Suche:


Zoom = Maus über Bild bewegen | Bild hier öffnen

Download

Abschlussbericht PRÄVENT

 

Ansprechpartner

Prof. Dr. Hans Joachim Salize
Arbeitsgruppe Versorgungsforschung
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
J5, 68159 Mannheim
Tel. 0621 1703 6401

Fax. 0621 1703 6405
e-mail:

vorheriger Artikel  |  nächster Artikel

Effektivität und Kostenwirksamkeit der Verringerung zwangsweiser stationärpsychiatrischer Unterbringungen durch Intensivbetreuung, Schulung und präventives Monitoring

Salize HJ, Dressing H, Arnold M, Gallas C, Kief S, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim

 

Das Projekt untersucht im Rahmen einer kontrollierten prospektiven Interventionsstudie die Effektivität und Kostenwirksamkeit einer gezielten Interventionsmaßnahme zur Reduzierung von Zwangsaufnahmen in die stationärpsychiatrische Behandlung. Zwangsunterbringung und Zwangsbehandlung sind zentraler Bestandteil der psychiatrischen Praxis und dienen der Sicherstellung einer bedarfsgerechten Behandlung des Patienten und der gleichzeitigen Abwehr von Eigen - und/oder Fremdgefährdungen seitens des Betroffenen. Trotz der ethischen, gesundheits- und gesellschaftspolitischen Bedeutung der Problematik werden präventive Interventionen im Vorfeld einer psychiatrischen Krise, mit denen sich Zwangsunterbringungen möglicherweise verhindern oder verringern lassen, nicht ausreichend erprobt und erforscht. Hier setzt die o.g. Studie an.

 

Sie wurde vom 1.2.2008 bis 31.1.2011 durchgeführt. Der Projektplan sah vor, chronisch psychisch kranke Patienten mit einem Risiko für künftige Zwangseinweisungen zu rekrutieren, per Zufallsverfahren auf eine Interventions- (IG) und Kontrollgruppe (KG) zu verteilen und nach Entlassung aus einer psychiatrischen Indexhospitalisierung über einen Zeitraum von mindestens ein Jahr hinsichtlich der Zielkriterien (s.u.) nach zu verfolgen. Die Patienten in der IG erhielten neben der regulären psychiatrischen Behandlung ein Maßnahmepaket, das aus einer problemspezifischen Schulung, der Erstellung einer Notfallkarte mit Auflistung der individuellen Risikofaktoren für unfreiwillige Unterbringungen und einem engmaschigem präventivem Monitoring hinsichtlich dieser Risikofaktoren bestand. Das Monitoring bestand in Telefonaten in dreiwöchigem Abstand zwischen Studienpersonal und Patienten, in denen die aktuelle Situation und die Lage hinsichtlich der Risikofaktoren besprochen und Ratschläge hinsichtlich evtl. in Frage kommender rückfallprophylaktischer Maßnahmen erteilt wurden. Die Patienten der KG erhielten „treatment as usual“, d.h. ihre reguläre psychiatrische Versorgung, aber keine der speziellen Studienmaßnahmen. Primäre Zielkriterien der Studie waren Anzahl, Verweildauer und Status (frei- oder unfreiwillig) von Wiederaufnahmen in die stationärpsychiatrische Behandlung während des Follow-ups sowie die Zeit bis zu dieser Aufnahme. Subjektive Zielkriterien waren u.a. Behandlungszufriedenheit Lebensqualiät und Empowerment seitens der Patienten.

 

Insgesamt wurden 204 Patienten in 5 beteiligten psychiatrischen Krankenhäusern und Abteilungen rekrutiert, in die Studie aufgenommen und nach dem Zufallsverfahren auf die Interventions- und Kontrollgruppe verteilt (jeweils n=104). 38 Patienten (37,3 %) der IG beendeten im Laufe der Nachverfolgung die Studienteilnahme vorzeitig. In der KG betrug die Dropout-Rate 28,4 % (29 Patienten). Die mittlere Nachbeobachtungszeit der regulär die Studie beendenden Patienten lag in der IG bei 609 Tagen, in der KG 601 Tagen.

 

In den ersten Analysen zeigte sich, dass sich die Patienten der IG und der KG weder in den Hauptzielkriterien Anzahl, Verweildauer und Zeit bis zur ersten zwangsweisen Wiederaufnahme nach Entlassung aus der Indexhospitalisation unterschieden. Gleichheit bestand ebenfalls hinsichtlich der nicht zwangsweise erfolgten stationären Episoden. Die Intervention zeigt jedoch offenbar subgruppenspezifische Wirkung. Patienten der KG mit eindeutigen u. schweren produktiven Symptomen (PANNS) wiesen einen Trend zu höheren stationärpsychiatrischen Verweildauern (freiwillig und zwangsweise) während des Follow-ups im Vergleich zu IG-Patienten mit dem gleichen Schweregrad auf. Gleichermaßen war die Krankenhaushäufigkeit (d.h. Zahl der stationärpsychiatrischen Wiederaufnahmen in 12 Monaten) in der KG erhöht. Weitere Befunde deuten auf einen signifikanten Einfluss des Grades der Behandlungscompliance die Überlebenszeit bis zur ersten stationärpsychiatrischen Wiederaufnahme hin.Weiterführende Analysen dauerten zum Berichtszeitpunkt noch an.

 

Die Patienten wurden in insgesamt fünf Studienzentren (psychiatrische Kliniken) rekrutiert:

a) Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim,
b) Zentrum für Psychiatrie Nordbaden, Wiesloch,
c) Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Krankenhaus Zum Guten Hirten, Ludwigshafen,
d) Walter-Picard-Klinik, Zenrum für Soziale Psychiatrie Phillipshospital, Riedstadt,
e) Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Sonnenwende, Bad Dürkheim.




< Sekundärprävention einer Anpassungsstörung ... - Kröner-Herwig  |  Wirksamkeit und Nachhaltigkeit ... - Kordy >