser Kritik erfolgt für die geplante Studie im Bereich von kardiovaskulären Erkrankungen eine vergleichende Untersuchung verschiedener Darstellungen aus der Sicht betroffener Patienten sowie der beratenden Ärzte. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Darstellung Absolutes Risiko versus (ereignisfreier) Lebenszeit und Kosteninformationen für Medikamente.
Zielsetzungen und Fragestellungen
Ziel dieses Projektes ist eine Verbesserung der Risiko- und Kostendarstellung in einer weit verbreiteten Entscheidungshilfe für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insbesondere steht hierbei der Vergleich der Darstellung auf der Basis 1) des bislang verwendeten absoluten Risikos (10-Jahres-Prognose) und 2) der ereignisfreien Lebenszeit im Vordergrund des Forschungsvorhabens. Hierbei sind folgende Fragestellungen von besonderem Interesse: Welche Darstellung von Prognose und therapeutischen Effekten sind in der Patientenberatung besonders geeignet – absolutes Risiko oder Lebenszeit? Welche Akzeptanz und Auswirkungen hat eine Information von Behandlungskosten für den Patienten?
Methoden
Zunächst werden in Phase I verschiedene Darstellungen der Prognose für kardiovaskuläre Ereignisse sowie von Kosten und Nutzen der Behandlungen explorativ in der Beratung untersucht. Hierbei finden insbesondere die Aspekte zeitlicher Aufwand, Verständnis, Präferenz von Patienten und Ärzten Berücksichtigung. In Phase II werden mittels eines Fragebogen-Surveys die Präferenzen von Patienten und Ärzten eingeschätzt. Parallel zu Phase I und II erfolgt die Modellierung der Lebenszeitdarstellung über ein Markov-Modell. Schließlich erfolgt in Phase III in realen Beratungssituationen ein randomisierter 2x2-faktorieller Vergleich der die zwei Darstellungsformen „absolutes Risiko“ vs. „Lebenszeit“ sowie „mit oder ohne Kosteninformation“ in Bezug auf folgende Zielkriterien untersucht: Kongruenz zwischen Beratungsergebnis und Werten/Vorstellungen des Patienten (primär); Akzeptanz der Beratung durch den Patienten und Adhärenz des Patientenverhaltens. Die Ergebnisse können auf andere Krankheitsbilder und Behandlungsoptionen übertragen werden.
Ergebnisse
Das Projekt befindet sich in der Anfangsphase, daher liegen zurzeit noch keine Ergebnisse vor.
Diskussion
Siehe Ergebnisse.
Ausblick
Die verbesserte Beratung sowie eine damit einhergehende verbesserte Kongruenz von Ergebnis und den Wertvorstellungen des Patienten schlägt sich eventuell auch in einer niedrigeren Morbidität und Mortalität verschiedener Risikopopulationen nieder.
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