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Trainermanual

Abschlussbericht PASTOR

 

Kontakt

Prof. Dr. Klaus Pfeifer

Institut für Sportwissenschaft & Sport, Universität Nürnberg-Erlangen,
AB Bewegung und Gesundheit

Gebbertstr. 123b

91058 Erlangen

Tel.: 09131-8528-106

E-Mail: 

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Integrative Patientenschulung (PASTOR) zur Optimierung der stationären orthopädischen Rehabilitation bei chronischem Rückenschmerz

Personen und Institutionen

Prof. Dr. Klaus Pfeifer(federführende Projektleitung), Dr. Heiner Vogel2, Dr. Karin Meng2, Prof. Dr. Dr. Hermann Faller2, Dr. Hartmut Bork(Projektleitung)

Jana Hofmann, M.A.1, Dipl.-Psych. Jana Buchmann2, (Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen)

1 Institut für Sportwissenschaft & Sport, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Bewegung und Gesundheit

2 Abteilung für Medizinische Psychologie, Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC)

 

Beteiligte Einrichtungen 

CA Dr. med. Hartmut Bork, Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC), Asklepios Klinik Schaufling (Kooperationsklinik)

CA Dr. med. Bertram Geigner, Reha Zentrum Bad Steben, Klinik Franken - Deutsche Rentenversicherung Bund (Kooperationsklinik)

CA Dr. med. Joachim Kottmann, Frankenklinik Bad Kissingen der DRV Nordbayern (Kooperationsklinik)

 

Laufzeit

01/2008 –03/2011

 

Förderer

Deutsche Rentenversicherung Bund

 

Hintergrund

Die Wirksamkeit multimodaler interdisziplinärer Behandlungsprogramme bei chronischen Rückenschmerzen ist vielfach bestätigt. Dennoch findet in der nationalen Praxis der Rehabilitation häufig noch keine zielgerichtete Verknüpfung von wissens-, verhaltens- und bewegungsbezogenen Interventionsformen statt und es fehlen Studien, die mittel- und langfristige Effekte einer entsprechenden stationären multimodalen Behandlung untersuchen.

 

Ziele/Fragestellungen

Zielsetzung des Projekts ist die Entwicklung eines spezifischen, integrativen Patientenschulungsprogramms zum Aufbau von Selbstmanagementkompetenzen bei Rückenschmerzen sowie die Evaluation seiner Wirksamkeit im Vergleich zum üblichen Vorgehen in der stationären Rehabilitation. Der innovative Charakter kommt dadurch zum Ausdruck, dass alle am Rehabilitationsprozess beteiligten Professionen, d.h. insbesondere Arzt, Bewegungstherapeut und Psychologe, im Sinne einer multiprofessionellen und interdisziplinären Patientenschulung auf dieselben Module des spezifischen Schulungsprogramms zurückgreifen und diese Module spezifische Inhalte und Methoden sowie speziell aufbereitete Medien und Patientenmaterialien zur Reduktion typischer Chronifizierungsrisiken enthalten. Dieses auf Basis bestehender Vorarbeiten entwickelte Programm wird an 12 Tagen während eines dreiwöchigen Aufenthaltes in geschlossenen Gruppen durchgeführt, um sukzessive und in didaktisch sinnvoller Weise die individuelle Handlungskompetenz im Umgang mit Rückenschmerzen zu verbessern. Im Vordergrund steht dabei die Vermittlung von rückenschmerzbezogenem Wissen, die Hinführung zu positiv erlebter und eigenständig durchführbarer (selbst gesteuerter) körperlicher/gesundheitssportlicher Aktivität sowie die Vermittlung und Einübung von Coping-Strategien für den Umgang mit Rückenschmerzepisoden.

Die Hauptfragestellung betrifft die Wirksamkeit des integrativen Patientenschulungsprogramms im Vergleich zur Standardrehabilitation.

Nebenfragestellungen betreffen Zusammenhänge der Wirksamkeit mit Risiko-/Chronifizierungsfaktoren sowie die Wirkmechanismen des Schulungsprogramms.

 

Studiendesign/Methoden

Die Prüfung der Wirksamkeit erfolgt im Rahmen eines multizentrischen, quasi-experimentellen Kontrollgruppendesigns mit drei Messzeitpunkten. Zeitstichproben mit konsekutivem Einschluss von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen werden zuerst einer Kontrollbedingung (usual care; n = 294) und nach anschließender Implementierung des neuen Behandlungsprogramms einer Interventionsbedingung (Integrative Patientenschulung; n = 294) zugewiesen. Patientendaten zur Prüfung der Wirksamkeit werden zu Rehabilitationsbeginn, -ende und in einer 12-Monats-Katamnese erfasst. Primäres Zielkriterium ist der rückenschmerzbedingte Funktionsstatus ein Jahr nach der Rehabilitation; sekundäre Zielgrößen sind u.a. Angst-Vermeidungsüberzeugen, schmerzbezogene Kognitionen, Schmerzbewältigung, körperliche Aktivität sowie subjektive Gesundheit/Lebensqualität. Zur Analyse der Wirkeffekte – d.h. der Unterschiede in den Patientenoutcomes zwischen der Kontroll- und der Experimentalgruppe zum dritten Messzeitpunkt – werden t-Tests bzw. Kovarianzanalysen unter Kontrolle bedeutsamer Baseline-Unterschiede in den Ausgangsmesswerten durchgeführt.

 

Ergebnisse

Nach 12 Monaten liegen Daten von 382 Personen (71%) vor. Ein Jahr nach der Rehabilitation besteht im primären Zielparameter ein signifikanter kleiner Intergruppeneffekt in der Verbesserung der Funktions­kapazität (FfbH-R) zugunsten der IG (η2 = 0.036; p< 0.001). Hinsichtlich sekundärer Zielparameter zeigen sich langfristig ebenfalls signifikante, kleine bis mittlere Interventionseffekte.

Mit Blick auf die Schmerzverarbeitung weisen Personen der IG zur 12-Monatskatamnese niedrigere Ausprägungen hinsichtlich der Skalen zur Hilf-/Hoffnungslosigkeit (AEQ) (η2 = 0.029; p= 0.001), Angst/Depressivität (AEQ) (η2 = 0.022; p= 0.004) sowie geringere Angst-Vermeidungs-Überzeugungen für die Aufnahme körperlicher Aktivität (TSK-13) (η2 = 0.051; p< 0.001), eine verringerte Bewegungsangst (TSK-13) (η2 = 0.041; p< 0.001) als auch eine geringere Vermeidung sozialer (AEQ) (η2 = 0.039; p< 0.001) und körperlicher Aktivitäten (η2= 0.036; p< 0.001) auf, während die mittleren Werte für Humor/Ablenkung (η2 = 0.040; p< 0.000) im Vergleich zur KG signifikant höher ausfallen.

In der Schmerzbewältigung (FESV) zeigen sich bei Personen der IG im Vergleich zur KG Verbesserungen bei kognitiven Strategien wie ein höheres Kompetenzerleben (η2 = 0.025; p=0.002), eine stärkere kognitive Umstrukturierung (η2 = 0.040; p< 0.000) sowie verbesserte subjektive Handlungsplanungskompetenzen (η2 = 0.065; p< 0.001). Hinsichtlich behavioraler Strategien der Schmerzbewältigung ergeben sich ebenfalls signifikante Gruppenunterschiede zur 12-Monatskatamnese. Diese betreffen Verbesserungen in der Anwendung von Ruhe- und Entspannungstechniken (η2 = 0.020; p= 0.005), gegensteuernden Aktivitäten (η2 = 0.113; p< 0.001) und mentaler Ablenkung (η2= 0.080; p< 0.001) seitens der IG.

Des Weiteren weisen Probanden der Interventionsgruppe eine höhere körperliche Funktionsfähigkeit (SF-12) (η2 = 0.013; p= 0.027), geringere Schmerzbelastung (NRS) (η2 = 0.012; p< 0.032), eine höhere Sportaktivität (FFkA) (η2 = 0.015; p= 0.024) sowie verringerte AU-Zeiten nach der Rehabilitation (η2 = 0.017; p< 0.013) auf.

Für den psychischen Gesundheitsstatus (SF-12), die Schmerzverarbeitungsparameter des Katastrophisierens, der Schmerzsupression und des Durchhalteappells (AEQ) sowie in der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen (Arztbesuche) liegen keine bedeutsamen Gruppenunterschiede vor.

 

Schlussfolgerung

Langfristig zeigen sich mit kleinen bis mittleren Interventionseffekten im primären Zielparameter und in weiteren sekundären Zielparametern höhere Effekte des integrativen Schulungsprogramms „PASTOR“ im Vergleich zur Standardrehabilitation. Auf Basis dieser Ergebnisse kann der Einsatz des Programms zur Optimierung der Standardrehabilitation empfohlen werden.

 

Publikationen

Buchmann, J., Hofmann, J., Meng, K., Vogel, H., Bork, H. & Pfeifer, K. (2011). Integratives Rehabilitationsprogramm zur Optimierung der Rehabilitation bei chronischen Rückenschmerzen. Vortrag im Rehabilitationswissenschaftlichen Seminar an der Universität Würzburg, 29. Juni 2011, Würzburg.

 

Hofmann, J., Buchmann, J., Meng, J., Vogel, H., Bork, H. & Pfeifer, K. (2011). Wirksamkeit einer integrativen Patientenschulung zur Optimierung der stationären Rehabilitation bei chronischem Rückenschmerz: Eine multizentrische, prospektive Kontrollgruppenstudie. DRV-Schriften: Bd. 93., S. 176-177.

 

Nienaber, J., Zamora, R., Buchmann, J., Meng, K., Hofmann, J., Pfeifer, K. (2010). Prozessevaluation der integrativen Patientenschulung zur Optimierung der stationären Rehabilitation bei chronischem Rückenschmerz. 19. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium in Leipzig. DRV-Schriften, 88, S. 55-56. 




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