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Korrespondenzadresse

Dr. Iris Brandes, MPH
Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Tel.: 0511/532-9834
Fax: 0511/532-5347
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Evaluation eines Schulungsprogramms für Patientinnen mit Endometriose (EVA-Studie)

Iris Brandes, Beate Wunderlich
Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, 
Medizinische Hochschule Hannover

 

Hintergrund: 
Für verschiedene Indikationen liegen Nachweise zur Wirksamkeit von Patientenschulungen vor. Diese werden jedoch überwiegend im stationären Setting angeboten. Um Patienten ohne stationären Rehabilitationsaufenthalt Schulungsmaßnahmen zugänglich machen zu können, bedarf es ambulanter Schulungsangebote. Am Beispiel der Endometriose werden - zusätzlich zu der eigentlichen Evaluation des Schulungsprogramms - Probleme und Hindernisse der Einführung einer ambulanten Patientenschulung untersucht. 
Endometriose ist die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung (AWMF 2006). Verschiedene Aspekte der Erkrankung (Komplexität, fehlende Heilungschancen, nebenwirkungsreiche Therapien, fehlendes Patientenwissen, starke Belastungen auf physischer, psychischer und sozialer Ebene (Oehmke et al. 2007, Finas et al. 2005)) begründen die Notwendigkeit für eine Patientenschulung. Ziel der im Rahmen des Förderschwerpunkts „Chronische Krankheiten und Patientenorientierung" geförderten Studie ist die flächendeckende Implementierung eines standardisierten ambulanten Schulungsprogramms in die Routineversorgung. 
 

Methode: 
Die Umsetzung der ambulanten Schulung erfolgt an mehreren Standorten in unterschiedlichen Settings (Kliniken der Schwerpunkt- und Maximalversorgung, ambulante Rehaklinik, Praxisklinik, öffentlicher Tagungsraum). Als Trainer sind derzeit Gynäkologen / Gynäkologinnen und Frauen aus der Selbsthilfe tätig, die jeweils über umfangreiche Erfahrungen mit Gruppenarbeit und mit der Erkrankung Endometriose haben. 
 

Aktueller Stand: 
Die Patientenschulung wird seit Mai 2008 kontinuierlich angeboten, die geplante Fallzahl von 150 Teilnehmerinnen ist erreicht. 
Im Zusammenhang mit der Entwicklung und Durchführung der Schulung sind verschiedene Probleme und Hindernisse sowohl auf organisatorischer wie auf inhaltlicher Ebene aufgetreten. Im Rahmen der Organisation stellt die Zeitplanung eine besondere Herausforderung dar (Verfügbarkeit der Räume und Trainer, Berufstätigkeit der Frauen, Dauer der Veranstaltung). Die Rekrutierung der Teilnehmerinnen gelingt - anders als erwartet - über Medien wie Zeitungen und Internet besser als über die kooperierenden Kliniken und Praxen. Die Einrichtung einer spezifischen Homepage für Endometriose (www.mh-hannover.de/endometriose/) zielt neben der Informationsvermittlung auch auf die Ansprache und Gewinnung weiterer interessierter Frauen für das Schulungsangebot. Für die Studie stellt insbesondere die Rekrutierung der Kontrollgruppe eine große Herausforderung dar.

Die geplante Durchführung der Schulung durch ein multidisziplinäres Team von mehr als zwei Trainern ist nicht gelungen. Es hat sich gezeigt, dass eine strenge Orientierung an einem starren Ablauf mit wechselnden Trainern - wie bei anderen Indikationen üblich - nicht den Bedürfnissen der Frauen mit Endometriose entspricht. In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit von anderthalb Tagen ist es nicht möglich, der Komplexität der Erkrankung mit den körperlichen, psychischen, beruflichen und privaten Folgen und den teilweise sehr unterschiedlichen Anforderungen der Frauen gerecht zu werden. Eine Fokussierung auf die besonderen Bedürfnisse der jeweiligen Teilnehmerinnen ist erforderlich, wobei dem intensiven Austausch innerhalb der Gruppe ausreichend Raum gegeben werden muss. Das gelingt durch zwei gleichzeitig anwesende Trainer besser als durch ständig wechselnde Trainer.
Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen belegen den Wunsch nach einem weiteren Schulungstermin zur Vertiefung der Informationen und Kompetenzen. Die Auswertung der Fragebögen wird zeigen, inwieweit eine Erweiterung des Schulungsangebots erforderlich ist.

 

Schlussfolgerung:
Im Rahmen der Studie wurde deutlich, dass bei ambulanten Schulungsprogrammen den beiden Themenbereichen Zugang zu den PatientInnen und Umsetzung der Schulung unter Berücksichtigung der Empfehlungen für Patientenschulungsprogramme in der Rehabilitation zusätzliche Aufmerksamkeit zukommen muss. Unter Studienaspekten stellt die Rekrutierung der Kontrollgruppe ein gravierendes Problem dar.

 

Literaturverzeichnis

  1. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Diagnostik und Therapie der Endometriose. AWMF Leitlinien-Register Nr. 015/045; Erstellungsdatum 04/2006; http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/015-045.htm
  2. Oehmke F, Suwandinata F, Deisting C, Tinneberg HR (2007) Datenlage zur Endometriose. Der Gynäkologe; Online-Publikation 21.06.2007; http://www.springerlink.com/content/9106uk14q070x274/
  3. Finas D, Hüppe M, Diedrich K, Kowalcek I (2005) Chronischer Unterbauchschmerz am Beispiel der Endometriose - Problempatientin in der Gynäkologie? Geburtsh Frauenheilk 65: 156-163

 




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