Gestufte bewegungsorientierte Rehabilitation und Nachsorge bei Patientenmit entzündlichen und nicht‐entzündlichen Erkrankungen des Bewegungssystems (boRN)
Projektleitung:
Prof. Dr. med. Wilfried Mau, Institut für Rehabilitationsmedizin, Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Projektdurchführung:
Dipl.‐Psych. Kerstin Mattukat, Institut für Rehabilitationsmedizin, MLU Halle‐Wittenberg
Kooperation:
Dr. Inge Ehlebracht‐König, Rehazentrum Bad Eilsen
Prof. Dr. Karin Kluge, Teufelsbad Fachklinik Blankenburg
Förderer:
DRV Bund
Förderkennzeichen:
0421-FSCP-Z237
Laufzeit:
01.12.2011 - 30.11.2013 (36 Monate)
Studienziel:
Das Projekt zielt mit einem synergistischen Interventionsansatz sowohl während als auch nach der medizinischen Rehabilitation auf nachhaltige Verbesserungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, Bewegungsaktivität und des sozialmedizinischen Verlaufs von Rehabilitanden mit den häufigsten chronischen entzündlichen und nicht‐entzündlichen Erkrankungen des Bewegungssystems.
Studiendesign:
Es handelt sich um eine multizentrische prospektive kontrollierte Studie mit sequenziellem Design. Die Daten werden im Ein‐Jahres‐Verlauf zu vier Messzeitpunkten (T1=Reha‐Beginn, T2=Reha‐Ende, T3=6 Monate nach Reha‐Ende, T4=12 Monate nach Reha‐Ende) im Rehazentrum Bad Eilsen und in der Teufelsbad Fachklinik Blankenburg erhoben. Insgesamt 630 Rehabilitanden mit nicht entzündlich‐bedingten chronischen Rückenschmerzen (RS) oder entzündlich‐rheumatischen Erkrankungen (chronische Polyarthritiden [cP] bzw. Spondyloarthritiden [SpA]) werden in der ersten Projektphase einer Kontrollbedingung und nach anschließender Implementierung des neuen Behandlungsprogramms einer Interventionsbedingung zugewiesen.
Aktuell ist die Kontrollphase in den Kooperationskliniken abgeschlossen und die Interventionsphase angelaufen. In der Kontrollgruppe laufen derzeit die T3-Befragungen.
Kontrollphase und Interventionsinhalte:
Die Teilnehmer in der Kontrollphase absolvierten das in den Reha‐Kliniken übliche Standardprogramm der konventionellen orthopädisch‐rheumatologischen Rehabilitation entsprechend ihrer jeweiligen Indikation. Zusätzlich wurde ein Gruppenbelastungstest pilotiert, der die körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten in Form eines Screenings erfasst (Fokus v.a. auf Kraft und Ausdauer). Die Ergebnisse dieser Tests zu Reha‐Beginn und am Reha‐Ende wurden u. a. durch die fachkompetente Einschätzung der Sporttherapeuten validiert und daraufhin Cut-Off-Werte gebildet, die der Einteilung der Patienten in moderat und intensiv leistungsfähige Personen dienen.
In der Interventionsphase erfolgt auf Grundlage der Ergebnisse des Belastungstests zu Reha‐Beginn, der Einschätzung der Sporttherapeuten und der ärztlichen Empfehlungen unter partizipativer Mitbestimmung der Patienten deren Zuweisung zu einer von zwei leistungsgestuften, geschlossenen, indikationsgemischten Trainingsgruppen mit systematischer Motivationsarbeit (moderate vs. intensive Trainingsgruppe). Die Inhalte des Gruppentrainings orientieren sich am bereits erfolgreich erprobten 90-minütigen KAKo-Training aus der 1. Förderphase und werden 8-mal während der stationären oder ambulanten Rehabilitation durchgeführt (jeweils 60 min). Ein spezieller Nachsorgebeauftragter pro Klinik übernimmt als kontinuierlicher Ansprechpartner sowohl während als auch nach der Rehabilitation die individuelle Beratung und Unterstützung der Rehabilitanden v. a. hinsichtlich bewegungsbezogener Fragen und Probleme. So wird zur Weiterführung von Bewegungsaktivitäten nach Reha‐Ende jeweils eine individuelle Trainingsvereinbarung geschlossen, die konkrete Pläne und ggf. bereits Ansprechpartner und/oder Termine bei Nachsorgeanbietern am Wohnort enthält. Mittels Anschreiben und Kopie dieser Trainingsvereinbarung wird der weiterbehandelnde Arzt in die umfassende Nachbetreuung der Patienten eingebunden. Innerhalb von sechs Monaten nach Entlassung erfolgen regelmäßige Impulse zur langfristigen Fortsetzung der geplanten Bewegungsaktivitäten vorrangig über neue Medien (SMS/E‐Mail), bei Bedarf auch per Telefon oder Brief. Eine telefonische Kontaktaufnahme zum Nachsorgebeauftragten zu festen Sprechzeiten ist möglich.
Erwarteter Nutzen und Umsetzung der Forschungsergebnisse:
Die Studienergebnisse bilden die Grundlage für den breiten Einsatz (a) eines einfach umzusetzenden Screenings der körperlichen Leistungsfähigkeit zur verbesserten Therapiesteuerung, (b) eines indikationsübergreifenden, leistungsbezogen gestuften Trainings sowie (c) der individuellen, partizipativen Planung und Förderung weiterführender Bewegungsaktivitäten während und nach der Rehabilitation. Dadurch soll eine langfristige Verbesserung der Aktivität und Teilhabe der betroffenen Patienten erreicht werden.
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