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Kontaktdaten

Dr. Manuela Glattacker

Institut für Qualitätsmanagement und Sozialmedizin Universitätsklinikum Freiburg Engelbergerstraße 21

79106 Freiburg

Tel.: +49 (0)761 270-36940

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„Förderung der Selbstregulation von Patientinnen und Patienten mit chronischen Krankheiten (SELF)“

Förderung: Deutsche Rentenversicherung Bund

Förderzeitraum: 01.05.2011 bis 30.06.2014

Projektleitung: Dr. Manuela Glattacker

 

Das Projekt SELF setzte das in der ersten Phase des Förderschwerpunkts „Versorgungsnahe Forschung“ geförderte Projekt „Bedarfsgerechte Patienteninformation auf der Basis subjektiver Konzepte (SubKon)“ fort. Ziel des SELF-Projekts war es, eine Intervention zu entwickeln, die darauf abzielt, die Patienteninformation stärker auf die subjektiven Erklärungsmodelle von RehabilitandInnen über Krankheit und Behandlung zuzuschneiden. Hierdurch sollten Ansatzpunkte gefunden werden, um die Selbstregulation von Patienten mit (1) chronischen Rückenschmerzen und (2) depressiven Störungen in Bezug auf die Erkrankung und Behandlung möglichst optimal zu unterstützen und zu fördern. Die Interventionsentwicklung griff auf die Theorie des Common Sense-Selbstregulationsmodells (CSM) von Howard Leventhal und Kollegen zurück. Unter Berücksichtigung der zentralen Komponenten dieses Modells sollte die zu entwickelnde Intervention zur Patienteninformation drei Aspekte berücksichtigen: 1. die subjektiven Krankheits- und Behandlungskonzepte der RehabilitandInnen, 2. die bisherigen patientenseitigen Versuche zur Krankheitsbewältigung und 3. die Bewertung der bisherigen Versuche zur Krankheitsbewältigung.

 

In der Umsetzung des Projekts wurde zunächst von Juni 2011 bis Dezember 2011 im Rahmen einer Vorstudie in Ergänzung zu etablierten Fragebögen zu subjektiven Krankheits- und Behandlungskonzepten ein ebenfalls auf der Theorie des CSM basierender Itempool zur Operationalisierung des patientenseitigen Bewältigungsverhaltens (action plans) und dessen Bewertung entwickelt. Die Fragebogeninhalte wurden multimodal erarbeitet, nämlich theorie- bzw. literaturbasiert sowie unter Nutzung vorliegender Assessmentinstrumente und diagnosebezogener leitfadengestützter Patienten- und Behandlerfokusgruppen. Als Ergebnis konnte für beide Diagnosegruppen (chronischer Rückenschmerz und depressive Störungen) ein umfassender, diagnosespezifischer Itempool zur differenzierten Erfassung des patientenseitigen Bewältigungsverhaltens und dessen Bewertung vor, während und nach der Rehabilitation entwickelt werden.

 

In einem nächsten Schritt wurden die neu entwickelten Instrumente zwischen Februar und November 2012 anhand einer Stichprobe von N=203 Patienten mit chronischem Rückenschmerz und N=210 Patienten mit depressiver Störung einer umfassenden psychometrischen Prüfung unterzogen. Dabei zeigte sich, dass für den Fragebogen der Diagnosegruppe „Chronische Rückenschmerzen“ eine Skalenbildung möglich war. Für den Fragebogen der Diagnosegruppe „Depressive Störungen“ hingegen war keine Skalenbildung sinnvoll. Auf Ebene der Einzelitems zeigten sich jedoch in beiden Diagnosegruppen zufriedenstellende Verteilungseigenschaften. Eine wesentliche Stärke des Fragebogens liegt weiterhin in der Struktur und Formulierung seiner Items, welche die Erfassung sowohl von individuellen patientenseitigen Bewältigungsstrategien, als auch von deren Zielen und der Bewertung der Zielerreichung ermöglicht.

 

Ein weiteres wesentliches Arbeitspaket war von Januar 2012 bis April 2013 die konzeptionelle Weiterentwicklung der „SubKon-Intervention“ (zur „SELF-Intervention“). Hierfür wurde zunächst literaturgestützt bzw. theoriebasiert das Interventionskonzept weiterentwickelt, welches anschließend mit N=20 Behandlern aus vier Kooperationskliniken im Rahmen von Expertengruppen diskutiert und adaptiert wurde. Durch die Ergebnisse der Literaturrecherchen und Expertengruppen konnten entscheidende Hinweise für die Weiterentwicklung gewonnen werden. Das Konzept der SELF-Intervention wurde anschließend in einem Interventionsmanual hinterlegt.

 

Zwischen Juli 2013 und März 2014 wurde die Intervention in zwei orthopädischen und zwei psychosomatischen Rehabilitationseinrichtungen implementiert und formativ evaluiert. Ziel der Evaluation war es, einen vertieften Einblick in den Prozess der Implementation der Intervention zu erhalten, und dabei schwerpunktmäßig sowohl die Machbarkeit der Intervention im Klinikalltag (Behandlereinschätzung) als auch den wahrgenommenen Nutzen der Intervention und deren Akzeptanz (Rehabilitanden- und Behandlereinschätzung) zu evaluieren. In einem ersten Schritt wurden dazu Telefoninterviews mit N=16 teilnehmenden Behandlern durchgeführt. In einem zweiten Schritt wurden leitfadengestützte Interviews mit Behandlern (N=15) und Rehabilitanden (N=17) durchgeführt. Die Auswertung der Interviews erfolgte in Anlehnung an den qualitativ-inhaltsanalytischen Ansatz von Mayring (2008) mithilfe der Analysesoftware Atlas.ti (Muhr, 2007). Des Weiteren wurde eine Fragebogenerhebung mit N=88 RehabilitandInnen durchgeführt. Darüber hinaus wurden auch N=27 teilnehmende Behandler mittels Fragebogen befragt. In einem Dokumentationsbogen zur Intervention dokumentierten und bewerteten sie die Intervention für jeden einzelnen Patienten. Am Ende der Studienphase füllten die Behandler zudem noch einen Abschlussfragebogen zur Gesamtbewertung der Intervention aus. Aus der qualitativen und quantitativen Evaluation der Intervention liegen vielfältige Hinweise zur Implementation, Machbarkeit und Akzeptanz der Intervention vor. Die Ergebnisse der Evaluation aus beiden Zugangswegen (qualitativ und quantitativ) ergänzen sich dabei zu einem stimmigen Bild. So geben die Ergebnisse beispielsweise Hinweise, dass bzgl. der Umsetzung der interventionsrelevanten Themenbereiche in beiden Indikationen eine gute Treatment-Integrität erreicht werden konnte. Die Intervention wurde außerdem in beiden Indikationen von den teilnehmenden Rehabilitanden und Behandlern hinsichtlich der Förderung einer patientenorientierten Behandlungsgestaltung als positiv bewertet, was u.E. als Hinweis auf positive Effekte der gemäß des Interventionsrationales intendierten „Maßschneiderung“ von Reha-Behandlungsaspekten gewertet werden kann. Hinsichtlich der Implementation und der Machbarkeit konnten sechs zentrale Erkenntnisse gewonnen werden: 1) Implementationsbarrieren auf organisationaler Ebene wurden erfolgreich berücksichtigt, 2) Implementationsbarrieren auf persönlicher Ebene spielen eine wichtige Rolle, 3) Implementationsbarrieren beeinflussen die Nutzeneinschätzung und die Akzeptanz der Intervention, 4) die Ergebnisse des SELF-Projekts tragen zu einem vertieften Verständnis der Ergebnisse des Vorgänger-Projekts SubKon bei, 5) die Ergebnisse des SELF-Projekts liefern Hinweise auf inhaltliches Weiterentwicklungspotential der Intervention und 6) die Ergebnisse des SELF-Projekts liefern Hinweise auf Weiterentwicklungspotentiale im Hinblick auf das Forschungsdesign.

 

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