Women@work – ein geschlechtersensibles Schulungsmodul zur Bewältigung von Arbeit-Familie-Konflikten und beruflichen Belastungssituationen erwerbstätiger Frauen
Projektleitung: Dr. Karla Spyra, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Arbeit-Familie-Konflikte stellen sowohl für Frauen als auch für Männer einen Risikofaktor dar, der Zusammenhang zwischen entsprechenden Konflikten und gesundheitsbezogenen Beeinträchtigungen beruflicher Aktivität und Teilhabe ist für Frauen allerdings stärker ausgeprägt. Berufsorientierte An-gebote in der Rehabilitation für Frauen bedürfen folglich einer stärkeren Akzentuierung der Verein-barkeit von Beruf und Familie und einer intensiveren Berücksichtigung der damit einhergehenden Belastungen. Ziele des Projektes sind deshalb die Entwicklung und Implementierung einer frauenspezifischen berufsorientierten Patientenschulung für erwerbstätige Frauen mit besonderer beruflicher Problemlage im Rahmen der orthopädischen Rehabilitation und die Überprüfung der Wirksamkeit dieser Schulung. Die geplante Schulung umfasst 5 Sitzungen, in denen unter besonderer Berücksichtigung von Arbeit-Familie-Konflikten und frauentypischen Belastungen im Erwerbsleben, Strategien zur Bewältigung besonderer beruflicher Problemlagen erarbeitet werden. In der einjährigen Entwicklungs-und Implementierungsphase wird die manualgetreue Durchführung des Schulungsprogramms Women@work vorbereitet und erprobt. Für die Entwicklung der Schulung sind insgesamt 6 Monate geplant. Dazu sind u.a. Workshops vorgesehen, in denen die Projektbeteiligten (Forscher und Klinikmitarbeiter) Schulungsziele und -inhalte sowie das didaktisch-methodische Vorgehen in den Schulungsmodulen erarbeiten. In einem Probelauf wird die Durchführbarkeit der Module überprüft, Verbesserungspotenziale identifiziert (formative Evaluation) und anschließend die finale Version des Schulungsmanuals erstellt. Ein Train-the-Trainer-Seminar bereitet die Mitarbeiterinnen der Studienkliniken im Anschluss auf die Durchführung der Schulung vor. Neben der Programmimplementierung soll ein Screening entwickelt und in die Routineabläufe der beteiligten Kliniken implementiert werden. Um Konflikte zwischen Familie und Beruf empirisch abbilden zu können, ist eine deutsche Übersetzung des Work-Family-Conflict-Questionnaire von Kelloway et al. (1999) vorgesehen. Um darüber hinausgehende frauenspezifische Belastungen im Erwerbsleben zu erfassen, ist die Erstellung einer Checkliste geplant. Diese Checkliste basiert auf Ergebnissen von Fokusgruppendiskussionen mit betroffenen Frauen. Die zweijährige Hauptstudie ist als clusterrandomisierte Multicenter-Studie geplant. Die Rekrutierung der Patientinnen erfolgt in mindestens 6 Studienkliniken (n = 576). Die für jede Klinik getrennt erstellte Randomisierungsliste weist Patientinnengruppen entweder der Interventions- oder der Kontrollbedingung zu. Teilnehmer-innen der Interventionsgruppe (IG) erhalten während ihrer Rehabilitation neben den üblichen therapeutischen Leistungen das frauenspezifische Angebot Women@work. Teilnehmerinnen der Kontrollgruppe (KG) erhalten das übliche Rehabilitationsangebot und anstelle der Intervention ein bewegungstherapeutisches Aufmerksamkeitsplacebo (Nordic Walking). Die Rekrutierungsphase soll nach 12 Monaten beendet sein. Um die Wirksamkeit des Schulungsprogramms zu prüfen, werden primäre (Work Ability Index) und sekundäre Zielkriterien (kurzfristig: Behandlungszufriedenheit, berufs- und familienbezogene Selbstwirksamkeitserwartungen, Behandlungswissen, mittel-und langfristig: Auswirkungen auf erlebte Arbeit-Familie-Konflikte, Arbeitsunfähigkeitszeiten, gesund-heitsbezogene Lebensqualität, Depressivität und Angst) zu Reha-Anfang und Reha-Ende sowie nach 6 und 12 Monaten mittels schriftlicher Befragung erhoben. Für die statistischen Analysen werden Verallgemeinerte lineare Schätzungsgleichungen gerechnet. Darüber hinaus werden nach Reha-Ende die anonymisierten Entlassungsberichte ausgewertet. Die Ergebnisse der Datenanalysen werden im Endbericht zusammengefasst.
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