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Prof. Dr. E. Farin-Glattacker

Universitätsklinikum Freiburg

Abt. Qualitätsmanagement und Sozialmedizin

Engelbergerstr. 21

79106 Freiburg

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Entwicklung und Evaluation einer Patientenschulung zur Förderung der Gesundheits-kompetenz von chronisch Kranken (Projekt GeKo)

Laufzeit März 2011 – Mai 2014  

 

Ziele des Projekts

Das zentrale Ziel des Projekts bestand aus der Entwicklung und Evaluation einer Basisschulung zur Förderung der Gesundheitskompetenz (Health Literacy, kurz: HL), die im Vorfeld bzw. parallel zu anderen Patientenschulungen in der Rehabilitation durchgeführt werden kann. Die Schulung richtet sich insbesondere an Personen mit geringer HL; es sollte aber auch bei anderen Personen ein Erfolg feststellbar sein.

Im Rahmen einer kontrollierten Studie wurde im Kontext der stationären medizinischen Rehabilitation die Hypothese untersucht, ob die in den Rehabilitationseinrichtungen zusätzlich durchgeführte Basisschulung zu einem höheren Erfolg als „usual care“ (die üblichen Patientenschulungen in der Rehabilitation) führt. Als sekundäre Ziele sollten Patienten-Fragebogen entwickelt und psychometrisch geprüft werden (COHEP- und HELP-Fragebogen), mit denen die von den Rehabilitanden wahrgenommene schulungsbezogene HL und die Passung von Schulungsanforderungen zur eigenen HL erfasst werden können.

 

Projektergebnisse

Im Rahmen des Projekts wurden Erkenntnisse zu mehreren wichtigen Aspekten des Themas Gesundheitskompetenz von chronisch Kranken gewonnen:

 

a) die Verständlichkeit von Patientenschulungen in der orthopädischen Rehabilitation

 

b) die Rollenvorstellungen von Patienten bezüglich Patientenschulungen in der orthopädischen Rehabilitation

 

c) Entwicklung und psychometrische Prüfung von zwei Fragebögen zur Erfassung der wahrgenommenen Verständlichkeit von Schulungen und zur Messung von schulungsbezogener HL

 

d) Entwicklung und Evaluation (formativ und summativ) der Patientenschulung „Aktiv in der Reha“

 

Im Folgenden wird kurz auf diese vier Themenbereiche eingegangen:

 

a) Im Rahmen einer qualitativen Vorstudie wurden Patienten- und Schulungsleiterfokusgruppen in neun Rehabilitationseinrichtungen durchgeführt. Die inhaltsanalytische Auswertung der Interviews ergab ein hierarchisches Kategoriensystem, das insgesamt 6 Oberkategorien und dazugehörige Unterkategorien erfasste. Insgesamt wurden 1722 Patientenaussagen und 867 Schulungsleiteraussagen kodiert und für die Analyse berücksichtigt. Darüber hinaus führte die Auswertung der Gruppeninterviews zur Generierung von Vorschlägen wie die Verständlichkeit von Patientenschulungen in der Rehabilitation verbessert werden kann (siehe Nagl et al., 2013).

 

b) Trotz des hohen Stellenwerts des aktiven Patienten im Gesundheitssystem und in der Rehabilitation, wird die Patientenperspektive in der Fachliteratur zur Patientenzentrierung selten beachtet und bisher ist nur wenig darüber bekannt, wie Patienten ihre Rolle in Patientenschulungen innerhalb von Rehabilitationsmaßnahmen erleben. Mit sechs Patientenfokusgruppen der qualitativen Vorstudie (siehe Abschnitt a) wurde daher eine Auswertung mit einer neuen Fragestellung und Methodik (Interpretative phänomenologische Analyse; kurz: IPA) umgesetzt. Durch die Analyse der Daten identifizierten wir drei Überthemen: "Rolle des Patienten während der Schulung/des Rehabilitationsaufenthalts", "Interaktion zwischen Merkmalen der Schulung und des Patienten" und "Rolle des Patienten nach der Schulung/dem Rehabilitationsaufenthalt". Die Analyse lieferte darüber hinaus Hinweise für die Entwicklung, Implementierung und Durchführung von Schulungen (siehe Schöpf et al., im Druck).

 

c) Mit der quantitativen Vorstudie, für die eine Fallzahl von N=577 Personen zur Verfügung stand, konnten zwei Instrumente (COHEP- und HELP-Fragebogen) erarbeitet werden, die sehr gute psychometrische Eigenschaften aufweisen. Beide Fragebögen können im Kontext der Untersuchung von HL eingesetzt werden, um die wahrgenommene Verständlichkeit von Patientenschulungen sowie die von den Rehabilitanden wahrgenommene schulungs­bezogene HL zu erfassen. Besonders hervorzuheben ist, dass beide Instrumente zur inhaltsanalogen Erfassung von Verständlichkeit und HL geeignet sind, so dass die Möglichkeit des parallelen Einsatzes beider Instrumente auf Organisationsebene besteht und somit die Passung von Schulungen zur HL des Patienten untersucht werden kann. Im Downloadbereich stehen Formulare zur Verfügung, mit denen man die beiden Instrumente kostenfrei anfordern kann.

 

d) Das zentrale Ergebnis des Projekts bestand aus der Entwicklung, Manualisierung, Implementierung und Evaluation einer patientenorientierten Schulung zur Förderung der Gesundheitskompetenz („Aktiv in der Reha“), die inklusive Begleitmaterialien Interessenten digital kostenfrei zur Verfügung steht (http://www.uniklinik-freiburg.de/aqms/projekte/versorgungsforschung/geko.html) ein Anforderungsformular steht auch im Downloadbereich dieser Website). Die Patientenschulung besteht aus vier thematisch aufeinander aufbauenden Modulen, die jeweils 60 Minuten dauern. Im Rahmen der 4 Module werden insgesamt drei zentrale Themen der Rehabilitation behandelt: „Das bio-psycho-soziale Krankheitsmodell“, „Eigene Reha-Ziele entwickeln“ und „Die Kommunikation mit Behandlern“. Die formative Evaluation zeigte, dass die Gesamtbewertung der Schulungs­module im guten bis sehr guten Bereich lag, d. h. akzeptiert wird und bei Patienten wie Schulungsleitern auf Bedarf trifft. Besonders positiv wurde dabei das Thema der Patient-Behandler-Kommunikation bewertet (siehe Ullrich et al., 2015). Zur summativen Evaluation liegen erste Ergebnisse vor, die erfreulich ausfallen. Nach der Anwendung der Propensity Score Matching-Methode zeigte sich, dass kurzfristig (zu Reha-Ende) die Interventionsgruppe mit der GeKo-Schulung bei 16 von 21 Outcome-Variablen besser abschneidet. In 4 Fällen ist dieser Unterschied auch statistisch signifikant. 3 Monate nach der Rehabilitation schneidet die Interventionsgruppe sogar bei 19 von 21 Outcome-Variablen besser ab; signifikant ist dieser Unterschied bei 3 Variablen.

 

Die positiven Resultate der Evaluation und die Tatsache, dass das Modul eines kompetenten Kommunikationsverhaltens der Patienten besonderen Anklang fand, haben dazu geführt, dass im Rahmen eines teilweise parallelen Vorhabens das Kommunikationsmodul ausgebaut und im Kontext von Selbsthilfegruppen (Region Südbaden) chronisch Kranker angeboten und eingesetzt wurde. Diese Form der Verwertung der Forschungsergebnisse war erfolgreich (Schmidt E, Schöpf A, Farin E. Arzt-Patient-Kommunikation: Schulung stärkt die Patienten. Deutsches Ärzteblatt 2014, 111(39): A-1646 / B-1414 / C-1346).

 

Schriftpublikationen

 

Tagungs-/ Kongressbeiträge

 




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