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Kontakt

Dr. Mirjam Körner

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Abteilung Medizinische Psychologie

Hebelstr. 29

79104 Freiburg      

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Entwicklung und Evaluation eines Konzepts zur patientenorientierten Teamentwicklung in Rehabilitationskliniken (PATENT)

Projektleiterin: Dr. Mirjam Körner, Universität Freiburg

 

Stand des Projektes März 2016

 

Hintergrund und Zielsetzung

In der medizinischen Rehabilitation besteht, wie auch in den anderen Bereichen der medizinischen Versorgung, die Notwendigkeit, aus dem bislang arztorientierten System ein patientenorientiertes System zu entwickeln. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen fordert 2007 durch eine Orientierung am Ablauf der Behandlung der Patienten neue Kooperationsformen und eine bessere Integration der Behandlungsbausteine. Im Memorandum Kooperation der Gesundheitsberufe (Robert Bosch Stiftung, 2010) wird eine Neuausrichtung des Versorgungsprozesses an der Patientenperspektive gefordert. Um sowohl die interprofessionelle Teamarbeit als auch die Patientenorientierung in Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation zu stärken, war

Ziel der Studie die Entwicklung, Implementierung und Evaluation eines Konzepts zur patientenorientierten Teamentwicklung.

 

Methodik und Ergebnisse

In der Pilotstudie zur Entwicklung der Intervention konnten durch Experten- und Gruppeninterviews sowie Fokusgruppen aus den Aussagen der Leitungen, Mitarbeiter und Patienten aus fünf Kliniken Anliegen an die Teamentwicklung identifiziert werden. Da diese sehr heterogen waren, wurde eine klinikspezifische Herangehensweise gewählt. Der entwickelte Ansatz passt sich somit an den Bedarf und die inhaltlichen Anliegen der Klinken individuell an, ist aber hinsichtlich des methodischen Vorgehens (Auftragsklärung, Zielfindung, Lösungsentwicklung und Abschluss) standardisiert. Die Teamentwicklung umfasst so insgesamt 3-5 Termine à ca. 2 Stunden. Nähere Informationen zum Teamentwicklungskonzept können Sie dem Flyer entnehmen.

In der Hauptstudie wurde die Teamentwicklung in fünf Kliniken durchgeführt, fünf weitere dienten als Kontrollgruppe. Die Evaluation erfolgte in einer multizentrischen cluster-randomisierten kontrollierten Studie mit zwei Messzeitpunkten sowie einer Prozessevaluation. Für die Prozessevaluation liegen n = 52 Evaluationsbögen nach Beendigung der Intervention vor.
Drei der fünf Interventionskliniken zeigten hier positive bis sehr posi­tive Ergebnisse. Mitarbeiter lobten die Moderation und die dadurch resultierenden Diskussion des Teams, die erarbeiteten Materialien zur langfristigen Umsetzung sowie den offenen Austausch im Team. Vergleicht man diese Teams, in denen die Teamentwicklung sehr gut bewerte­t wurde  mit den Teams, in welchen sich keine deutlichen Verbesserungen durch die Teamentwicklung abzeichneten, so zeigen sich in allen Bereichen signifikante Unterschiede in der Bewertung. Die fehlenden positiven Effekte der Teamentwicklung in zwei Kliniken lassen sich mithilfe der Freitextangaben der Mitarbeiter erklären. So wurde einerseits durch die Teamentwicklung ein bestehender und durch Teamentwicklung nicht lösbarer Konflikt aufgedeckt. In der zweiten Klinik sahen die Mitarbeiter keine Veränderung durch die Teamentwicklung, da sie nach nur einem Termin entschieden, keine weitere Teamentwicklung zu benötigen, weil sie den Stand der interprofessionellen Teamarbeit in ihrer Klinik als gut einschätz­ten.

Die abschließende Ergebnisevaluation fand in einer cluster-randomisierten kontrollierten Studie statt. Hierfür wurden vor sowie nach der Intervention Patienten- und Mitarbeiterbefragungen durchgeführt. Aus der Befragung der prä- beziehungsweise post-Messung liegen n = 466 (n = 567) Patientenfragebögen aus neun Kliniken (in einer neurologischen Klinik konnten aufgrund der kognitiven Einschränkungen der Patienten keine Patientenbefragungen durchgeführt werden) sowie n = 306 (n = 226) Mitarbeiterfragebögen aus 10 Kliniken (5 Interventions- und 5 Kontrollkliniken) vor. Die Teamentwicklung führte demnach aus Sicht der Mitarbeiter zu einer Verbesserung der Teamorganisation, Wissensintegration und Verantwortungsübernahme. Darüber hinaus konnte mit Hilfe der Teamentwicklung in einigen Kliniken auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter verbessert und die Kündigungsabsicht reduziert werden.

 

Umsetzung der Projektergebnisse in die Praxis

Das Projekt PATENT wurde von der Prognos AG bezüglich der Umsetzung der Projektergebnisse in die Praxis bzw. des Transfers der Intervention in das Gesundheitsversorgungssystem unterstützt. Für die Verbreitung des Ansatzes in weiteren Rehabilitationskliniken wurde ein Flyer zum Teamentwicklungskonzept entwickelt. Für eine nachhaltige Dissemination in die Praxis wurde ein Manual erstellt und ein Trainingskonzept zum Teamentwicklungsansatz wird konzipiert, welches in einer Folgestudie evaluiert werden soll.

 

Literatur:




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