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Abschlussbericht

Manual

Weitere Studienmaterialien können auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.

 

Kontakt

Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Rehabilitationsmedizin
Magdeburger Straße 8
06097 Halle

Dr. Kerstin Mattukat, Dipl.-Psych.
Tel.: +49 (345) 557-7646
E-Mail:

 

Sekretariat
Tel.: +49 (345) 557-4204
E-Mail:

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Reha-Optimierung bei Patienten mit Polyarthritis oder Spondyloarthritis durch ein individuell vereinbartes Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining (KAKo-Training)

Projektleitung:
Prof. Dr. med. Wilfried Mau, Institut für Rehabilitationsmedizin, Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

 

Projektdurchführung:
Dr. Kerstin Mattukat, Dipl.‐Psych., Institut für Rehabilitationsmedizin, MLU Halle‐Wittenberg

 

Kooperation:
Dr. Inge Ehlebracht‐König, Rehazentrum Bad Eilsen
Prof. Dr. Karin Kluge, Teufelsbad Fachklinik Blankenburg

 

Förderer:
DRV Bund, DRV Braunschweig-Hannover (Co-Finanzierung)

 

Förderkennzeichen:
0421-FSCP-0536

 

Laufzeit:
01.01.2008 - 31.03.2011 (39 Monate)

 

Hintergrund und Forschungsstand:
Chronische Polyarthritiden (cP) und Spondyloarthritiden (SpA) sind die häufigsten chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen mit hohem Risiko von Einschränkungen der Aktivität und Teilhabe einschließlich der Erwerbsminderung (1). Circa eine Million Deutsche sind von den untersuchten rheumatischen Erkrankungen betroffen, die häufig chronisch progredient verlaufen (2). Regelmäßige körperliche Aktivitäten (v. a. aerobes Kraft- und Ausdauertraining) gehen auch bei diesen Patienten mit einer Vielzahl an gesundheitsbezogenen Verbesserungen einher (3, 4), ohne dass bei korrekter Durchführung vermehrte Gelenkschäden oder eine Erhöhung der Krankheitsaktivität zu befürchten sind (5). Dennoch ist ein inaktiver Lebensstil hier besonders verbreitet (6). Nachdem deren kurz- und mittelfristige Wirksamkeit nachgewiesen wurde, wurde die Rehabilitation in evidenzbasierte nationale und internationale Empfehlungen zum Krankheitsmanagement für entzündlich-rheumatische Erkrankungen aufgenommen (7). Zur Aufrechterhaltung der positiven Ergebnisse der Rehabilitation werden den Patienten neben der Verordnung bewegungsbezogener Nachsorgeleistungen im Anschluss an die Rehabilitation vor allem eigenständige körperliche Aktivitäten empfohlen. Da es vielen Rehabilitanden jedoch nicht gelingt, ihre bewegungsbezogenen Pläne im Alltag umzusetzen (8), muss die Realisierung der Bewegungsaktivitäten im Alltag nach Reha-Ende gezielt unterstützt werden.

 

Gegenstand und Ziele:
Daher wurde ein intensives Kraft‐, Ausdauer‐ und Koordinationstraining (KAKo‐Training) nach de Jong et al. (9) bei Patienten mit cP oder SpA in die Klinikroutine der beteiligten Kliniken implementiert und während der dreiwöchigen stationären Rehabilitation durchgeführt. Diese intensiven Trainingseinheiten in geschlossenen Gruppen wurden durch systematische Motivationsarbeit vor dem Hintergrund des Transtheoretischen Modells (TTM) ergänzt. Als Hilfsmittel fungierten ein Therapeutische Begleitheft in Anlehnung an Sudeck (10) und der hier eingeführte Bewegungsplaner. Im Rahmen einer partizipativen Versorgungsgestaltung wurde die Umsetzung von regelmäßigen Bewegungsaktivitäten nach der Rehabilitation in Wohnortnähe gemeinsam mit den Rehabilitanden vorbereitet und am Reha-Ende in einer Trainingsvereinbarung schriftlich fixiert. Ein zusätzlicher Impuls zur Umsetzung der geplanten Bewegungsaktivitäten erfolgte vier Wochen nach Entlassung durch eine kurze schriftliche bzw. telefonische Nachfrage aus der Rehabilitationsklinik. Die Aufnahme und Aufrechterhaltung eigenständiger Bewegungsaktivitäten wurden im Ein‐Jahres‐Verlauf untersucht.

 

Methode:
Im Rahmen der kontrollierten, sequentiellen Studie wurden Rehabilitanden mit cP oder SpA im Rehazentrum Bad Eilsen und der Teufelsbad Fachklinik Blankenburg zu vier (Kontrollgruppe [KG]) bzw. fünf Messzeitpunkten (Interventionsgruppe [IG]) befragt. Von 555 vor Reha‐Antritt schriftlich über die Studie informierten Rehabilitanden konnten beim Aufnahmegespräch in den Kliniken insgesamt 392 Rehabilitanden (71 %) rekrutiert werden, von denen für 307 (78 %) Ein‐Jahres‐Verlaufsdaten (T5) vorliegen. Stichprobe zu T1: Alter 47 [± 8] Jahre, 62 % Frauen, 70 % cP, 30 % SpA, Krankheitsdauer 9 [± 8] Jahre, 85 % erwerbstätig in Voll‐ oder Teilzeit.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe (KG: n=156) wurden Verbesserungen der Interventionsgruppe (IG: n=151) bzgl. des körperlichen Teils der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (SF-36) als Hauptzielgröße sowie der Nebenzielgrößen alltagsbezogene Funktionskapazität (FFbH), körperliche Aktivität (Energieumsatz in kcal/Woche; FFkA), Schmerzen (NRS), motivationale Bewegungsaspekte (SSA), psychische Gesundheit (SF-36; Ängstlichkeit und Depressivität; HADS-D), Erwerbstätigkeit sowie direkte und indirekte Kosten untersucht. Als statistische Verfahren wurden Chi²- und t-Tests, Varianzanalysen mit Messwiederholung sowie multivariate Kovarianzanalysen eingesetzt.

 

Ergebnisse:
Zu Reha‐Beginn (T1) zeigten sich keine Unterschiede zwischen KG und IG in gesundheits‐ und aktivitätsbezogenen Merkmalen. Am Reha-Ende (T2) waren in beiden Gruppen die typischen Verbesserungen gegenüber T1 in allen untersuchten gesundheitsbezogenen und motivationalen Merkmalen zu beobachten (Zeiteffekte: p<,001). Die IG zeigte gegenüber der KG zusätzlich stärkere Verbesserungen in motivationalen Merkmalen (sportbezogene Selbstwirksamkeit und Entscheidungsbalance; Interaktionseffekte: p<,05). Weiterhin schätzten die Teilnehmer der IG ihre Rehabilitation in verschiedenen Bereichen positiver ein (Gruppeneffekt: p<,001). Anzeichen für eine Überlastung zeigten sich in keiner der beiden Gruppen. Im Ein-Jahres-Verlauf konnte für die körperliche Summenskala des SF-36 als Hauptzielgröße eine Verbesserung bei allen Rehabilitanden (Zeiteffekt: p<,01), aber keine Überlegenheit der IG im Vergleich zur KG nachgewiesen werden. Gruppenübergreifende stabile Verbesserungen der gesundheitsrelevanten Merkmale bezogen sich auf die berichteten Schmerzen (NRS), die psychische Summenskala des SF-36 (Zeiteffekte: p<,01), Depressivität und Ängstlichkeit (HADS-D) (Zeiteffekte: p<,001). Keine Veränderungen im Zeitverlauf zeigten sich für die alltagsbezogene Funktionskapazität (FFbH) und Krankheitsaktivität (RADAI, BASDAI). Die indirekten Krankheitskosten (v.a. aufgrund von AU-Zeiten und befristeten EM-Renten), stiegen im Ein-Jahres-Verlauf stark an (p<,001), wobei ein stärkerer Anstieg für die KG im Vergleich zur IG zu verzeichnen war (Interaktionseffekt: p<,05). Unter den direkten Krankheitskosten konnten in beiden Gruppen die Krankenhauskosten reduziert werden. In den übrigen Kategorien der medizinischen Behandlungskosten sowie in den Krankheitskosten insgesamt waren keine Veränderungen zu verzeichnen. Für die Erwerbstätigkeit wurde eine günstigere Tendenz für die IG beobachtet (n.s.). Im Bereich der körperlichen Aktivitäten konnten sich alle Probanden im Bereich der Sport- und Gesamtaktivitäten (FFkA; Zeiteffekte: p<,01) sowie in ihrer sportbezogenen Selbstwirksamkeit (Zeiteffekt: p<,001) verbessern. Die IG zeigte darüber hinaus stärkere Verbesserungen hinsichtlich ihrer körperlichen Alltagsaktivität (Interaktionseffekt: p<.05). In Anlehnung an die Empfehlungen zum Bewegungssoll nach Paffenbarger et al. (mind. 2.000 kcal/Wo. Gesamtaktivität) (11) waren zu T5 82 % der Teilnehmer der IG ausreichend aktiv, während nur 71 % der Teilnehmer der KG dieses Kriterium erreichten (p<,05). Die Empfehlungen des American College of Sports Medicine (mind. 1.000 kcal/Wo. durch Training) (12) erfüllten zu T5 57 % der Teilnehmer der IG und nur 42 % der Teilnehmer der KG (p<,05). Subgruppenanalysen belegen die aktivitätsspezifische Wirksamkeit der Intervention für beide Geschlechter und Krankheitsgruppen sowie für jüngere und ältere Patienten. Keine Veränderungen im Ein-Jahres-Verlauf zeigten sich für die Freizeitaktivitäten und die sportbezogene Entscheidungsbalance. Lediglich die „Angst vor Schädigung“ als Komponente der wahrgenommenen Nachteile körperlicher Aktivität konnte in der Gesamtstichprobe reduziert werden (Zeiteffekt: p<,01).

 

Zusammenfassung und weitere Schritte:
Der positive Verlauf nach konventioneller rheumatologischer Rehabilitation zeigt sich durch stabile gruppenübergreifende Verbesserungen in gesundheitsbezogenen Merkmalen zu allen Katamnesezeitpunkten gegenüber Reha-Beginn. Zusätzlich hatte sich die IG am Reha-Ende gegenüber der KG in motivationalen Merkmalen stärker verbessert. Dieser Effekt wurde im Ein-Jahres-Verlauf jedoch nicht beibehalten. Die Daten der 12-Monats-Katamnese weisen auf langfristig positive Effekte des intensiven Trainings mit Motivationsarbeit hinsichtlich vermehrter eigenständiger körperlicher Aktivität und geringeren indirekten Kosten durch Arbeitsunfähigkeitszeiten sowie befristete Erwerbsminderungsrenten. Aktuell werden Publikationen der Studienergebnisse für fachwissenschaftliche Zeitschriften angefertigt.

In der zweiten Förderphase wird in einem weiteren Projekt (boRN) das Erreichen noch größerer und nachhaltigerer Effekte durch (a) ein Screening der körperlichen Leistungsfähigkeit mit Zuweisung der Rehabilitanden zu (b) einem leistungsbezogen gestuftem Training in geschlossenen, gemischten Diagnosegruppen mit (c) systematischer Motivationsarbeit und (d) individueller Nachsorge vorrangig über neue Medien (SMS/E‐Mail) angestrebt.

 

Publikationen nach Projektabschluss:

 

Literatur:

  1. Mau W, Beyer W, Ehlebracht-König I, et al. Krankheitslast. Erste Routineberichterstattung zu sozialmedizinischen Folgen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen in Deutschland. Z Rheumatol. 2008;67(2):157-64.
  2. Mau W, Zink A. Epidemiologie rheumatischer Erkrankungen. In: Assoziation für Orthopädische Rheumatologie (ARO), editor. Rheumaorthopädie. Darmstadt: Steinkopff; 2005. p. 12-20.
  3. Baillet A, Zeboulon N, Gossec L, et al. Efficacy of cardiorespiratory aerobic exercise in rheumatoid arthritis: meta-analysis of randomized controlled trials. Arthritis Care Res. 2010;62(7):984-92.
  4. Cooney JK, Law RJ, Matschke V, et al. Benefits of exercise in rheumatoid arthritis. J Aging Res. 2011;2011:681640.
  5. de Jong Z, Vliet Vlieland TP. Safety of exercise in patients with rheumatoid arthritis. Curr Opin Rheumatol. 2005;17(2):177-82.
  6. Sokka T, Häkkinen A, Kautiainen H, et al. Physical inactivity in patients with rheumatoid arthritis: Data from twenty-one countries in a cross-sectional, international study. Arthritis Rheum. 2008;59(1):42-50.
  7. Zochling J, van der Heijde D, Dougados M, Braun J. Current evidence for the management of ankylosing spondylitis: a systematic literature review for the ASAS/EULAR management recommendations in ankylosing spondylitis. Ann Rheum Dis. 2006;65(4):423-32.
  8. Morfeld M, Küch D, Greitemann B, et al. Multimodale Interventionsprogramme in der Rehabilitation von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen – Ein Vergleich. Rehabilitation. 2010;49(02):66,79.
  9. de Jong Z, Munneke M, Zwinderman AH, et al. Is a long-term high-intensity exercise program effective and safe in patients with rheumatoid arthritis?: Results of a randomized controlled trial. Arthritis Rheum. 2003;48(9):2415-24.
  10. Sudeck G. Motivation und Volition in der Sport- und Bewegungstherapie. Konzeptualisierung und Evaluierung eines Interventionskonzepts zur Förderung von Sportaktivitäten im Alltag. Hamburg: Forum Sportwissenschaft, 2006.
  11. Paffenbarger RSJ, Hyde RT, Wing AL, Hsieh CC. Physical activity, all-cause mortality, and longevity of college alumni. N Engl J Med. 1986;314:605-13.
  12. American College of Sports Medicine. The recommended quantity and quality of exercise for developing and maintaining cardiorespiratory and muscular fitness in healthy adults. Medicine and Science in Sports and Exercise. 1990;22:265-74.

 




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