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Kontakt

Dr. Karla Spyra

Charité – Universitätsmedizin Berlin
Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft,
Bereich Rehabilitationsforschung

Luisenstr. 13 A

10098 Berlin

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Women@work – ein geschlechtersensibles Schulungsmodul zur Bewältigung von Arbeit-Familie-Konflikten und beruflichen Belastungssituationen erwerbstätiger Frauen

Projektleitung

Prof. Dr. Karla Spyra

 

Laufzeit des Vorhabens

01. Januar 2011 bis 30. September 2014

 

Zusammenfassung

Die Studie „Women@work“ umfasst drei Hauptarbeitspakte, die im Rahmen der dreijährigen Projektlaufzeit erarbeitet wurden.

 

  1. 1.    Berufsorientierte Patientenschulung für erwerbstätige Frauen

Das primäre Ziel der Studie war die Entwicklung und Implementierung einer frauenspezifischen berufsorientierten Patientenschulung für erwerbstätige Frauen im Rahmen der orthopädischen Rehabilitation (1. Studienphase) und die Überprüfung ihrer Wirksamkeit im Rahmen einer clusterrandomisierten Studie (2. Studienphase). Das konzipierte Schulungsmodul beinhaltet 5 Sitzungen, in denen unter besonderer Berücksichtigung von Arbeit-Familie-Konflikten und frauentypischen Belastungen im Erwerbsleben, Strategien zur Bewältigung besonderer beruflicher Problemlagen erarbeitet werden. Im Rahmen der Wirksamkeitsstudie nahmen Teilnehmerinnen der Interventionsgruppe neben ihrer regulären orthopädischen Rehabilitation an diesem Programm teil. Teilnehmerinnen der Kontrollgruppe durchliefen ebenfalls eine orthopädische Rehabilitation und absolvierten statt des frauenspezifischen Stressbewältigungsprogramms ein niedrigschwelliges Angebot aus der Physio- oder Ergotherapie. Die Genauigkeit bei der Umsetzung der untersuchten Intervention war hoch. Die Gesamtdosis der während der Rehabilitation erbrachten Therapien war in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar. 12 Monate nach Rehabilitationsende zeigten sich hinsichtlich der selbst eingeschätzten Arbeitsfähigkeit keine Unterschiede zwischen beiden Behandlungsgruppen. Zwar hatten Teilnehmerinnen der Interventionsgruppe am Rehabilitationsende höheres Wissen sowohl über Stressrisiken und -reaktionen als auch Stressbewältigungsstrategien und berichten nach 6 Monaten eine günstigere Leistungsfähigkeit im Alltag und in der Freizeit, davon abgesehen aber zeigten sich auch hinsichtlich der sekundären Zielkriterien keine Unterschiede zugunsten der Interventionsgruppe.

 

  1. 2.    Checkliste zur Erfassung von Belastungen erwerbstätiger Frauen

Die meisten arbeitsplatzbezogenen Stressbewältigungsprogramme erfragen ausschließlich Konflikte und Belastungen am Arbeitsplatz und ignorieren z. B. Rollenkonflikte oder Beanspruchungssituationen, die mit der vertikalen und horizontalen Segregation auf dem Arbeitsmarkt einhergehen. Ziel unserer Studie war es daher, eine Checkliste frauenspezifischer Belastungen im Erwerbsleben zu erarbeiten, die diese Konflikte mitberücksichtigt.

Die Checkliste wurde mehrstufig und multimethodisch entwickelt. Die qualitativ-inhaltsanalytische Herleitung der Items aus den fünf Fokusgruppen mit Rehabilitandinnen der beteiligten Rehabilitationszentren stellte sicher, dass die Items der Checkliste die Perspektive der betroffenen Frauen berücksichtigen und Ausdruck ihrer Lebenswirklichkeit sind. Die anschließende quantitative Erhebung in einer multizentrischen Stichprobe ermöglichte die Konstruktion eines validen selbst zu bearbeitenden Messinstruments. Die Checkliste umfasst 15 Items und ist ein ökonomisches Instrument zur Erfassung gesundheitsrelevanter erwerbsbezogener sowie familiärer und häuslicher Stressoren.

 

  1. 3.    Übersetzung und Validierung des WFCQ

Die steigende Beschäftigungsquote von Frauen erhöht angesichts der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse die Wahrscheinlichkeit von Problemen bei der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit. Für die Messung derartiger Konflikte, so genannte Arbeit-Familie-Konflikte (work-family conflicts), gibt es international eine Reihe verschiedener Instrumente.

Der Work-Family Conflict Questionnaire (WFCQ) von Kelloway, Gottlieb und Barham (1999) unterscheidet neben der reziproken Beziehung von Arbeit-Familie-Konflikten (Arbeit auf Familie, Familie auf Arbeit) zudem eine zeitliche und eine beanspruchungsbezogene Dimension und berücksichtigt vier Skalen: zeitliche und beanspruchungsbezogene Auswirkungen Arbeit/Familie sowie zeitliche und beanspruchungsbezogene Auswirkungen Familie/Arbeit.

Um den WFCQ auch für deutsche Forscher zugänglich zu machen, haben wir diesen ins Deutsche übersetzt und validiert. Die Ergebnisse legen nahe, dass es sich bei der deutschen Version des WFCQ um ein valides Instrument zur Feststellung von Arbeit-Familie-Konflikten handelt, mit dem sich sowohl die gesundheitlichen Folgen von Arbeit-Familie-Konflikten als auch der Einfluss eines schlechten Gesundheitszustands auf die Balance von Arbeits- und Familienleben untersuchen lässt.

 

Diskussion und Fazit

Das frauenspezifische Stressbewältigungsprogramm zeigte im Vergleich zum Programm der Kontrollgruppe keinen langfristigen zusätzlichen Nutzen für Arbeitsfähigkeit oder andere erhobene sekundäre Zielkriterien wie z. B. subjektive Gesundheit, Stress, Depression und Angst. Problematisch war die Heterogenität der Frauen bezüglich Alter, Bildung und Berufsgruppen, die sich häufig negativ auf die Gruppenarbeit auswirkte. Allerding wurde die Akzeptanz und Zufriedenheit mit diesem Programm oft sehr hoch bewertet. Differenzierte Angebote sollten ggf. auf andere Faktoren als das Geschlecht abzielen, um eine stärkere Individualisierung im Interesse der Rehabilitandinnen zu erreichen. Psychosoziale Programme, die eine Einstellungs- bzw. Verhaltensänderung bewirken sollen, müssten mit einem Nachsorgeprogramm kombiniert werden. Auch muss man sich bewusst werden, dass nicht alle Ziele individuell umzusetzen sind, da es sich oft um strukturelle Probleme handelt, die wahrscheinlich nur durch eine gezielte Verbesserung der Arbeit-Familie-Kultur in den Betrieben selbst (z. B. Einrichtung von betrieblichen Kindertagesstätten oder einem betrieblichen Gesundheitsmanagement) gelöst werden können. Auch sollte darüber nachgedacht werden, ob das entwickelte Programm nicht gleichermaßen auch für Männer angeboten wird, da Arbeit-Familie-Konflikte in der heutigen Zeit durchaus kein Problem sind, welches nur Frauen betrifft.

Die erarbeitete Checkliste zur Erfassung von Belastungen erwerbstätiger Frauen konnte als ein ökonomisches Instrument zur Erfassung gesundheitsrelevanter erwerbsbezogener sowie familiärer und häuslicher Stressoren bestätigt werden. Gleiches gilt für die deutsche Übersetzung des WFCQ. Zudem konnten wir bestätigen, dass es sich bei der deutschen Version des WFCQ um ein valides Instrument zur Feststellung von Arbeit-Familie-Konflikten handelt. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die mit der Checkliste erhobenen Belastungen und die mit dem WFCQ erfassten Arbeit-Familie-Konflikte für Männer heutzutage nicht gleichermaßen relevant sind.

 

Zeitschriftenbeiträge

 

Tagungs-/Kongressbeiträge

 

Teilnehmende Rehabilitationseinrichtungen

 

Die Studie ist registriert im Deutschen Register Klinischer Studien (DRKS00005160).

https://drks-neu.uniklinik-freiburg.de/drks_web/




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