Entwicklung und Evaluation einer ICF-basierten Patientenschulung für Schlaganfallpatienten in der Phase C und D
Ziel des Projektes war es, eine Patientenschulung basierend auf dem Modell der ICF und dem ICF Core Set für Schlaganfall zu entwickeln und zu testen. Ziel der Schulung war es, das Verständnis der Patienten für die ihre Funktionsfähigkeit beeinflussenden Faktoren zu vergrößern, die Selbsteinschätzung ihrer Kompetenzen bezogen auf die Bewältigung von Schwierigkeiten und Barrieren, die im Alltag die Funktionsfähigkeit beeinflussen, zu erweitern (Selbstwirksamkeit), ihre Fähigkeit zum eigenverantwortlichen Umgang mit ihrer Erkrankung zu stärken (Selbstmanagement) und sie darin zu unterstützen, ihre Belange im alltäglichen Leben möglichst autonom und selbst bestimmt vertreten und gestalten zu können (Empowerment).
Die entwickelte ICF-basierte Patientenschulung besteht aus drei Modulen und wird in einer geschlossenen Gruppe mit maximal 4 Patienten, die fünf Tage à 60 Minuten pro Tag zusammen arbeiten, durchgeführt:
- Im ersten Modul (erster Tag) wird unter Verwendung des ICF Core Sets für Schlaganfall zunächst die Funktionsfähigkeit des Patienten aus der Sicht des Patienten systematisch erfasst.
- Im zweiten Modul (zweiter bis vierter Tag) werden die Kategorien des ersten Moduls ausgewählt, die für die meisten Patienten problematisch waren. Zwei Kategorien werden pro Tag dann besprochen indem alle Patienten nacheinander gefragt werden, welche konkreten Probleme sie damit haben und welche Lösungen sie für diese Probleme sehen, wobei die Erfahrungen der Patienten in der Rehabilitation immer angesprochen werden. Das Suchen nach relevanten Hilfsangeboten in einer für das Projekt entwickelten Broschüre wird so oft wie möglich angeregt.
- Im dritten Modul (fünfter Tag) erfolgt eine systematische Zusammenfassung der bearbeiteten Themen.
Durchführbarkeit und Akzeptanz der Schulung wurden in einer Pilot Studie in August 2008 überprüft [Neubert & Sabariego, 2010]. Die Evaluation der Patientenschulung erfolgte im Rahmen einer prospektiven, randomisiert kontrollierten Interventionsstudie (RCT) mit drei Messzeitpunkten: pre, post und 6 Monate nach der Intervention. Die ICF-basierte Patientenschulung wurde bei Schlaganfallpatienten während ihres Aufenthaltes in einer Rehabilitationseinrichtung durchgeführt und insgesamt wurden 260 Teilnehmer in sieben neurologischen Kliniken rekrutiert. Als primäre Zielgröße wurde Selbstwirksamkeitserwartung, als sekundäre Zielgrößen Funktionsfähigkeit sowie die allgemeine Lebenszufriedenheit festgelegt. Die longitudinalen Daten wurden mit „Multilevel Model for Change“ analysiert. Ein positiver Effekt bezüglich Selbstwirksamkeit und Partizipation wurde in beide Gruppen beobachtet. Dagegen hat sich die emotionale Funktionsfähigkeit in beide Gruppen verschlechtert. Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollgruppe konnte wider erwartet nicht bewiesen werden. Das Konzept der ICF-basierten Patientenschulung wurde deshalb basiert auf die gesammelten Erfahrungen kritisch überprüft und entsprechend verändert. Eine Überprüfung der verbesserten Version im Rahmen einer Pilotstudie ist geplant.
< CARO-Pre - Spyra | Eva-Studie - Brandes >