Suche:


Zoom = Maus über Bild bewegen | Bild hier öffnen

Download

Abschlussbericht

 

Kontakt

Dr. Karin Meng (Projektleitung)

Universität Würzburg

Abteilung Medizinische Psychologie, Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften
Klinikstraße 3

97070 Würzburg

Tel.: 0931-31-82074

E-Mail:

vorheriger Artikel  |  nächster Artikel

Patientenorientierte Schulungspraxis in der orthopädischen Rehabilitation durch Dissemination eines evaluierten Schulungsprogramms

Dr. Karin Meng, Dipl.-Sportwiss. Stefan Peters, Dipl.-Psych. Anja Schultze, Prof. Dr. Dr. Hermann Faller.

Universität Würzburg, Abteilung für Medizinische Psychologie und Psychotherapie, Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften

in Kooperation mit:

 

Förderzeitraum: 01.01.2011 – 31.12.2013, verlängert bis 30.06.2014

 

Hintergrund

Ein Ansatz zur Förderung einer patientenorientierten Schulungspraxis in der medizinischen Rehabilitation stellt die Dissemination evaluierter Schulungen dar. Studien zeigen, dass deren Implementierung eine Herausforderung für die Klinikroutine darstellt und häufig auch nicht vollständig gelingt. Programme werden nur zum Teil implementiert bzw. modifiziert, was deren Effektivität in der Routine in Frage stellt. Studien zum Vergleich von Implementierungsstrategien und zum Nachweis der Wirksamkeit in der Routineanwendung stehen für Schulungsprogramme in der medizinischen Rehabilitation weitgehend aus.

Mit dem Curriculum Rückenschule liegt ein patientenorientiertes standardisiertes Schulungsprogramm vor, das sich in einer randomisierten Kontrollgruppenstudie als wirksam erwiesen hat (http://www.psychotherapie.uni-wuerzburg.de/forschung/projekte-koop_12.html). Eine Dissemination in orthopädische Rehabilitationskliniken kann empfohlen werden

 

Ziele und Fragestellungen

Ziel des Projektes ist (A) die Prüfung der Wirksamkeit und Kosten von Implementierungsstrategien zur Dissemination eines Schulungsprogramms „Curriculum Rückenschule“ (implementation effectiveness) sowie (B) die Evaluation der Schulungswirksamkeit in der Routineanwendung (effectiveness) in Bezug auf eine patientenorientierte Schulungspraxis, den Patientenoutcome sowie die Kosteneffektivität (efficiency).

Hauptfragestellungen: (A) Mit welcher Implementierungsstrategie – Train-the-Trainer-Seminar oder Implementierungsleitfaden zum Manual – kann eine bessere Umsetzung der Schulung in Bezug auf Inhalte und patientenorientierte Didaktik sowie eine höhere Patientenzufriedenheit erzielt werden? (B) Können nach Dissemination einer standardisierten Schulung in die Routineanwendung bessere Schulungseffekte kurz-, mittel- und langfristig nach der Rehabilitation erzielt werden?

 

Studiendesign/Methoden

Effectiveness-Studie (B) mit integrierter Disseminationsstudie (A)

(A) Disseminationsstudie in 10 Rehabilitationskliniken mit quantitativer und qualitativer Struktur- und Bedarfsanalyse, Prozess- und Ergebnisforschung.

(B) Multizentrische, quasi-experimentelle Kontrollgruppenstudie mit 4 Messzeitpunkten (Reha-Beginn, Reha-Ende, 6- und 12-Monats-Katamnese) und 535 Rückenschmerzpatienten (Heilverfahren; ICD-10: M51, M53, M54) in 4 der 10 Kliniken.

 

Methoden - Studienteil A

Eine Disseminationsstudie mit quantitativer und qualitativer Struktur- und Bedarfsanalyse, Prozess- und Ergebnisforschung wurde in 10 Rehabilitationskliniken durchgeführt. Die Studie umfasst eine Prä-Implementierungsphase von 6 Monaten sowie eine Implementierungsphase und eine Phase der Routineanwendung von jeweils 3 Monaten. In der Prä-Implementierungsphase wurden Implementierungsdeterminanten mittels Struktur- und Bedarfsanalyse (T0) erfasst. Prozessdaten wurden in der Implementierungsphase unmittelbar nach den Implementierungsinterventionen (T1) sowie 4 und 12 Wochen nach den Interventionen (T2, T3) erhoben. Im Anschluss wurde das Implementierungsergebnis in der Routinephase ermittelt (T4). Die beiden Interventionen (TTT, LF) wurden jeweils 5 Kliniken randomisiert zugewiesen. Das TTT ist eine interaktive, interdisziplinäre in-house-Schulung an zwei halben Tagen. Der LF beinhaltet Informationen zu organisatorischen Rahmenbedingungen und zur Schulungsdurchführung und wird durch ein Implementierungsgespräch begleitet. Der Hauptzielparameter ist das Implementierungsergebnis/die Implementierungsgüte, d. h. das Ausmaß, indem das Programm wie im Manual geplant umgesetzt wird. Schulungsleiter und Patienten bewerteten die Schulungsdurchführung jeweils im Anschluss an die Schulungsmodule mittels Fragebögen. Einige Schulungsmodule wurden durch Beobachter mit strukturierten Beobachtungsbögen bewertet (T4). Zusätzlich wurde mit einem halbstrukturierten Interview die strukturelle Einführung der Rückenschule in jeder Klinik erfasst (T3).

 

Ergebnisse - Studienteil A

9 der 10 Kliniken haben die Rückenschulung eingeführt. Die strukturelle Implementierung von Kernelementen erfolgte zu 60% nach Manual, 27% mit geringen Anpassungen und 13% mit größeren Anpassungen.

Die Schulungsleiter in den TTT-Kliniken bewerten die patientenorientierte Schulungsumsetzung und die Lernzielerreichung in den Schulungsmodulen signifikant besser als die Schulungsleiter in den LF-Kliniken. In den drei Beobachtungsindices zeigen sich keine Unterschiede zwischen TTT- und LF-Kliniken in der Schulungsumsetzung. Die Patienten in den TTT-Kliniken bewerten die patientenorientierte Schulung signifikant besser als die Patienten in den LF-Kliniken; auch bei den offenen Rückmeldungen besteht ein vergleichsweise höherer Anteil von positiven in Relation zu negativen Nennungen zur patientenorientierten Schulungspraxis.

Insgesamt konnte gezeigt werden, dass einige Vorteile für ein interaktives Train-the-Trainer Seminar im Vergleich zu einem schriftlichen Leitfaden bestehen. Die strukturelle Schulungs-einführung konnte insgesamt als erfolgreich bewertet werden, auch wenn Anpassungsmöglichkeiten genutzt wurden, um strukturelle Barrieren zu überwinden und die Akzeptanz zu erhöhen. Aus den qualitativen und quantitativen Prozessdaten konnten Förderfaktoren und Barrieren einer Programmimplementierung abgeleitet werden.

 

Methoden - Studienteil B

Die Wirksamkeit in der Routineanwendung wurde in einer prospektiven, quasi-experimentellen Kontrollgruppenstudie mit 4 Messzeitpunkten (Reha-Beginn, -Ende, 6- und 12-Monats-Katamnese) in 4 der 10 Kliniken geprüft. Rehabilitanden mit chronischen Rückenschmerzen (n = 535; ICD-10: M51, M53, M54; Heilverfahren) wurden rekrutiert und konsekutiv zunächst der Kontrollbedingung (KG; bisherige Rückenschulung der Klinik, usual care) zugewiesen. Im Anschluss erfolgte die begleitete Programmimplementierung (vgl. Studienteil A). Nach deren Abschluss wurde als Interventionsbedingung (IG) das neu implementierte Curriculum Rückenschule in der Routineanwendung durchgeführt. Primäre Zielkriterien sind das Krankheits-/Behandlungswissen sowie die Durchführung von Rückenübungen. Sekundäre Zielkriterien sind Motivation und Volition zu körperlicher Aktivität, schmerzbezogene Kognitionen, körperliche Aktivität, rückenbezogenes Verhalten, Schmerzbewältigung, Schmerz, Funktionsfähigkeit, subjektive Gesundheit sowie Schulungszufriedenheit.

 

Ergebnisse - Studienteil B

Mittel- und langfristig bestehen signifikante, kleine Gruppenunterschiede (KG, IG) in einem der beiden primären Zielkriterien. Patienten der IG weisen ein höheres Krankheits-/Behand­lungswissen auf als Patienten der KG. Für die Durchführung von Rückenübungen zeigen sich keine bedeutsamen Gruppenunterschiede. Tendenziell zeichnet sich allerdings eine Interaktion mit dem Geschlecht ab; bei Männern liegt mittel- bis langfristig eine höhere Durchführung von Rückenübungen in der IG vor. Des Weiteren bestehen signifikante, kleine Gruppenunterschiede zugunsten der IG in einigen sekundären Zielparametern.

Bei der Bewertung der Ergebnisse ist die Heterogenität der 4 Kliniken bzgl. der Umsetzung des standardisierten Curriculums und der bisherigen Rückenschulung zu berücksichtigen. Dennoch konnten Interventionseffekte der neu eingeführten Rückenschulung im kurz-, mittel- und langfristigen Patientenergebnis hinsichtlich einiger primärer und sekundärer Zielparameter nachgewiesen werden. Insgesamt kann daher eine weitere Dissemination des Programms empfohlen werden. Ähnliche Ergebnisse sind für andere Schulungsprogramme anzunehmen, müssten aber im Einzelfall geprüft werden.

 

Transfer

Die entwickelten Implementierungsinterventionen können zur weiteren Programmdissemination bzw. zur Schulungsleiterfortbildung in der orthopädischen Rehabilitation genutzt werden. Hinsichtlich der Verstetigung wurde Kontakt mit dem Verein Zentrum Patientenschulung und der DRV Bund aufgenommen. Seit 2015 wird ein TTT zum Curriculum Rückenschule über die Fortbildungsreihe der DRV Bund und den Verein Zentrum Patientenschulung angeboten. Der LF wurde als ergänzendes Material zum Schulungsmanual auf der Internetseite des „Curriculum Rückenschule“ eingestellt und steht zur freien Verfügung. Abschließend werden Empfehlungen zur Dissemination von Schulungsprogrammen abgeleitet und veröffentlicht. (weitere Information unter: http://www.psychotherapie.uni-wuerzburg.de/forschung/projekte-koop_12.html).

 

Publikationen


Zeitschriftenbeiträge

 

Publizierte Abstracts

 

Kooperationskliniken




< NaSo II - Materialien  |  VMO VBT - Pfeifer >