„Validierung und Normierung des Fragebogens zur Partizipativen Entscheidungsfindung (PEF-FB-9)"
Hintergrund & Ziele
Der Fragebogen zur Partizipativen Entscheidungsfindung erhebt die Beteiligung von Patienten an einer medizinischen Entscheidung aus Sicht von Patienten. Die revidierte Fassung (PEF-FB-9) weist eine gute Reliabilität, eine einfaktorielle Faktorenstruktur sowie eine gute Akzeptanz auf. Ziel dieses Projektes war die Überprüfung der konvergenten Validität des PEF-FB-9 durch ein externes Expertenrating (OPTION-Skala) ärztlicher Konsultationen und nachfolgend die Normierung der Skala für unterschiedliche Indikationen (Diabetes mellitus Typ 2, chronische Rückenschmerzen, Depres-sion). Es wurde ein mittelstarker Zusammenhang zwischen dem PEF-FB-9 und der OPTION-Skala erwartet. In der ersten Projektphase wurde deutlich, dass es bis dato kein psychometrisch getestetes Instrument gibt, welches den Prozess der Partizipativen Entscheidungsfindung aus Sicht des Arztes erhebt. Dadurch ergab sich ein weiteres Projektziel, das darin bestand die bestehende Version des PEF-FB-9 zu einer Arztversion zu adaptieren (PEF-FB-Doc) und diese hinsichtlich Reliabilität und faktorieller Validität zu überprüfen.
Methodik
Es wurde eine Datenerhebung in Hamburger Haus- und Facharztpraxen durchgeführt. Es wurde angestrebt, 30 niedergelassene Ärzte für die Teilnahme an der Studie zu gewinnen, die ihrerseits jeweils 13 Patienten mit den oben genannten Indikationen einschließen sollten. Die Patienten und Ärzte füllten nach Abschluss der Konsultation den PEF-FB-9 bzw. den PEF-FB-Doc aus. Zudem wurde ein Teil der Konsultationen auf Tonband aufgezeichnet, transkribiert und von zwei geschulten Ratern mittels der OPTION-Skala ausgewertet. Die primären Analysen bestanden aus der Bestimmung der Spearman’s Rho Korrelation zwischen den Skalenwerten des PEF-FB-9 und der OPTION-Skala. Normwerte wurden als Perzentile dargestellt. Zur Überprüfung der psychometrischen Eigenschaften des PEF-FB-Doc wurden die interne Konsistenz, deskriptive Statistiken sowie eine konfirmatorische Faktorenanalyse berechnet.
Ergebnisse
Insgesamt konnten N=29 Ärzte für die Studienteilnahme gewonnen werden, die ihrerseits N=324 Patienten einschlossen, davon N=63 mit auswertbaren Audioaufnahmen. Der Zusammenhang zwischen den Summenwerten der beiden Instrumente war mit einer Spearman Korrelation von r=.19 schwach und erreichte knapp keine statistische Signifikanz (p=.069). Es wurden Normwerte für die Gesamtstichprobe (N=301) erstellt. Zudem wurden getrennte Normwerttabellen für Patienten mit unterschiedlichem Bildungsniveau erstellt, da diese sich in der Verteilung signifikant unterschieden. Der PEF-FB-Doc wies eine gute Akzeptanz durch die Ärzte auf. Die Berechnung der internen Konsistenz ergab einen Cronbach’s α von 0.88. Die konfirmatorische Faktorenanalyse bestätigte die eindimensionale Struktur des Konstruktes.
Diskussion
Die Hypothese eines mittelstarken Zusammenhangs zwischen dem PEF-FB-9 und der OPTION-Skala konnte nicht bestätigt werden. Möglicherweise ist die niedrige Korrelation zum Teil auf geringe Varianz aufgrund von Deckeneffekten des PEF-FB-9 und Bodeneffekten der OPTION-Skala zurückführbar. Aktuelle Studien im Bereich Patientenbeteiligung und Arzt-Patienten-Kommunikation zeigen ähnlich divergente Sichtweisen von Patienten und Experten. Der PEF-FB-Doc weißt insgesamt gute psychometrische Eigenschaften auf und ermöglicht in weiteren Studien die Sichtweisen von Arzt und Patient auf den Entscheidungsprozess zu vergleichen.
Veröffentlichungen
- Giersdorf N, Loh A, Bieber C, Caspari C, Deinzer A, Doering T, Eich W, Hamann J, Heesen C, Kasper J, Leppert K, Müller K, Neumann T, Neuner B, Rohlfing H, Scheibler F, van Oorschot B, Spies C, Vodermaier A, Weiss-Gerlach E, Zysno P, Härter M. Entwicklung eines Fragebogens zur Partizipativen Entscheidungsfindung. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 2004;47:969-76.
- Kriston L, Scholl I, Hölzel L, Simon D, Loh A, Härter M (2010). The 9-item Shared Decision Making Questionnaire (SDM-Q-9). Development and psychometric properties in a primary care sample, Patient Education and Counseling, 80, , 94-99
- Kriston, L., Härter, M., Scholl, I. (2012). A latent variable framework for modeling dyadic measures in research on shared decision-making. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, doi:10.1016/j.zefq.2012.03.021.
- Scholl, I., Kriston, L., Dirmaier, J., Buchholz, A., Härter, M. (2012). Development and psychometric properties of the Shared Decision Making Questionnaire – Physician Version (SDM-Q-Doc). Patient Education and Counseling, doi:10.1016/j.pec.2012.03.1005.
- Scholl, I., Kriston, L., Dirmaier, J., Härter, M. (2012). Comparing the 9-item Shared Decision Making Questionnaire to the OPTION Scale - an attempt to establish convergent validity. Health Expectations, doi: 10.1111/hex.12022.
- Scholl, I., Kriston, L. & Härter, M. (2011). PEF-FB-9 - Fragebogen zur Partizipativen Entscheidungsfindung (revidierte 9-Item Fassung). Klinische Diagnostik und Evaluation, 4 (1), 46-49.
- Simon D, Schorr G, Wirtz M, Vodermaier A, Caspari C, Neuner B, Spies C, Krones T, Keller H, Edwards A, Loh A, Härter M. Development and first validation of the shared decision-making questionnaire (SDM-Q). Patient Educ Couns 2006;63:319-27.
Kooperationspartner am UKE
- Prof. Dr. Hendrik van den Bussche, Institut für Allgemeinmedizin
- Prof. Dr. Dieter Naber, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
- Prof. Dr. Rolf Stahl, III. Medizinische Klinik und Poliklinik
- Prof. Dr. Frank-Ulrich Beil, III. Medizinische Klinik und Poliklinik
- Prof. Dr. Wolfgang Rüther, Klinik und Poliklinik für Orthopädie
Nationale und internationale Kooperationspartner
- Prof. Naoko Arimori, Saint Luke's College of Nursing (Japan)
- Prof. Glyn Elwyn, Department of Primary Care and Public Health, Cardiff University (UK)
- Dr. Dominick Frosch, Palo Alto Medical Foundation, Research Institute (USA)
- Dr. Anik Giguère, McMaster University (Canada)
- Dr. Lilisbeth Perestelo Pérez, Canary Islands Health Service (Spain)
- Prof. Anne Stiggelbout, Leiden University Medical Center (the Netherlands)
- Dr. Marije Koelewijn-van Loon, School for Public Health and Primary Care, Maastricht University (the Netherlands)
- Dr. Celia Wills, Ohio State University (USA)
- Yaara Zisman-Ilani & Dr. Orit Karnieli-Miller, University of Haifa (Israel)
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